Genossenschaft
An der Raiffeisenbasis gärt es schon wieder: Gegen den Kandidaten fürs Präsidium wird Stimmung gemacht

Thomas Müller sei eine «zweifelhafte Nominierung», steht in einem Bericht von unzufriedenen Raiffeisenbankern. Sie erwägen eine Sprengkandidatur für die Wahl von Anfang Dezember.

Roman Schenkel
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Hängt der Haussegen in der Genossenschaft schon wieder schief? Das Raiffeisen-Logo am St. Galler Hauptsitz der drittgrössten Schweizer Bank.

Hängt der Haussegen in der Genossenschaft schon wieder schief? Das Raiffeisen-Logo am St. Galler Hauptsitz der drittgrössten Schweizer Bank.

Gaetan Bally / KEYSTONE
Thomas Müller soll am 3. Dezember zum Präsidenten von Raiffeisen Schweiz gewählt werden.

Thomas Müller soll am 3. Dezember zum Präsidenten von Raiffeisen Schweiz gewählt werden.

PD

Als «Aufpasser» wurde der neue Raiffeisenbanken-Rat (RB-Rat) im November 2019 konstituiert. Ein «Sparringspartner» für den Verwaltungsrat sollte er sein, der dem Gremium «auf die Finger schaut». Der neue Rat soll der Basis mehr Einflussmöglichkeiten auf den Kurs der Bank geben. «Wir brauchen ein Organ, das in kürzester Zeit in der Lage ist, auf Entwicklungen bei Raiffeisen Schweiz zu reagieren», sagte Bruno Poli, Präsident der Raiffeisenbank Nidwalden damals dem «Tages-Anzeiger».

Heute ist Bruno Poli Präsident eben dieses RB-Rats. Das Gremium sollte nach der Affäre um Ex-CEO Pierin Vincenz die Wogen zwischen den regionalen Genossenschaften und der Zentrale in St. Gallen glätten. Nach dessen Abgang gab es viel Missmut in den Regionen über das «selbstherrliche» Gebaren bei Raiffeisen Schweiz. Unter Präsident Guy Lachapelle schien sich die Situation dann auch zu beruhigen, doch nach seinem unfreiwilligen Rücktritt vergangenen Sommer gärt es offenbar erneut an der Basis. Rund um die Nomination für das Verwaltungsratspräsidium droht ein Konflikt aufzubrechen.

Gegen Thomas Müller, der am 3. Dezember an einer ausserordentlichen Generalversammlung von den Delegierten zum neuen Präsidenten der drittgrössten Schweizer Bank gewählt werden soll, wird Stimmung gemacht. Darüber berichtet der Finanzblog «Inside Paradeplatz». Eine Gruppe von Vertretern aus den einzelnen Genossenschaften habe sich formiert, um den vom Verwaltungsrat der Raiffeisen Schweiz vorgeschlagenen Kandidaten abzulehnen. Seine Vergangenheit mache Müller angreifbar, es handle sich um eine «zweifelhafte Nominierung», zitiert das Portal aus einem vierseitigen Dokument.

Der gleiche Finanzblog berichtete vor wenigen Tagen zudem über einen Gerichtsfall, in den Thomas Müller involviert war. Der Fall hat überhaupt keinen relevanten Zusammenhang mit Raiffeisen und ist privater Natur. Weder lässt der Bericht Rückschlüsse auf Müllers Persönlichkeit noch auf seine Fähigkeiten als Banker zu. Doch in den Kommentarspalten des Blogs war die Meinung schnell gemacht.

Der Zeitpunkt der Publikation ist sicherlich kein Zufall und der Verdacht liegt nahe, dass auch hier die anonyme interne Oppositionsgruppe von Raiffeisen am Werk war. Bei der Wahl der Mittel, um den designierten Präsidenten in einem schlechten Licht darzustellen, ist man offensichtlich nicht gerade zimperlich.

Der Grund für die Opposition sind einige Stationen in Thomas Müllers Karriere. Insbesondere seine Position bei der Bank Sarasin. 2010 war der in der Nähe von St. Gallen aufgewachsene Manager als Finanzchef zur Basler Privatbank gestossen. Diese war zu jenem Zeitpunkt tief in die Cum-ex-Geschäfte mit deutschen Banken verwickelt, über die derzeit verschiedene deutsche Gerichte befinden. Unter anderem hatte Sarasin über Jahre hinweg Scheinrechnungen an die Adresse einer Hamburger Privatbank in Höhe von über 20 Millionen Euro ausgestellt, mit dem Ziel, die gerichtlich als strafbar qualifizierten Methoden der Steuerhinterziehung zu verschleiern. Müller war allerdings bis heute nie Ziel einer Strafuntersuchung in dieser Sache.

Dennoch: Zu viel Angriffsfläche, kritisieren die Raiffeisen-Aufständischen. Sie wollen Thomas Müller deshalb verhindern. Mögliche Sprengkandidaten werden offenbar diskutiert.

Raiffeisen Schweiz lässt sich von dieser Kritik nicht beirren. «Alle Nominierten wurden im Rahmen eines Prozesses, in den neben dem Nominations- und Vergütungsausschuss von Raiffeisen Schweiz auch ein Executive-Recruitment-Unternehmen und eine Delegation von Raiffeisenbanken bzw. des RB-Rats involviert waren, gründlich überprüft. Es wurden keine Vorbehalte vorgebracht», schreibt die Medienstelle auf Anfrage.

Der RB-Rat, der laut Geschäftsbericht die Aufgabe hat, «das Vertrauen in die Zusammenarbeit zwischen den Raiffeisenbanken und Raiffeisen Schweiz nachhaltig stärken und legitimieren», will sich dazu nicht separat äussern. Ob hinter der Opposition gegen Müller nur wenige Genossenschaftsvertreter stehen oder viele, die Frage bleibt unbeantwortet. Die Vermittlerrolle, die dem RB-Rat zukommen sollte, scheint dieser noch nicht gefunden zu haben. Der Rat kommuniziere nur intern, gegen aussen kommuniziere die Medienstelle von Raiffeisen Schweiz, heisst es.

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