Aktiencrash

Fünf Gründe, wieso die Börsen weltweit im Panikmodus sind

Ein Börsenmakler in Frankfurt reibt sich am Donnerstag die Augen.

Ein Börsenmakler in Frankfurt reibt sich am Donnerstag die Augen.

Die Börsenkurse haben am Donnerstag ihre Talfahrt fortgesetzt. Das hat mehrere Gründe.

1. Börsianer rechnen mit einer weltweiten Rezession
Die Preise einer Aktie widerspiegeln in der Theorie die Erwartungen der Anleger in der Zukunft. Sinkt der Preis, hat das damit zu tun, dass die Aktionäre der Meinung sind, dass die Firma künftig weniger einnimmt. In den letzten Wochen wurden deshalb allein in der Schweiz über 100 Milliarden an Börsenwert vernichtet. Besonders die niedrigen Öl- und Rohstoffpreise könnten zum Problem für die Weltwirtschaft werden. «Niedrige Rohstoffpreise können finanziellen Druck in Exportländern erhöhen, besonders in den anfälligen Schwellenländern und in rohstoffnahen Industrien in aller Welt», sagte die US-Notenbankchefin Janet Yellen vorgestern. Die Anleger rechnen also mehrheitlich nicht damit, dass die Firmen vorwärtsmachen. Deshalb verkaufen sie ihre Aktien und deponieren das Geld beispielsweise in Gold. Das ist einer der Hauptgründe für die gegenwärtigen Turbulenzen an den Aktienmärkten.

2. Die Aussichten in China verdüstern sich
Laut der nationalen chinesischen Statistikbehörde wuchs die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt im vergangenen Jahr um 6,9 Prozent. Das ist weit entfernt von den zweistelligen Raten, die in der Vergangenheit erzielt wurden. Die chinesische Wirtschaft, die bisher vor allem eine exportorientierte Wirtschaft war und einen grossen Teil der Rohstoffe konsumierte, muss sich rasch in eine Dienstleistungswirtschaft umbauen, will sie nicht völlig kollabieren. Das ist ein unglaublich schwieriger Akt. Dazu gehört auch, dass chinesische Firmen im Ausland Know-how einkaufen. Die meisten Beobachter rechnen zwar damit, dass das Land das schafft. Doch die Nachfrage nach Gütern aus dem Ausland nimmt während dieser Phase der Transformation ab.

3. Bank-Aktien sind wegen neuen Regeln schwieriger zu bewerten
Von den Börsenturbulenzen sind vor allem Finanztitel betroffen. In der Schweiz ist es vor allem die Credit Suisse, deren Aktie historische Tiefstände notiert und seit Anfang Jahr um fast 40 Prozent eingebrochen ist. Aber auch die UBS hat Mühe. Noch geben sich die Ratingagenturen cool. Auch die Bankchefs betonen die gute Kapitalisierung ihrer Banken. CS-Konzernchef Tidjane Thiam meint etwa, dass die Bewertung der Aktien angesichts der Kapitalausstattung nicht gerechtfertigt sei. Offenbar zweifeln jedoch die Anleger an den neuen Kapitalregeln, die eigentlich zu ihrem Schutz gedacht sind, aber auch zum Schutz der Steuerzahler. Die Wirksamkeit der neuartigen Finanzpuffer wird angezweifelt. Die britische Wirtschaftszeitung «Financial Times» gibt den Unsicherheiten über diese neuen Regeln eine Teilschuld. Wenn diese nicht sicher sind, dann hat das Folgen für die Bewertungen.

4. Die Zentralbanken haben ihr Pulver verschossen
US-Notenbankchefin Yellen will an ihrer Politik der moderaten Zinserhöhungen festhalten. Das hat sie am Mittwoch erneut bekräftigt. Mit dieser Aussage hat sie die Finanzmärkte bachab geschickt. Die Spezialisten sind sich uneins: Kann die US-Notenbankchefin nicht mehr zurückrudern oder will sie es nicht? Sicher ist: Die US-Wirtschaft hat sich nicht so stark erholt, wie es nötig wäre. Auf der anderen Seite muss mit der Billiggeld-Politik endlich aufgehört werden. Die Massnahme ist eigentlich nur als kurzfristige «Anschub»-Finanzierung gedacht. Doch nun wird der Ausstieg um so schwieriger.

5. Panik führt zu Panik. Die Psychologie spielt eine wichtige Rolle
Die Börse ist auch immer geprägt von Psychologie. Verkauft ein grosser Investor, ziehen alle gleich. Und umgekehrt. Keiner möchte jetzt der Letzte sein, der seine Aktien verkauft. Kommt hinzu, dass viele grosse Investoren ihre Aktien auf Pump gekauft haben. Die trifft der Abschwung noch härter, da ihre Bank die Kredite zurückfordert. Und die Abwärtsspirale nimmt ihren Lauf. In der Börsensprache heisst dieses Bauchgefühl, das alle haben, «Sentiment». Es gibt auch immer wieder Anleger und Hedge Funds, die die Panik schüren, um damit Geld zu verdienen. Auch das gehört inzwischen zum Spiel.

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