Wirtschaft

Flixbus besorgt sich eine halbe Milliarde Euro und investiert in Zug und Fahrgemeinschaft – auch in der Schweiz?

Flixbus, Flixtrain, Flixcar: Die Marke mit dem markanten Grün wächst. Flixjets soll es aber nicht geben.

Flixbus, Flixtrain, Flixcar: Die Marke mit dem markanten Grün wächst. Flixjets soll es aber nicht geben.

Angefangen hat es mit den giftgrünen Reisebussen «Flixbus», dann kamen die giftgrünen Züge «Flixtrain». Und nun macht sich das erst sechs Jahre alte Transport-Unternehmen Flixmobility bereit für den nächsten grossen Sprung. Es hat sich von Investoren eine halbe Milliarde Euro besorgt, wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf drei Insider berichtet. Vorstandschef Jochen Engert äusserte sich nicht zu Zahlen, sprach allerdings von einer «sehr signifikanten» Finanzierungsrunde.

Mit dem Geld will Flixmobility expandieren. Das deutsche Unternehmen plant im Fernbus-Bereich in den USA Marktführer zu werden, will in Südamerika und Asien bis 2020 Buslinien betreiben, sein Eisenbahn-Angebot in Europa ausbauen und mit Flixcar ins Fahrgemeinschaften-Geschäft mit Privatautos einsteigen.

Im Eisenbahngeschäft ist Flixmobility seit Frühling 2018. Die Marke Flixtrain bedient in Deutschland die Strecken Köln-Hamburg, Stuttgart-Berlin und Berlin-Köln. Im Juni beantragte das Unternehmen Lizenzen für fünf Zuglinien in Frankreich. Die Zuglinien sollen die Städte Lyon, Nizza, Toulouse, Brüssel und Bordeaux jeweils mit Paris verbinden.

Wird der Markt für ausländische Zugunternehmen geöffnet?

Im Mai gab Flixtrain bekannt, dass man auch in Schweden Zugstrecken betreiben wolle. Das Ziel ist immer das Gleiche: Das Flixbus- und das Flixtrain-Netz miteinander zu verknüpfen. Bald könnte auch die Schweiz zum Ziel für eine Zug-Expansion werden. Flixmobility setzt auf die Liberalisierung der europäischen Eisenbahnnetze. Auch in der Schweiz laufen Bestrebungen in diese Richtung. Im Oktober 2017 teilte das Bundesamt für Verkehr mit, der Bundesrat prüfe die Öffnung des Schweizer Marktes für ausländische Zugunternehmen. In der Zwischenzeit hat das Parlament das Geschäft an sich genommen. Im Juni wurde eine Motion angenommen, die den Bundesrat anweist, die Marktöffnung dem Parlament vorzulegen. Zuvor müsste sich die Regierung aber für diese Öffnung aussprechen. Der Bundesrat will nun eine «Aussprache» halten. Laut einem Sprecher des Bundesamts für Verkehr hat diese noch nicht stattgefunden. Ein Termin dafür könne nicht genannt werden.

Bei Busreisen verbietet das sogenannte Kabotageverbot das Transportieren von Fahrgästen innerhalb der Schweiz durch ausländische Firmen. Für Zugverbindungen würde dieses wohl nur abgeschwächt gelten. Das Bundesamt für Verkehr schrieb 2017, Kabotage wäre beim Schienenverkehr grundsätzlich erlaubt, sofern der Hauptzweck der Verbindung der Grenzverkehr bleibt.

Allerdings dürfte es für internationale Anbieter schwierig werden, in der Schweiz Schienenverkehr anzubieten. Denn die vertakteten, also die aufeinander abgestimmten Züge der Schweizer Anbieter, haben Vorrang. Ob Flixtrain seinen Stuttgart-Berlin-Zug nach Basel verlängert, bleibt abzuwarten.

Zwei Euro für die Fahrt von Rotkreuz nach Sisikon

Der Einstieg von Flixcar ins Geschäft mit Fahrgemeinschaften soll laut Flixmobility das Bus- und Bahnangebot ergänzen. Damit konkurrenziert Flixcar, das vorerst in ein oder zwei Ländern starten soll, den französischen Anbieter Blablacar. Dieser ist bereits in 22 Ländern präsent. Das Prinzip ist einfach: Gewöhnliche Autofahrer können eine Strecke eingeben, die sie zu einem bestimmten Zeitpunkt fahren und den Preis festlegen. Die Mitfahrer, die sich wie die Fahrer mit einem Profil registrieren müssen, können nach Fahrten suchen und einen Fahrer auswählen. Geld verdient Blablacar mit dem Erheben von Gebühren von den Mitfahren. Die monatliche Nutzung kostet in Deutschland sechs Euro. In der Schweiz ist Blablacar offiziell nicht aktiv, doch im Internet sind auch Fahrten innerhalb der Schweiz zu finden: Von Rotkreuz würde man heute für zwei Euro nach Sisikon in Uri mitgenommen. Die meisten Fahrten gehen aber ins Ausland: Eine Fahrerin will heute für die Mitfahrt von Aarau nach Düsseldorf 32 Euro.

Nur zwei Bereiche bleiben für Flixmobility vorerst Tabu: die möglichen Marken «Flixjet» und «Flixship». Firmengründer André Schwämmlein sagte 2018 zur «Handelszeitung»: «Bis auf weiteres gilt: Keine Schiffe, keine Flugzeuge; wir bleiben am Boden.»

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