Facebook-Sperren an Schulen bringen nichts

Mit Facebook und anderen Plattformen setzen sich viele Schulen auseinander. Längst nicht alle setzen dabei auf Verbote und Gerichte. Die meisten gehen mögliche Probleme gelassener an.

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Cyber-Mobbing kein Problem im Freiamt

Cyber-Mobbing kein Problem im Freiamt

Andrea Weibel

«Dass Schüler oder auch Lehrer via Internet an den Pranger gestellt werden, ist bei uns noch nie vorgekommen», so Franz Widmer, Rektor der Kantonsschule Wohlen. «Ob wir Facebook und ähnliche Plattformen sperren sollten, haben wir jedoch auch schon diskutiert.» Dabei sei es weniger um Angst vor Mobbing gegangen. «Wir fanden einfach, dass sich die Schüler wohl mit Gescheiterem beschäftigen könnten als mit Facebook.» Das Problem bei einer Sperrung lag jedoch bei der Absteckung der Grenzen: «Sperrt man eine Seite, dann drängen sich gleich hundert andere auf, die man ebenfalls sperren muss», ist Widmer sich bewusst.

Keine Regeln – wie beim Handy

An der neuen Kanti in Aarau sei Facebook gesperrt worden. «Wir haben uns aber gegen eine kantonale Regelung gewehrt», beschreibt der Rektor, «denn dafür sind die Traditionen der Schulen viel zu unterschiedlich.»

So werden Facebook und Co. gehandhabt wie die Handys: «Auch hier haben wir keine offiziellen internen Richtlinien. Die Lehrer sind selber dafür verantwortlich, was in ihrem Unterricht vorgeht. Einige verlangen einen Kuchen für jedes Mal, wenn das Handy klingelt, da haben auch die Schüler meistens wenig dagegen einzuwenden», erzählt Widmer lachend.

Er erinnert sich, dass es schon früher solche Modewellen gegeben hat: «Vor einigen Jahren waren es die Hacky Sacks, mit denen die Schüler an jeder Ecke herumspielten. Das hat auch einige Lehrer schwer geärgert, aber die haben wir auch nicht verboten.»

Kantischüler nutzen Facebook

Die Schüler an der Kanti sind froh darüber, dass Facebook nicht gesperrt ist. «Es wäre schon blöd, wenn wir in den Zwischenstunden nicht kurz auf Facebook schauen könnten, was unsere Kollegen anderswo so treiben», findet Nadine Schmidli (17) aus Bettwil. Sie benutzt Facebook etwa jeden zweiten Tag. Der Datenschutz ist ihr da nicht so wichtig: «Man sollte sowieso nur Dinge veröffentlichen, bei denen einem egal ist, wer es sieht.»

Patrick Halter (17) aus Oberlunkhofen würde es nicht stören, wenn Facebook gesperrt würde. «Ich habe sowieso Besseres zu tun, als im Internet zu chatten. Ich habe zwar ein Facebook-Profil, habe es aber schon lange nicht mehr benutzt.» Von Cyber-Mobbing an Kantilehrern haben weder er noch seine beiden Freunde Luca Struchen (17) aus Bremgarten und Yves Hartmann (17) aus Rottenschwil Kenntnis. Diese beiden sind häufiger auf Facebook anzutreffen. «Ich benutze es schon jeden Tag», gibt Luca zu. «Wenn ich am PC bin, läuft Facebook einfach nebenher.»

Vereinzelt Pseudo-Profile

Auch an der Kanti Wohlen gibt es vereinzelt Pseudo-Profile von Lehrern, die auf Facebook veröffentlicht werden. Da diese Seiten jedoch vollkommen harmlos sind, gehen auch die entsprechenden Lehrer nicht dagegen vor.

Gespräche mit Schülern helfen

An den Freiämter Oberstufen wird die Sperrung von Facebook ganz unterschiedlich gehandhabt. Die Schulen Wohlen und Mutschellen haben beide dieselbe Vereinbarung mit den Schülern und deren Eltern getroffen. Die Umsetzung ist aber von Schule zu Schule anders (Artikel unten).

Die Oberstufe Sins hatte im Februar Probleme damit, dass eine Klasse Bilder aus dem Unterricht bei Youtube veröffentlicht hat. Auch Cyber-Mobbing an Schülern gab es hier schon. «Durch Gespräche und Abmachungen innerhalb der einzelnen Klassen konnten wir das jedoch in den Griff bekommen», sagt Roland Birrer, Schulleiter Oberstufe.

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