Lee Kun Hee

Ex-Samsung-Chef gestorben: Das Ende einer südkoreanischen Ära

Der Ex-Samsung-Chef Lee Kun Hee ist im Alter von 78 Jahren gestorben.

Der Ex-Samsung-Chef Lee Kun Hee ist im Alter von 78 Jahren gestorben.

Der wohl wichtigste Moment in der Firmengeschichte von Samsung ereignete sich in einem Konferenzraum des Kempinski-Hotels in Frankfurt.

Der damalige Konzernchef Lee Kun Hee trommelte Hunderte Manager für eine Grundsatzrede zusammen. Lee hatte eine geradezu tollkühne Vision für den ­Produzenten billiger Elektronikware: Samsung solle die Weltspitze für hochwertige Tech-Produkte anführen, noch vor den damals dominierenden Konkurrenten aus Japan. Nun ist Lee Kun Hee, der Sohn des Samsung-Gründers, mit 78 Jahren im firmeneigenen Krankenhaus in Seoul gestorben.

Um die Vision umzusetzen, musste Lee die südkoreanische Firmenkultur vollständig umkrempeln. «Ändern Sie alles, bis auf Ihre Ehefrau und Ihre Kinder», sagte Lee während seines dreitägigen Redemarathons, der später als «Frankfurter Deklaration» in einem 200-seitigen Buchmanuskript verewigt wurde. Lange vor seinem Tod am Sonntag ist Lee Kun Hees Vision Realität geworden.

Sehr erfolgreich, aber auch korrupt

Keiner war so reich wie er, keiner verkörperte derart den wirtschaftlichen Stolz Südkoreas wie Lee Kun Hee. Doch mit seiner Macht stand der leidenschaftliche Kunstsammler und Autoliebhaber auch symbolisch für die korrupten, familiengeführten Konglomerate des ostasiatischen Tigerstaates.

Gleich zweimal wurde Lee verurteilt: In den 90er-Jahren hatte er den Präsidenten bestochen, später wurde er der Steuerhinterziehung überführt. Beide Male wurde Lee letztlich begnadigt. Der Firmenchef stand zeitlebens in seiner Heimat über dem Gesetz.

Viele Südkoreaner bezeichnen sich mit einem ironischen Augenzwinkern «Samsung-Republik». Der Konzern, der rund einen Fünftel des Bruttoinlandprodukts des Landes generiert, ist nicht nur der grösste Smartphone-Produzent. Samsung baut Apartmentsiedlungen, schliesst Lebensversicherungen ab, betreibt U-Bahn-Linien, Multiplexkinos und einen Freizeitpark.

Seit Jahren führt sein Sohn die Geschicke der Firma weiter, auch er bestach während seiner noch jungen Karriere die Präsidentin Südkoreas. Im Gegensatz zum übermächtigen Vater musste Lee Yae Jong jedoch seine Straftat zumindest teilweise im Gefängnis absitzen.

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