Rolando Benedick

«Es hat keine Überwachung der Kunden stattgefunden»: Valora-Präsident reagiert auf Kritik

Valora-Präsident Benedick (70).

Valora-Präsident Benedick (70).

Rolando Benedick, abtretender Präsident der Kioskfirma Valora, spricht im Interview über überwachte Pendler, Kaffee und US-Brezel.

Herr Benedick, im März treten Sie nach neun Jahren als Präsident
von Valora ab. Angst, dass Ihnen langweilig wird?

Rolando Benedick: Nein, gar nicht. Ich bin ja weiterhin Präsident des Gönnervereins des Filmfestivals in Locarno, ich habe zwei Stiftungen, ein Familiy Office, ein Mandat bei der Galerie Lafayette in Paris, ich bin bei Carrefour involviert. Ich habe genügend zu tun, bin aber immer offen für neue Sachen.

Valora hat diese Woche das Projekt «Kioskstore 2020» angekündigt,
an dem man arbeite. Wie wird eine Kiosk-Filiale in Zukunft aussehen?

Im Oktober beginnen wir mit einem Piloten. Was aber jetzt schon klar ist: Der Kiosk wird wärmer, die Orientierung einfacher. Die Serviceangebote, zum Beispiel das Aufgeben und Abholen von Paketen, wird prominenter, auch das Kaffee- und das Essangebot. Den Non-Food-Bereich werden wir auch ausbauen, zum Beispiel mit Geschenk- oder Oster- und Weihnachtsartikeln. Presse und Tabak bleiben
aber unser Basisgeschäft.

Sie haben noch immer keine Kiosk-App im Angebot.

Wir testen eine Kiosk-App bereits an unserem Hauptsitz in Muttenz BL, und in den nächsten Wochen sollten wir sie mit neuen Services und Rabattangeboten lancieren können.

Valora und Technologie: Diese Kombination sorgte zuletzt für viel Kritik, als bekannt wurde, dass Sie
am Zürcher Hauptbahnhof die Wege der Kunden via Wi-Fi-Signal verfolgen, mit einer Tracking-Funktion (die «Schweiz am Sonntag» berichtete). Was hat Ihnen das gebracht?

Was ich betonen möchte: Es hat keinerlei Überwachung des einzelnen Kunden stattgefunden. Das Projekt erfüllte gemäss dem eidgenössischen Datenschutzbeauftragten die datenschutzrechtlichen Vorgaben. Uns interessieren lediglich die Kundenströme zwischen unseren Verkaufsstationen.

Nochmals: Was hat es gebracht?

Wir sehen, dass wir am Morgen zwischen 7 und 9 Uhr mehr Personal an den Kaffeemaschinen brauchen. Wir brauchen mehr Frühstückssortimente. Die Leute wollen nicht zu Caffè Spettacolo für einen Kaffee und zum Brezelkönig für die Brezel. Sie wollen alles am gleichen Ort kaufen können. Mit dieser Erkenntnis können wir die Sortimente besser aufeinander abstimmen.

Werden Sie das Tracking mit der Technologie des deutschen Unternehmens Minodes auch an
anderen Bahnhöfen anwenden?

Das ist möglich, wobei das Pilotprojekt seit Mitte Februar 2017 planmässig beendet wurde. Konkrete Pläne bestehen derzeit nicht.

Sie haben in Österreich und Frankreich erste Brezelkönig-Filialen eröffnet. Als Ziel gelten 50 Filialen in Europa. Wann ist es so weit?

In ein, zwei Jahren sollten wir das schaffen, also 2019. Hoffentlich früher. Wir suchen nun Franchising-Partner.

Stösst Brezelkönig in der Schweiz an seine Grenzen?

Nein, wir werden weiterhin Filialen eröffnen. Und in Basel läuft seit einigen Wochen ein Pilotprojekt, bei dem Velokuriere Brezelkönig-Produkte ab einer gewissen Summe an Firmen ausliefern. Das läuft bisher sehr gut.

Sie haben die US-Firma Pretzel Baron gekauft und selber die Firma King of Pretzels registrieren lassen. Wie sehen Ihre USA-Pläne aus?

Wir wollen zuerst mit Pretzel Baron wachsen im Geschäft mit der Belieferung an Detailhändler. In der Fabrik gibt es zurzeit eine Produktionslinie, sie hat aber Platz für vier. Mit Ditsch liefern wir schon heute an US-Food-Händler Brezel und Brötchen. Mit Pretzel Baron können wir sie nun vor Ort produzieren und gewinnen mehr Marge,da der Transport wegfällt. Die USA haben für uns ein riesiges Potenzial.

Eigene Brezelkönig-Filialen
sind in den USA aber in nächster Zeit kein Thema?

In den nächsten 18 Monaten sicher nicht, danach werden wir sehen.

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