Nachruf

Er hatte den Dreh raus: WC-Ente-Erfinder Walter Düring ist nicht mehr

Walter Düring, der Erfinder der WC-Ente, mit seinem Sohn Heinz Düring (r.) mit einem Holzmodell und der Plastikflasche.zvg

Walter Düring, der Erfinder der WC-Ente, mit seinem Sohn Heinz Düring (r.) mit einem Holzmodell und der Plastikflasche.zvg

Der Zürcher Erfinder der WC-Ente und des Durgol-Kalkreinigers ist 81-jährig überraschend verstorben. Ein Nachruf.

Es gibt einige Schweizer Erfindungen, welche den Alltag vieler Leute ein klein wenig verändert haben. Der Klett- und der Reissverschluss zum Beispiel. Die Knoblauchpresse. Oder Cellophan. In die Reihe erfolgreicher Haushaltsinnovationen gehört aber auch eine Reinigungsflasche mit Entenhals, die sich mutig an die dreckigsten Stellen wagt: die WC-Ente.

Der Zürcher Walter Düring hatte das Reinigungsmittel mit dem speziell gedrehten Hals 1980 erfunden. Er ist am 8. Mai dieses Jahres überraschend im Alter von 81 Jahren zu Hause in Hergiswil NW verstorben, wie sein Sohn Heinz Düring bestätigt. Walter Düring hinterlässt seine Frau Vera (81), drei erwachsene Kinder und acht Enkelkinder.

Hausfrauen-Experiment steht am Firmenanfang

«Sein Tod kam sehr überraschend, mein Vater war noch sehr gesund», sagt Heinz Düring (53), der mit seinem Bruder Sven und seiner Schwester Britta die Firma Düring AG in Dällikon ZH leitet, er selber als Präsident. 2008 hatte der Vater das Unternehmen seinen Kindern geschenkt.

Begonnen hatte die Erfolgsgeschichte Durgol viel früher, wie der Firmenchronik zu entnehmen ist. Den Grundstein zur heutigen Düring AG legte 1951 die Hausfrau Maria Düring in einem Keller nahe des Zürcher Bucheggplatzes. Weil die Toilette in ihrem Wohnhaus verkalkt war, begann sie mit Chemikalien auf Salzsäurebasis zu experimentieren – und kreierte das erste Durgol-Entkalkungsmittel. Mit elegantem Kleid und Hut ging sie auf Werbetour bei potenziellen Kunden und schreckte nicht davor zurück, in der edlen Aufmachung gleich selbst bei den Toiletten Hand anzulegen.

Diesen Innovationsgeist vererbte sie ihrem Sohn Walter, gelernter Drogist, der 1963 ins Geschäft einstieg und schon bald eigenhändig die erste professionelle Abfüllanlage für Durgol baute. Er entwickelte die Entkalkungsmischung weiter. Und machte sie zu dem, was sie heute ist: der Marktführer für die Entkalkung von metallenen Gegenständen mit Korrosionsschutz.

Ende der 1970er-Jahre steht es jedoch schlecht um die Firma. Walter Düring überlegt sich gar, sie zu verkaufen, wie im kürzlich erschienenen Buch «Exportnation Schweiz» zu erfahren ist, in dem Düring zu Wort kommt. Coop und Migros machen den Drogisten das Geschäft streitig. Das spornt den Tüftler jedoch an. Im Juli 1980 kommt das Heureka.Im Buch erinnert sich Düring: «Ich sass am Schreibtisch, sah mir meine Skizzen an, und plötzlich machte es Klick. Ich hatte die technische Lösung gefunden. Sie sah aus wie ein Entenhals.»

Die WC-Ente war geboren; ein Toilettenreiniger, der dank des geschwungenen Halses am Flaschenkopf auch unter den Toilettenrand vordringt. Die Idee dazu und die erste Rezeptur stammte von Ehefrau Vera, ebenfalls Drogistin. Um die Tücken des Vertragsrechts, des Patentschutzes und des Markenrechts kümmerte sich der unermüdliche Tüftler selber. Beim selbst gemachten TV-Spot schrieb Düring das Storyboard und führte Regie.

Internationale Partner – Fokus auf Entkalkung

Mit dem US-Haushaltswarenkonzern SC Johnson wurde 1983 ein Partner für die internationale Vermarktung gefunden. Heute ist die WC-Ente in 137 Ländern in den Verkaufsregalen. Seit 2008 gehört die Marke komplett dem amerikanischen Grosskonzern. Die Düring AG beschloss damals, sich voll und ganz auf das Kerngeschäft, die Entkalkung, zu konzentrieren. Mit Erfolg: Am Produktionsstandort in Dällikon werden heute pro Jahr rund zehn Millionen Flaschen Durgol abgefüllt und in Länder wie Deutschland, Österreich, Israel und in die USA versandt. In der Schweiz hat die Firma laut eigenen Angaben einen Marktanteil von 35 Prozent.

«Unser Vater war die prägende Figur unserer Familie und unserer Firmengeschichte», sagt Sohn Heinz Düring. «Wir sind stolz, sein Erbe weiterführen zu dürfen.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1