Energie
Axpo will im Ausland wachsen, denn in der Schweiz wird das Unternehmen ganz sicher schrumpfen

Der grösste Schweizer Stromkonzern plant seine Zukunft ennet der Grenze – und kritisiert die hiesigen Bedingungen für die Energiewende.

Florence Vuichard
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Axpo-Chef Christoph Brand lenkt von Baden aus seine Auslandsinvestitionen.

Axpo-Chef Christoph Brand lenkt von Baden aus seine Auslandsinvestitionen.

Severin Bigler / ©

Die Zukunft liegt im Ausland. Dort will die Axpo wachsen. Denn im Inland, erklärt Unternehmenschef Christoph Brand, werde die Axpo unweigerlich schrumpfen – weil die heimischen AKW irgendwann mal abgestellt werden. Und weil durch den Ablauf der Konzessionen etliche Wasserkraftwerke von den Stromproduzenten zurück an die Kantone fallen dürften. Statt sich also im Inland auf die Suche nach neuen Geschäftsfeldern zu machen, will Brand lieber im Ausland in die eigenen Kernkompetenzen investieren – sprich in den Stromhandel und den Aufbau von neuen Stromproduktionsanlagen.

Hier liegt der Fokus auf Sonnen- und Windenergie. Über die Tochterfirmen Urbasolar und Volkswind baut Axpo grosse Fotovoltaik- und Wind-Anlagen auf, die das Unternehmen – jedenfalls zum Teil – dann wieder weiterverkauft, «um zusätzliche Erträge zu generieren», wie Brand ergänzt. Axpo ist heute in 32 Ländern mit einem Büro vor Ort präsent und in 40 Märkten aktiv. Über 1300 der insgesamt 5300 Mitarbeitende sind mittlerweile im Ausland.

Steigende Energiepreise freut die Axpo

Insgesamt zeigt sich Axpo mit dem per Ende September zu Ende gegangenen Geschäftsjahr zufrieden. Es sei ein gutes Jahr in einem schwierigen Umfeld gewesen, sagt Brand anlässlich der Präsentation des Jahresabschlusses. Der Umsatz liegt bei rund sechs Milliarden Franken, das Betriebsergebnis (Ebit) bei 500 Millionen Franken. Das entspricht zwar einem merklichen Rückgang von rund 40 Prozent, was aber weniger mit dem operativen Geschäft zu tun hat als viel mehr mit buchhalterischen Anforderungen. Vereinfacht gesagt darf Axpo einen Teil der Einnahmen nicht jetzt verbuchen, sondern muss diese in die nächsten Rechnungsperioden verschieben.

Ein Grund dafür liegt in den stark gestiegenen Energiepreisen, was im Grundsatz jeden Energieproduzenten freut. Diese dürften – aufgrund der in diesem Geschäft langfristig getätigten Verkäufe – aber erst mittelfristig voll zu Buche schlagen. Doch Brand glaubt nicht, dass die derzeit hohen Preise langfristig bleiben werden. Der Blick auf die Markterwartungen in den verschiedenen Ländern zeigt, dass die Preise wieder deutlich sinken dürften. Für das Geschäftsjahr 2021/22 geht Axpo von einem ähnlich hohen Betriebsergebnis aus wie im abgelaufenen Jahr.

Unzufrieden mit den Schweizer Spielregeln

Blick auf die Baustelle von Alpin Solar, aufgenommen am 19. August 2021 in Linthal. Der Stromkonzern Axpo baut an der Muttsee-Staumauer die grösste alpine Solaranlage der Schweiz. 4872 Solarmodule sollen installiert werden.

Blick auf die Baustelle von Alpin Solar, aufgenommen am 19. August 2021 in Linthal. Der Stromkonzern Axpo baut an der Muttsee-Staumauer die grösste alpine Solaranlage der Schweiz. 4872 Solarmodule sollen installiert werden.

Gian Ehrenzeller / Keystone

Eher kritisch äussert sich Brand zur Situation in der Schweiz. Er beurteilt die Rahmenbedingungen für den energetischen Umbau als investitionsfeindlich – ausgerechnet jetzt, da die Stromproduzenten zubauen sollten. Unter den aktuellen Spielregeln blieben aber Grossprojekte wie etwa Alpin Solar, die grösste alpine Solaranlage der Schweiz, an der Muttsee-Staumauer im Kanton Glarus, unrentabel. Unzufrieden zeigt sich Brand auch mit dem Wasserzinsregime, durch welches die Axpo im letzten Jahr 120 Millionen Franken von seiner Marge an die Kantone abgeben musste.

Soll die Energiewende hierzulande gelingen, müssten in den nächsten Jahren gemäss Brand Produktionskapazitäten von rund 50 Terawattstunden hinzugebaut werden – zum einen um den Wegfall der AKW zu kompensieren, zum anderen um den Mehrbedarf an elektrischer Energie, der durch den Ausstieg aus fossilen Energieträgern entsteht, abzudecken.

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