Identitätskrise

Ein Jahr nach der Übernahme durch französischen Konzern: Opel soll wieder «deutscher» werden

Die Technik bei Opel kommt immer mehr aus dem französischen Mutterhaus.

Die Technik bei Opel kommt immer mehr aus dem französischen Mutterhaus.

Die Technik kommt immer mehr aus dem französischen Mutterhaus. «Opel wird noch deutscher, als es jemals der Fall war», versprach nun Opel-Chef Michael Lohscheller.

Eine halbe Milliarde Euro Gewinn hat Opel im ersten Halbjahr eingefahren. Angesichts jahrzehntelanger Verluste und öffentlichen Dauerstreits mit der Gewerkschaft ist das fast schon eine Sensation. Ein Jahr nach der Übernahme durch den französischen PSA-Konzern, zu dem auch die Marken Peugeot, Citroën und Vauxhall gehören, scheint die Traditionsmarke auf die Erfolgsspur zurückgefunden zu haben.

Doch in den Jubel mischen sich auch Sorgen um das künftige Profil des Unternehmens – und nicht zuletzt um die Sicherheit der Arbeitsplätze.

Opel-Chef Michael Lohscheller und sein Konzernchef Carlos Tavares haben Wort gehalten und den von General Motors (GM) für 1,3 Milliarden Euro übernommenen Autobauer ohne Standortschliessungen oder betriebsbedingte Kündigungen umgebaut. Gemeinsamer Einkauf, geringere Fixkosten und ein stärkerer Fokus auf die tatsächlichen Erlöse pro Fahrzeug haben – trotz weiter sinkender Marktanteile – zur schnellen Wende beigetragen.

Den operativen Gewinn hat Opel mit einer Fahrzeugflotte eingefahren, die zu über 80 Prozent noch unter der Ägide von GM entwickelt wurde, mit dem derzeit erfolgreichen Flaggschiff Insignia an der Spitze. Dieses wurde wie die aktuellen Volumenmodelle Corsa und Astra wesentlich und mit hohem Aufwand in Rüsselsheim geplant und dann unter anderen Namen in die weite GM-Welt geschickt, natürlich mit Griff in die Regale eines weltweit agierenden Konzerns.

Zukunft der Ingenieure ungewiss

Seitdem die Franzosen bei Opel das Sagen haben, läuft es anders herum: Die meiste Technik der ersten gemeinschaftlichen Modelle und des für 2019 geplanten neuen Corsa stammt vom französischen Mutterhaus PSA, die Opel-Leute geben den Autos beispielsweise mit Fahrwerksabstimmung und eigenen Design-Elementen ein deutsches Finish. Opel drohe zur PSA-Designhülle zu werden, kritisierte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer.

«Germanness» sollen die künftigen Opel-Modelle ausstrahlen, sagt hingegen PSA-Chef Tavares und meint damit Solidität, Effizienz und autobahnfeste Dynamik, gern auch elektrisch. Deutsche Ingenieurskunst werde weltweit bewundert, sagt der Portugiese, der Opel international als deutsches Qualitätsprodukt vermarkten will.

«Opel wird noch deutscher, als es jemals der Fall war», versprach Lohscheller nun. Rüsselsheim werde jeden Opel verantworten und zudem wichtige Themenfelder wie die Brennstoffzelle, Sitze oder eine neue Benzinmotoren-Familie zentral für den gesamten Konzern erledigen. Wie viele der über 7000 Ingenieure im Rüsselsheimer Entwicklungszentrum er dafür noch benötigt, hat der Opel-Chef allerdings bislang offen gelassen. Ebenfalls unklar ist, mit welchen Projekten die Werke Eisenach und Kaiserslautern künftig ausgelastet werden sollen. 

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