«Suisse Secrets»
Dunkle Vergangenheit enthüllt: Credit Suisse soll Konten von Kriminellen und korrupten Politikern verwaltet haben

Schlechte Nachrichten für die Grossbank Credit Suisse: Eine grosse Recherche eines internationalen Journalistennetzwerks bringt die dunkle Vergangenheit der CS ans Licht. Die Grossbank soll Konten von Kriminellen und korrupten Politikern verwaltet haben.

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Auf die Schweizer Grossbank CS kommen dunkle Zeiten zu.

Auf die Schweizer Grossbank CS kommen dunkle Zeiten zu.

Bild: Michael Buholzer / Keystone

Von den 1940er-Jahren bis weit ins vergangene Jahrzehnt soll die Grossbank Kriminellen, korrupten Politikern und umstrittenen Geheimdienstchefs einen sicheren Hafen für ihr Geld geboten haben. Das schreibt ein internationales Journalisten-Team. Dieses hatte von einem Whistleblower Informationen zu 18’000 Konten erhalten und ausgewertet.

Laut den internen Bankdaten waren zahlreiche Staats- und Regierungschefs, Minister und Geheimdienstchefs ebenso wie Oligarchen und Kardinäle Kunden der Credit Suisse. Der «Süddeutschen Zeitung» soll ein Datensatz mit anonymen Informationen zugespielt worden sein. Sie hat die Daten nach eigenen Angaben zusammen mit dem Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP) sowie 46 Medienpartnern aus aller Welt ausgewertet, darunter «Guardian», «Le Monde» und «New York Times».

Schweizer Medien wie Tamedia hätten bei der Recherche auf die Teilnahme verzichtet, denn seit 2015 drohe Journalistinnen und Journalisten ein Strafverfahren, wenn sie über geleakte Bankdaten schreiben, twitterte der «Tagesanzeiger» am Sonntagabend.

Richterin: Ergebnisse sind «haarsträubend»

Die Schweizer Richterin Monika Roth bezeichnete die Rechercheergebnisse gegenüber NDR als «haarsträubend». Roth spricht von einem «Totalversagen», das eigentlich «alle Präventionsmassnahmen gegen Geldwäscherei und Korruption ins Nichts fahre».

Prominent in den Daten vertreten seien etwa Familienangehörige des ehemaligen kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew. Auch der König von Jordanien, Abdullah II. soll zu den CS-Kunden zählen – bis heute. Eines seiner Konten soll zeitweise 230 Millionen Schweizer Franken gezählt haben.

König Abdullah II. von Jordanien.

König Abdullah II. von Jordanien.

epa

Weiter in den Daten: Der frühere algerische Machthaber Bouteflika, die Söhne des früheren ägyptischen Diktators Mubarak und die Töchter des kasachischen Autokraten Nasarbajew. Zudem die Familie des Ägypters Omar Suleiman und der Jemenit Ghaleb Al-Qamish - beiden wurde Menschenrechtsverbrechen vorgeworfen, so die «SZ».

Credit Suisse verteidigt sich

Die Credit Suisse äusserte sich auf Anfrage des Rechercheteams nicht zu den Einzelfällen und liess in einem schriftlichen Statement verlauten: «Diese Fälle basieren auf unvollständigen, zusammenhangslosen Informationen. Das führt zu einseitigen Erklärungen des Geschäftsverhaltens der Bank.»

Und weiter: «Die Credit Suisse hält bei der Ausübung ihrer Geschäftstätigkeit die geltenden globalen und lokalen Gesetze und Bestimmungen ein.» Ein Grossteil der Konten sei zudem längst geschlossen worden.

In einem am Sonntagabend verschickten Communiqué schreibt die Credit Suisse: «Die Credit Suisse weist die Vorwürfe und Unterstellungen über die angeblichen Geschäftspraktiken der Bank entschieden zurück. Die dargestellten Sachverhalte sind überwiegend historisch bedingt und reichen teilweise bis in die 1940er Jahre zurück.»

Die Darstellungen der Sachverhalte beruhe auf «unvollständigen, ungenauen oder selektiven Informationen, die aus dem Zusammenhang gerissen wurden und zu tendenziösen Interpretationen des Geschäftsgebarens der Bank führen». Aus rechtlichen Gründen könne sich die Credit Suisse nicht zu potenziellen Kundenbeziehungen äussern.

«Wir können jedoch bestätigen, dass zu den betreffenden Zeitpunkten Massnahmen im Einklang mit den geltenden Grundsätzen und aufsichtsrechtlichen Vorschriften ergriffen wurden und dass die damit verbundenen Probleme bereits angegangen wurden.»

Die Journalistinnen hätten sich auf eine Vielzahl von externen Quellen berufen – darunter auch solche, die bereits bekannt gewesen seien – sowie auf eine angebliche undichte Stelle in der Berichterstattung. Man nehme dies sehr ernst und werde die Untersuchungen mit einer internen Task Force unter Einbeziehung spezialisierter externer Experten fortsetzen.

Ein Siemens-Manager mit 54 Millionen Franken?

Die Unterlagen geben dem Bericht zufolge Aufschluss über die Konten von mehr als 30'000 Kunden aus aller Welt. Den Daten zufolge hätten Kriminelle Konten eröffnen beziehungsweise Konten auch dann behalten können, «wenn die Bank längst hätte wissen können, dass sie es mit Straftätern zu tun hat».

In den Daten finden sich laut den Recherchen unter anderem ein früherer Siemens-Manager. Dieser habe zeitweise sechs Konten bei der Credit Suisse gehabt. Auf einem davon sei laut den Daten im Jahr 2006 als Höchststand ein Vermögen im Wert von mehr als 54 Millionen Schweizer Franken eingetragen gewesen - eine Summe, die mit seinem Siemens-Gehalt nicht zu erklären sei.

Whistleblower: «Schweizer Bankgeheimnis ist unmoralisch»

Auf Anfrage des Rechercheverbunds stritt der Ex-Manager den Angaben zufolge Fehlverhalten ab, ohne zu erklären, woher die Millionen stammen. Die Credit Suisse wollte nach Darstellung der Medien konkrete Fragen zu diesem Fall und auch zu den anderen fragwürdigen Konten nicht beantworten, versicherte aber, «höchste Verhaltensstandards» zu befolgen. Auch eine Nachfrage der dpa wies eine Sprecherin am Sonntag zurück.

«Ich glaube, dass das Schweizer Bankgeheimnis unmoralisch ist», erklärte dem Bericht zufolge die Quelle der Suisse-Secrets-Daten, die der «SZ» und ihren Recherchepartnern nicht bekannt ist. «Der Vorwand, die finanzielle Privatsphäre zu schützen, ist lediglich ein Feigenblatt, um die schändliche Rolle der Schweizer Banken als Kollaborateure von Steuerhinterziehern zu verschleiern.» (dpa)

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