Tourismus

Dumpingpreise für China-Gäste: «Das kann in der kleinräumigen Schweiz nicht der Weg sein»

Um sie werde mit unverhältnismässig tiefen Preisen gekämpft: Touristen aus China auf der Fahrt aufs Kleine Matterhorn Stefan Bohrer/Keystone

Um sie werde mit unverhältnismässig tiefen Preisen gekämpft: Touristen aus China auf der Fahrt aufs Kleine Matterhorn Stefan Bohrer/Keystone

Die Titlis-Bergbahnen, einer der Branchenführer, warnen: Konkurrenten würden um chinesische Gäste werben mit Preisen, die die Kosten nicht decken.

«Sorgen bereitet uns im chinesischen Markt das Preisdumping einiger Mitbewerber.» So steht es im Halbjahresbericht der Titlis-Bergbahnen. Dumping würde bedeuten: Gäste werden zu Preisen angelockt, mit denen die Kosten nicht gedeckt sind. Die Titlis-Bergbahnen wollen sich gegen solche Strategien schützen, indem sie sich in neuen Märkten stärker um Gäste bemühen. Der Marketingleiter der Titlis-Bergbahnen, Peter Reinle, sagt zum Dumping-Vorwurf: «Wir haben zugegeben keinen systematischen Einblick darin, was für Verträge die Konkurrenten mit ausländischen Reiseveranstaltern abschliessen. Aber gelegentlich bekommen wir Abschläge von über 50 Prozent mit.» Da könne man schon von «Dumping» reden.

Den Titlis-Bergbahnen geht es, so Reinle, um einen Appell an die Branche. «Mit Tiefpreisen der Konkurrenz die Gäste abzujagen: diese Rechnung geht meist höchstens ein oder zwei Jahre auf.» Dann lasse die Wirkung nach. Gäste, die vor allem auf den Preis achten, zögen zum nächsten Billigangebot weiter. Selbst wenn man mehr Gäste habe: Am Ende sei der Umsatz der gleiche, aber am Berg und in den umliegenden Ortschaften habe es Massen an Menschen. «Das kann in der kleinräumigen Schweiz nicht der Weg sein.» Reinle will keine Namen nennen von Bergbahnen, die seiner Ansicht nach Preisdumping betreiben. Im Halbjahresbericht steht indessen dazu: «Die Wettbewerbsintensität unserer benachbarten Berge hat zugenommen.»

In dieser Nachbarschaft finden sich etwa die Rigi-Bahnen. Deren CEO Stefan Otz nimmt das Thema sportlich. «Wir arbeiten in unserer Branche freundschaftlich zusammen. Aber schlussendlich sind wir Mitbewerber, und jeder versucht, asiatische Gäste zu sich zu holen.» Eine gewisse Schärfe im Wettbewerb gehöre dazu. «Es gibt nicht allzu viele Schweizer Berge, die die internationalen Reiseveranstalter für ihre asiatischen Gäste ins Programm aufnehmen.» Mit Dumping habe dieser Wettbewerb allerdings nichts zu tun. «Davon kann keine Rede sein, wir wollen schliesslich alle Geld verdienen.»

Mythos Billig-Touristen

Auch sei es ein Mythos, es kämen «Billig-Touristen» aus China in die Schweiz. «Der Gast aus China zahlt für die Bahn mindestens so viel wie der Schweizer, der nicht irgendeine Vergünstigung hat», sagt Otz. Jedoch bleibe vom Ticketpreis, den Schweizer zahlten, mehr übrig bei der Bahn. Beim chinesischen Gast sind die Reiseveranstalter dazwischengeschaltet. Diese kaufen oft schon vor Saisonbeginn Tausende Tickets ein. Dazu Otz: «Es ist selbstverständlich, dass ich so jemandem einen anderen Preis verrechne als dem Einzelgast.»

Debatten um faire Ticketpreise sind Ausdruck eines schärferen Wettbewerbs. Der letzte Winter verlief zwar erfreulich: Nach drei schneearmen Jahren konnten wieder mehr Gäste gezählt werden. Aber die Branche liegt weit zurück hinter den besten Jahren. Gemäss einer Studie der Hochschule Luzern können zwei Drittel der Bergbahnen auf Dauer die notwendigen Investitionen nicht stemmen. Auf diesen Druck hin experimentieren Schweizer Bahnen als europaweit erste mit Dynamic-Pricing: Preise, die sich nach dem Kundenandrang ausrichten.

Und mehr Bahnen folgen dem Beispiel von Titlis- und Jungfrau-Bahnen, die schon vor Jahrzehnten in China um Gäste warben. Seit fünf Jahren tun dies auch die Rigi-Bahnen. CEO Otz sagt: «Als wir neu in diesem Markt waren, haben wir Sonderpreise verrechnet.» Mittlerweile sei man aber preislich im Mittelfeld der schweizerischen Bahnen.

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