Grossbank

Die UBS senkt ihre Ziele – und zeigt Demut

UBS-Chef Sergio Ermotti: Das Ergebnis wird sich wohl auch auf die Boni des Managements niederschlagen.

UBS-Chef Sergio Ermotti: Das Ergebnis wird sich wohl auch auf die Boni des Managements niederschlagen.

Nach einem enttäuschenden Jahr senkt die Grossbank ihre Ziele deutlich. Geht es den Chefs nun ans Gehalt?

Die UBS hat die eigenen Leistungsvorgaben im vergangenen Jahr klar verfehlt und setzt sich nun deutlich tiefere Ziele. Inwieweit sich die neue Demut auch auf die Gehälter des Top-Managements auswirkt, wird die Öffentlichkeit erst am 28. Februar mit der Veröffentlichung des Geschäftsberichtes erfahren. Immerhin sagte UBS-Chef Sergio Ermotti gestern im Rahmen der Ergebnisverkündung, es sei «nur natürlich», dass sich die gezeigte Leistung auch in der Höhe der Boni zeige.

2018 erhielten die 14 damaligen Mitglieder der Konzernleitung leistungsabhängige Bonuszusprachen im Wert von 73,3 Millionen Franken. Das waren nur ein Prozent weniger als im Vorjahr, obschon die Bank auch in jenem Jahr keine wirklich überzeugende Vorstellung abgab. Allerdings konnte das Management damals unter Verweis auf das seinerzeitige Börsengewitter im Schlussquartal besonders schwierige Marktbedingungen geltend machen.

Zwar waren die Verhältnisse auf den Finanzmärkten auch im Berichtsjahr nicht immer so glänzend, wie der weltweit ungewöhnlich starke Anstieg der Aktienkurse suggeriert. Dennoch gab es für die Anleger 2019 viel Geld zu verdienen. Trotzdem musste die UBS als weltgrösste Vermögensverwalterin einen empfindlichen Rückgang der Einnahmen und des Gewinns hinnehmen.

Meilenweit vom Ziel entfernt

Mit Ausnahme der vergleichsweise kleinen Asset-Management-Sparte zeigt 2019 keine der vier Konzerndivisionen eine steigende Formkurve. So verfehlte die Jahresrendite von 12,4 Prozent auf dem eingesetzten Kernkapital den Zielwert von 15 Prozent deutlich. Beim Zwölfmonatsvergleich des Aufwand-Ertrags-Verhältnisses ergab sich statt der versprochenen Verbesserung eine weitere Verschlechterung.

Die Kerndivision Vermögensverwaltung vermochte ihren bereinigten Vorsteuergewinn zwar um 3,6 Prozent zu steigern. Doch vom Mittelfristziel von 10 Prozent bis 15 Prozent ist auch dieser Wert weit entfernt.

Mit einer raschen Wende zum Besseren rechnet die UBS nicht mehr. Für die Planungsperiode 2020 bis 2022 gibt sie sich nun mit einer Verzinsung des Kernkapitals von 12 Prozent bis 15 Prozent zufrieden. Das Aufwand-Ertrags-Verhältnis, das sie in diesem Dreijahreshorizont eigentlich auf 72 Prozent zu senken beabsichtigt hatte, soll nurmehr 75 Prozent bis 78 Prozent erreichen.

Hinter dieser Anpassung verbirgt sich ein Betrag in Höhe von bis zu 2 Milliarden Dollar oder mehr als der Hälfte der letztjährigen Dividende, den sich die Aktionäre der Grossbank gerne selbst in die Tasche gesteckt hätten.

In der Vermögensverwaltung bleibt das Gewinnziel zwar unverändert, doch die Ambition eines jährlichen Neugeldzuflusses von 2 Prozent bis 4 Prozent wird – auch mit Blick auf die Realität im Berichtsjahr (1,4 Prozent) – sogar gänzlich fallengelassen.

Der Kunde als Kostenfaktor

Das Einsammeln immer neuer Kundengelder war in den Zeiten vor der Finanzkrise das Hauptziel eines jeden Vermögensverwalters gewesen. Denn selbst wenn diese mit den Mitteln wenig Sinnvolles anzufangen wussten, die Differenz zwischen Soll- und Habenzins sorgte auch so stets für Ertrag. Doch im Negativzinsland Schweiz hat dieses Geschäftsmodell schon vor fünf Jahren ausgedient.

Kunden, die ihr Vermögen nur auf dem Konto parkieren, sind für jede Bank auch ein Kostenfaktor. Mit dem Verzicht auf eine Zielvorgabe für den Neugeldzufluss trägt die UBS diesem «Paradigmenwechsel» nun Rechnung. Sie wird ihren Aktionären künftig vermehrt zeigen müssen, was sie mit den eingesammelten Kundengeldern konkret und zum Nutzen der Bank anzustellen wusste. Im vergangenen Jahr wären mehr Aktiengeschäfte für beide Seiten die sinnvollste Idee gewesen.

Ermotti: «Banken passen sich an Veränderung an»

Jedoch müssen die Banken auch im Börsengeschäft damit leben, dass die Kunden hohe Gebühren immer weniger akzeptieren. Angesprochen auf die Widerstandsfähigkeit des Geschäftsmodells, sagte UBS-Chef Ermotti: «Die Banken haben es noch immer geschafft, sich den veränderten Bedingungen anzupassen.»

Man lebe schon länger nicht mehr von den Courtagen aus dem Verkauf einzelner Finanzprodukte, sondern zunehmend von der Beratung. Allerdings seien die Zeiten der steigenden Margen auch hier vorbei, weshalb es weiter darum gehe, die Kosten zu senken.

Man darf gespannt sein, wie diese Erkenntnis in die Salärpolitik für das Top-Management einfliessen wird.

Derweil machten die Investoren der Bank ihrer Enttäuschung Luft und besorgten den UBS-Aktien einen Rückschlag um 4,5 Prozent auf 12,2 Franken. Daran vermochte auch das Versprechen auf eine Erhöhung der Dividende von 0,7 Dollar auf 0,73 Dollar je Aktie nichts zu ändern.

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