Detailhandel
Die Sorgenkinder der Migros: Tochterfirmen des orangen Riesen drücken auf den Gewinn

Die Migros hat im vergangenen Jahr hohe Gewinneinbussen hinnehmen müssen. Mühe bekundeten vor allem Tochterfirmen wie Globus, Interio und Ex Libris.

Andreas Möckli
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Die Migros-Tochter Globus musste 2016 einen Umsatzrückgang von 5 Prozent hinnehmen.

Die Migros-Tochter Globus musste 2016 einen Umsatzrückgang von 5 Prozent hinnehmen.

Mario Heller

Der Neue liess sich entschuldigen. Der frisch gekürte Chef Fabrice Zumbrunnen war der prominente Abwesende an der gestrigen Bilanzmedienkonferenz der Migros in Zürich. Er sei bereits im Tessin, wo er heute den Neubau auf dem Monte Generoso eröffnen werde. Die Bahn, die auf den bekannten Aussichtsberg führt, gehört der Migros.

Und so war es ein letztes Mal an Herbert Bolliger, der noch bis Ende Jahr an der Spitze des Detailhändlers bleibt, durch die Ergebnisse des vergangenen Jahres zu führen. Während der Umsatz um 1,2 Prozent leicht stieg, musste der Detailhändler einen Gewinnrückgang um 16 Prozent hinnehmen.

Belastet wurde das Ergebnis vor allem durch die Geschäftseinheit Handel, die mit Firmen wie Denner, der Warenhauskette Globus oder der Buch- und Musikhändler Ex Libris rund 26 Prozent zum Gesamtumsatz beisteuert. Der Betriebsverlust der Sparte erhöhte sich von 31 auf 87 Millionen Franken.

Bewertung korrigiert

Mühe bekundeten vor allem jene Tochterfirmen, die im stationären Handel gross geworden sind und nun von Online-Händlern stark unter Druck geraten. So sank etwa der Umsatz von Globus, zu dem auch die Modekette Schild gehört, über 5 Prozent. Das Einrichtungshaus Interio und Ex Libris mussten gar ein Minus von über 7 Prozent hinnehmen.

Da die Migros hier keine allzu rasche Besserung erwartet, hat sie die Bewertung dieser Firmen nach unten korrigiert. «Die Werte, die als Vermögen in der Bilanz stehen, sind nicht mehr im Lot mit den zukünftig erwarteten Erträgen», sagte Finanzchef Joerg Zulauf. Angepasst wurden die Werte bei Interio, Globus, Office World, Ex Libris und dem Engroshändler Cash & Carry Angehrn um insgesamt 87 Millionen Franken. Dies ist einer der Hauptgründe für den tieferen Gewinn der Migros.

Auf die Frage, ob einige dieser Firmen verkauft werden sollen, äusserte sich Bolliger nur ausweichend: «Wir prüfen bei allen Unternehmen alle Optionen.» Es gehe nicht um Grösse per se, sondern darum, ob eine Tochterfirma strategisch richtig aufgestellt sei und ob sie in das Umfeld von Migros passe.

Bei Denner und Migrolino etwa brauche es keine Strategieübungen, die beiden Firmen seien sehr gut aufgestellt. Andernorts wie etwa bei Ex Libris müsse die Migros auf die massive Verschiebung vom stationären zum Online-Handel reagieren, indem man etwa beim Sortiment über die Bücher gehe.

Insgesamt habe Handelschef Beat Zahnd eine ziemlich klare Vorstellung, was bei den einzelnen Unternehmen zu geschehen habe. Dies werde dann auch entsprechend kommuniziert.

Gesundheitsbereich wächst

Positiv innerhalb der Handelssparte entwickelte sich der Online-Händler Digitec Galaxus, der bereinigt um 14 Prozent wuchs. Die hohen Investitionen wirkten sich jedoch negativ auf den Profit aus, sagte Finanzchef Zulauf.

Im angestammten Detailhandel legte die Migros um 0,8 Prozent zu. Treiber dieses Wachstums waren die 2012 übernommene deutschen Lebensmittelkette Tegut sowie der Gesundheitsbereich, zu dem etwa die 36 Gruppenpraxen von Medbase und Santémed gehören. Im Inland dagegen mussten die zehn regionalen Genossenschaften einen Umsatzrückgang von 0,2 Prozent hinnehmen.

Für das laufende Jahr gab sich Bolliger zurückhaltend. «Ich gehe nicht davon aus, dass plötzlich die Konsumeuphorie ausbricht.» Der Einkaufstourismus werde sich auf hohem Niveau stabilisieren, während er weiterhin von massiven Veränderungen durch den Online-Handel ausgeht. Bolliger rechnet damit, dass die Internet-Umsätze sowohl im Ausland als auch in der
Schweiz kräftig wachsen werden.

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