Laupersdorf

Die Genossenschaft braucht Geld

Die Liegenschaften: Ein Haus der Wohnbaugenossenschaft steht im Unterdorf, das andere im Oberdorf.

Laupersdorf_Genossenschaft

Die Liegenschaften: Ein Haus der Wohnbaugenossenschaft steht im Unterdorf, das andere im Oberdorf.

Die Wohnbaugenossenschaft Laupersdorf möchte zusätzliches Anteilscheinkapital von 400 000 Franken beschaffen. Nun wurden die Bürger- und die Kirchgemeinde um Zeichnung von neuem Anteilscheinkapital angefragt.

Rudolf Schnyder

1991 hat die Einwohnergemeinde Laupersdorf die Liegenschaft Unterdorf 127 erworben. «Damals hiess es, es sollen Alterswohnungen gebaut werden, weil die Altersheime überlastet seien», berichtete Gemeindeverwalter Stefan Schaad in der Gemeinderatssitzung. «1993/94 wurde das Schulhaus Sunnmatt für 4,6 Mio. Franken umgebaut und dadurch konnte die Einwohnergemeinde nicht mehr in Alterswohnungen investieren.»

Ohne Mithilfe der Einwohnergemeinde wurde am 1. September 1993 die Wohnbaugenossenschaft pro Laupersdorf gegründet mit dem Ziel, günstigen Wohnraum zu schaffen, ohne markante Gewinne zu erwirtschaften. Im Dezember 1993 beschloss die Gemeindeversammlung, die Liegenschaft im Unterdorf 127 im Baurecht der Wohnbaugenossenschaft abzugeben.

Weil diese über kein Kapital verfügte, zeichnete die Einwohnergemeinde Anteilscheine für 430 000 Franken. 1995/96 wurde der Bau mit acht Wohnungen realisiert. 1997/98 übernahm die Wohnbaugenossenschaft das «Höngerhuus» im Oberdorf, brach es ab und baute es mit neun Wohnungen wieder auf.

Forderungsverzicht von 500 000 Franken

Die Liegenschaft Unterdorf hat einen Buchwert von 1,84 Mio. Franken, die Mietzinseinnahmen betragen 90 300 Franken jährlich. Der Buchwert der Liegenschaft im Oberdorf beträgt 2,25 Mio. Franken, die jährlichen Mietzinseinnahmen belaufen sich auf 136 140 Franken.

Die Genossenschaft wurde im Jahre 2005 saniert. Die Vertragsparteien verpflichteten sich, das Anteilscheinkapital vollständig abzuschreiben. Genossenschaftspräsident Dieter Bruttel führte aus: «Die Zeichnung von zusätzlichem Anteilscheinkapital von 400 000 Franken hätte einen Forderungsverzicht von 500 000 Franken des Bundesamtes für Wohnungswesen zur Folge. Somit würde die Verschuldung der Wohnbaugenossenschaft von 3,3 Mio. auf 2,4 Mio. Franken reduziert.»

Dies wäre ein gutes Verhältnis zum Verkehrswert, und die Wohnbaugenossenschaft wäre mittel- und längerfristig gesichert. Gemeindepräsident Thomas Schwaller fügte hinzu: «Der Gemeinderat spürt eine grosse Verantwortung für die Zukunft der Gemeinde. Es soll verhindert werden, dass die Wohnbaugenossenschaft von Auswärtigen übernommen wird. Daher würde es die Einwohnergemeinde begrüssen, wenn die Wohnbaugenossenschaft zu einem gemeinsamen Projekt der drei Gemeinden wird.»

«Gehört nicht zum Kerngeschäft»

Der Bürgergemeinderat teilte mit, man sei bereit, ein Darlehen bis maximal 300 000 Franken zu gewähren, obwohl die Beteiligung an einer Wohnbaugenossenschaft nicht zum Kerngeschäft einer Bürgergemeinde gehöre. Nicht bereit erklärte sich der Bürgergemeinderat hingegen zur Zeichnung von zusätzlichem Anteilscheinkapital. «Nur die Zeichnung von neuem Anteilscheinkapital nützt der Wohnbaugenossenschaft etwas», bemerkte Dieter Bruttel zur Stellungnahme des Bürgergemeinderates.

Der Rat der römisch-katholischen Kirchgemeinde entscheidet erst in der nächsten Woche über eine allfällige Zeichnung von Anteilscheinkapital. Rein rechtlich gesehen und auch von den Finanzen her wäre dies grundsätzlich möglich, lässt die Kirchgemeinde wissen. Doch zum Kerngeschäft einer Kirchgemeinde gehöre eine solche Beteiligung noch weniger als bei einer Bürgergemeinde.

Trotz grosser Schuldenlast wäre der Einwohnergemeinderat bereit, nochmals maximal 100 000 Franken Anteilscheinkapital zu zeichnen. Definitive Entscheide sind also noch keine gefällt, alle drei involvierten Ratsgremien erklärten sich zu weiteren Verhandlungen bereit. Selbstverständlich müsste die Zeichnung von neuem Anteilscheinkapital auch von den Gemeindeversammlungen genehmigt werden.

Rechnung 2008 mit Ertragsüberschuss

Gemeindeverwalter Stefan Schaad präsentierte die Ergebnisse der Gemeinderechnung 2008. Einem Aufwand von 7,258 Mio. Franken steht ein Ertrag von 7,527 Mio. Franken gegenüber, somit resultiert ein Ertragsüberschuss von 268 699 Franken.

«Budgetiert war gar ein Aufwandüberschuss von 31 181 Franken. Es gab zwar bei einzelnen Positionen einen Mehraufwand, doch fiel der Steuerertrag um 400 000 Franken höher aus als budgetiert», bemerkte Stefan Schaad zum Ertragsüberschuss. Die Investitionsrechnung weist Ausgaben von 142 166 Franken und Einnahmen von 77 670 Franken aus, die Nettoinvestitionen betragen somit 64 496 Franken.

Meistgesehen

Artboard 1