In einem Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble am Freitag in Berlin hat Weber mitgeteilt, er wolle mit Ende seines siebten Amtsjahres zum 30. April 2011 aus dem Amt scheiden. Die Kanzlerin und Schäuble hätten die Entscheidung mit Respekt für Professor Webers persönliche Gründe zur Kenntnis genommen, sagte ein Regierungssprecher.

Offiziell hat Weber aus persönlichen Gründen gehandelt. Hartnäckig halten sich aber Gerüchte, der international angesehene Ökonom könnte die Nachfolge der Schweizers Josef Ackermann als Chef der Deutschen Bank antreten.

Deutschland weist Sorgen zurück

Schon seit Tagen belastete der Wirbel um Weber die Bemühungen der Euro-Partner zur Stabilisierung der Gemeinschaftswährung. Weber hatte wiederholt das Krisenmanagement der Europäischen Zentralbank (EZB) und die deutsch-französischen Pläne für eine einheitliche Wirtschaftspolitik kritisiert.

Berlin wies mit Nachdruck Sorgen an den Finanzmärkten zurück, mit einem Rückzug Webers sei die deutsche Stabilitätskultur in Europa in Gefahr. "Es soll sich niemand, nicht in Deutschland und auch nicht im Ausland, Sorgen machen, dass dieses für uns so wichtige Institut, die Bundesbank, nachlassen wird in seiner Aufgabe", so der Regierungssprecher.

Als Nachfolger von Trichet gehandelt

Mit dem Rücktritt hat sich auch Webers mögliche Kandidatur für den EZB-Chefposten erledigt. Offen bleibt, ob Deutschland einen Kandidaten für die Nachfolge von Jean-Claude Trichet an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) ins Rennen schickt.

Der 53-jährige Weber galt lange Zeit als der deutsche Kandidat für die im Herbst anstehende Nachfolge Trichets. Sowohl deutsche Oppositions- als auch Koalitionspolitiker fürchten nun, dass sich Deutschland mit dem Rückzug Webers alle Chancen verspielt hat.

Bundesfinanzminister Schäuble betonte nach einem Treffen mit Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde in Berlin jedoch, die Frage der Trichet-Nachfolge stelle sich derzeit nicht.