Top-Manager

Deutsche Bank will von Joe Ackermann Millionen-Boni zurück

Auch von ihrem ehemaligen Chef Josef Ackermann will die Deutsche Bank laut einem Zeitungsbericht Boni zurückverlangen. Der Schweizer war bis 2012 Chef der Bank. (Archivbild)

Auch von ihrem ehemaligen Chef Josef Ackermann will die Deutsche Bank laut einem Zeitungsbericht Boni zurückverlangen. Der Schweizer war bis 2012 Chef der Bank. (Archivbild)

Für die Krise der Deutschen Bank sollen sechs Ex-Vorstände in die Verpflichtung genommen werden. Darunter der Schweizer Ex-Manager Joe Ackermann.

Die in Schieflage geratene Deutsche Bank will früheren Vorständen bereits zugesprochene Boni-Zahlungen in Millionenhöhe streichen – das berichtet die «Süddeutsche Zeitung» in ihrer gestrigen Ausgabe. Betroffen sind unter anderem die ehemaligen Vorstandschefs Josef Ackermann und Anshu Jain sowie vier weitere Vorstände. Wie hoch die Summe ist, die das Geldinstitut bei Ackermann einholen will, ist nicht bekannt. Der 68-jährige St. Galler war von 2006 bis Mai 2012 alleiniger Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank AG.
Dem Bericht zufolge am stärksten zur Kasse gebeten wird der frühere Chef des Investmentbankings und spätere Co-Chef der Bank (2012 bis 2015), Anshu Jain.

Laut der Zeitung ist bei Jain von einem zweistelligen Millionen-Betrag die Rede. Die Ex-Manager sollen für die Turbulenzen geradestehen, die vor und während der Zeit der Finanzkrise 2008 aufgetreten sind und die Bank bis heute belasten. Im Zuge der Finanzkrise wurde die Bank in milliardenschwere Rechtsstreitigkeiten wegen ihrer Geschäfte im Investmentbanking verwickelt. Da wichtige Entscheide in diesem Geschäftsfeld vor der Finanzkrise – auch während der Zeit von Ackermann an der Spitze der Bank – getroffen wurden, sollen laut dem Bericht mehrere Ex-Manager zur Rechenschaft gezogen werden. Bei Ackermann seien laut dem «Handelsblatt» bereits Boni in der Höhe von 3,5 Millionen Euro einbehalten worden sein.

Offener Rechtsstreit mit den USA

Das Geld ihrer Ex-Manager könnte die Deutsche Bank ganz gut gebrauchen. Unter anderem droht dem Geldhaus eine Rekordstrafe über 14 Milliarden Dollar in den USA. Mit der gigantischen Summe soll die Bank für faule Hypothekengeschäfte aus der Zeit der Finanzkrise 2008 in den USA geradestehen. Die Deutsche Bank soll vor der Finanzkrise beim Verkauf von Wertpapieren, die mit Hypotheken unterlegt sind, falsche Angaben gemacht und die Risiken der Papiere gegenüber den Anlegern verharmlost haben, so der Vorwurf der US-Justiz.
Noch immer feilscht die Bank mit den US-Behörden über die tatsächliche Höhe der Strafzahlung. Eine Strafe in der Höhe von 14 Milliarden Dollar könnte laut Experten zu einem ernsthaften Problem werden. Konzernchef John Cryan soll seit Bekanntwerden der Rekordstrafe im September mit Hochdruck daran arbeiten, die Strafe herunterzuhandeln. Bislang offenbar mit geringem Erfolg.

Besonders pikant: Dieser Tage wurde bekannt, dass die Deutsche Bank seit vielen Jahren grösster Geldgeber Donald Trumps sein soll. Gemäss dem «Wall Street Journal» hat das Institut dem Neu-Präsidenten seit 1998 rund 2,5 Milliarden Dollar geliehen. Derzeit soll der Republikaner bei der Bank noch mit 350 Millionen Dollar in der Kreide stehen. Die Deutsche Bank hat solche Medienberichte bislang nicht bestätigt.

Die Kundenbeziehung zwischen Trump und der in Rechtsstreitigkeiten in den USA verwickelten Deutschen Bank gelten in der Branche als äusserst heikel. Sicherheitshalber will sich die Bank mit der noch amtierenden Administration von Barack Obama über die tatsächliche Höhe der Strafe einigen. «Billiger wird es unter Trump sicher nicht», zitiert das «Handelsblatt» einen Bank-Insider. Experten warnen davor, mit der Wahl Trumps die Hoffnung zu verknüpfen, der Republikaner liesse dem Geldhaus gegenüber möglicherweise Milde walten, da er sich mit seinen Millionenschulden in Abhängigkeit der Bankenbosse begeben habe und quasi zu einem Deal Hand biete.

Die «Süddeutsche Zeitung» zitiert diese Woche einen weiteren Insider der Deutschen Bank: «Je mehr die Medien über die Möglichkeit eines Deals zwischen Trump und der Deutschen Bank berichten, desto grösser wird die Gefahr, dass die Strafe am Ende hoch ausfällt – und sei es nur, weil Trump unter Beweis stellen muss, dass es eben keinen Interessenkonflikt gibt.»

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