Vorsorge

Der Berner Versicherer Mobiliar zahlt tiefere Renten, dafür länger

Passt die Vorsorge der neuen Realität an: Berner Mobiliar. KEY

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Die Anpassung der Pensionskasse kostet den Berner Versicherer 190 Millionen Franken. Viele Pensionskassen rechnen mit veralteten Modellen: Die Lebenserwartungen der Versicherten liegen heute deutlich höher.

Die Mobiliar schiesst 190 Millionen Franken in die betriebseigene Pensionskasse ein. Dies hat der Berner Versicherer gestern anlässlich der Publikation des Jahresergebnisses (siehe Box) bekannt gegeben.

«Wir haben ein sehr gutes Ergebnis erzielt, weshalb wir uns für die Strukturanpassung unserer Pensionskasse entschieden haben», so der Finanzchef Peter Brawand gestern am Rande der Medienkonferenz in Bern.

«Strukturanpassung» bezeichnet eine altbekannte Problematik: Viele Pensionskassen gehen bei der Berechnung ihrer Rentenverbindlichkeiten von veralteten Annahmen aus: Sie operieren mit zu hohen Rendite- und zu tiefen Lebenserwartungen.

Vor kurzem war es noch verbreitet, die Verbindlichkeiten mit erwarteten Kapitalrenditen – dem sogenannten technischen Zinssatz – von 3,5 Prozent zu berechnen. Im Schnitt der letzten zehn Jahre erzielte die Mobiliar pro Jahr aber nur eine Rendite von 2,5 Prozent.

Kapitalbasis zu dünn

Zudem benutzen viele Kassen Sterbetafeln, welche die Lebenserwartung zu tief ansetzen. Die Faustregel besagt: Alle zehn Jahre steigt die Lebenserwartung um ein halbes Jahr.

Solche Zahlen bringen die Pensionskassen ins Schleudern: Irgendwann reicht das Kassenkapital nicht mehr, um die Renten zu zahlen. Die Folge sind Strukturanpassungen wie diejenige von Mobiliar. Per Januar 2013 haben die Berner den technischen Zinssatz von 3,5 auf 3 Prozent gesenkt.

Ab Januar 2014 rechnet das Unternehmen nur noch mit einem Satz von 2,25 Prozent. Der Umwandlungssatz im Alter 65 sinkt dadurch auf rund 5,45 Prozent. Das heisst: Pro 100 000 Franken angespartem Alterskapital erhält ein Rentner noch eine Jahresrente von 5450 Franken.

Das ist zwar deutlich unter dem Umwandlungssatz für die obligatorischen Renten von aktuell 6,9 Prozent. Da sich der Umwandlungssatz von Mobiliar aber auch auf den überobligatorisch versicherten Lohnanteil bezieht, ist das kein Problem.

Das Gesetz macht nämlich keine Vorschriften für den überobligatorischen Teil in der beruflichen Vorsorge, also für den Lohnanteil, der 84 240 Franken im Jahr übersteigt.

Insgesamt reicht das Kapital in der Mobiliar-Pensionskasse nach den Anpassungen länger aus. Im Schnitt ein bis zwei Jahre, so Brawands Schätzung.

Das heisst: Die Rentner können bei Mobiliar jetzt ein bis zwei Jahre länger leben, ohne dass deswegen die im Berufsleben stehenden Versicherten die Renten quersubventionieren müssen und dadurch benachteiligt werden. Dies ist heute bei vielen Pensionskassen noch nicht der Fall. Andere Vorsorgeinstitute dürften dem Beispiel deshalb wohl folgen.

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