alfa romeo

Der Alfa Romeo wird 100

Begonnen hatte die Geschichte am 24. Juni 1910. 100 Jahre später kann Alfa Romeo auf turbulente Jahrzehnte zurückblicken. Kommerziell gesehen blieb er aber immer das Sorgenkind des Mutterkonzerns Fiat.

Dominik Straub, Rom

Wer einen Alfa Romeo kauft, tat dies noch nie, weil diese Autos besonders praktisch sind oder weil er Wert auf eine germanisch-perfekte Verarbeitung legt. Alfas werden gekauft, weil es ein Statement ist: für das Besondere.

Begonnen hatte die Geschichte am 24. Juni 1910, als die Società Anonima Lombarda Fabbrica Automobili ins Handelsregister der Stadt Mailand eingetragen wurde – dem guten Klang zuliebe nicht zu Salfa abgekürzt, sondern zu Alfa.

Schlechter Start

Der Start war wenig berauschend: Bereits fünf Jahre nach der Gründung ging die Firma in Konkurs; im Jahr 1915 übernahm der aus Neapel stammende Ingenieur und Rüstungsindustrielle Nicola Romeo die Führung des Betriebs, unterstützt durch eine kräftige staatliche Finanzspritze. 1920 wurde der Name des neuen Eigentümers in den Markennamen aufgenommen: Aus Alfa wurde Alfa Romeo.

Es folgten Jahrzehnte der rennsportlichen Glorie: zehnmal die Mille Miglia, sechsmal die Targa Florio, viermal in Folge das 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Und im ersten Jahr der Formel 1, der Saison 1950, wurde Alfa Romeo auf Anhieb Weltmeister. Vieles, was die AlfaRomeo-Ingenieure auf den Rennstrecken testeten, fand sich später in Serienautos wieder.

Allerdings: Der kommerzielle Erfolg konnte mit den sportlichen Höhenflügen und den technischen Glanzleistungen kaum je Schritt halten. Der absolute moralische und stilistische Tiefpunkt wurde schliesslich mit dem gemeinsam mit Nissan entwickelten und im Jahr 1983 vorgestellten Modell Arna erreicht: ein Nissan Cherry mit einem Motor von Alfasud.

Selbst die eingefleischtesten Liebhaber der Marke verloren die Geduld, und als einzige Überlebenschance blieb im Jahr 1986 noch ein Verkauf an Ford oder an Fiat. Die italienische Regierung entschied sich für die patriotische Lösung: für Fiat.

Mit Fiat geht's verhalten aufwärts

Unter der Regie von Fiat wurden die Verarbeitungsmängel behoben – doch der Ruf des «cuore sportivo» blieb angeschlagen: Zu viele Komponenten stammten aus dem Konzernregal des Turiner Massenherstellers. Das Tal der Tränen wurde erst im Jahr 1997 mit dem Mittelklasse-Modell 156 verlassen, das als erster Alfa Romeo zum «Auto des Jahres» gewählt wurde.

Kommerziell gesehen blieb Alfa Romeo jedoch das Sorgenkind von Fiat-Konzernchef Sergio Marchionne. Das 156er-Nachfolgemodell 159 setzt zwar in seiner Kategorie erneut die ästhetischen Massstäbe, doch mit seinem eher an einen VW Golf als an eine Mittelklasse-Limousine gemahnenden Platzangebot ist er dem breiten Publikum und auch vielen Alfisti ganz einfach zu teuer.

Die Hoffnungen Marchionnes ruhen nun auf der vor kurzem vorgestellten neuen Giulietta, die das Modell 147 ablöst und die von der Fachpresse nicht nur wegen ihres Äusseren, sondern vor allem auch wegen ihrer inneren Werte mit Lob überhäuft wurde.

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