Bankenplatz Schweiz

Das grosse Bankensterben: Ein Blick auf die Geschichte des Schweizer Finanzplatz

An die Bank Leu, die älteste Bank der Schweiz mit Gründungsjahr 1755, erinnern sich nicht mehr viele, seit das Instut 1990 in den Besitzt der Credit Suisse überging.

An die Bank Leu, die älteste Bank der Schweiz mit Gründungsjahr 1755, erinnern sich nicht mehr viele, seit das Instut 1990 in den Besitzt der Credit Suisse überging.

In den vergangen 30 Jahren ist der Schweizer Finanzplatz um einige Hundert Institute ärmer geworden – viele waren Regionalbanken.

Mit der Integration der «Neuen Aargauer Bank» in die Credit Suisse wird der Schweizer Bankenplatz um einen prominenten Namen ärmer. Doch gerade die noch relativ kurze Geschichte der NAB zeigt: Die Zeit vergeht rasch und selbst altbewährte Marken geraten schnell in Vergessenheit. An die «Aargauische Hypotheken- und Handelsbank und an die «Allgemeine Aargauische Ersparniskasse», wie die 1989 zur NAB fusionierten Vorgängerinstitute hiessen, werden sich auch im Aargau selbst viele ältere Semester kaum mehr erinnern.

Regionalbankenkrise sorgt für Bereingung

Als die Credit Suisse 1994 die NAB übernahm stand es denkbar schlecht um den Zustand der Schweizer Regionalbanken. Dutzende von Instituten im ganzen Land hatten sich in den späten 1980er Jahren vom damaligen Immobilienboom verleiten lassen und heillos überbewertete Liegenschaften frisch und fröhlich als Sicherheiten für grosszügige Hypothekarkredite akzeptiert. Regional- und Kantonalbanken verliessen ihre Reviere um in anderen Landesteilen nach Beute (Kreditgeschäften) zu jagen. Die Folgen des Goldrausches liessen nicht lange auf sich warten.

Nach dem die Thuner Bevölkerung 1991 vor den Augen zahlreicher ungläubiger Journalisten aus der ganzen Welt ihre lokale Spar- und Leihkasse gestürmt hatten, um die eigenen Ersparnisse noch vor der Pleite in Sicherheit zu bringen, wurde der Schweizer Bankenmarkt grundlegend umgepflügt. Während die Regionalbankenlandschaft im Jahr 1990 noch 200 Institute zählte, sind es heute noch deren 62. Eine grosse Zahl von ihnen ging in der ersten Hälfte der 1990er Jahre in den Grossbanken auf. Diese hatten die Immobilienkrise weit besser bewältigt als ihre kleinen Mitbewerber und besassen die finanziellen Mittel, den Strukturwandel aus eigener Kraft zu bewältigen und eine Bankenkrise zu verhindern, die letztlich für alle Geldhäuser im Land hätte gefährlich werden können.

Allerdings waren auch landesweite bekannte Institute wie die Schweizerische Volksbank nicht mehr allein lebensfähig. Die Berner Volksbank ging 1993 in der Credit Suisse auf und wurde von dieser binnen drei Jahren vollständig integriert. Mit der Übernahme der Volksbank und der NAB war die Credit Suisse im Geschäft mit Schweizer Privatkunden am Basler Bankverein vorbeigezogen und in puncto Marktanteilen auf Augenhöhe mit der Schweizerischen Bankgesellschaft aufgerückt. Als sich diese im Dezember 1997 aber mit dem Bankverein zur UBS zusammenschloss stand die Credit Suisse geriet die Credit Suisse aber erneut weit ins Hintertreffen. In den folgenden Jahren wurde die Grossbank im Schweizer Retail-Geschäft auch von der offensiven Raiffeisengruppe überholt.

Auch die älteste Bank des Landes ist vergessen

Im Zug der vielfältigen Marktbereinigungen der vergangenen 30 Jahre sind auch so altehrwürdige Namen wie die Zürcher Bank Leu verschwunden und fast vollständig in Vergessenheit geraten. Die 1755 gegründete Bank konnte ihre Selbständigkeit unter dem Dach der damaligen CS Holding zwar während einiger Jahre formell behaupten. Doch der stetig gestiegene Kostendruck zwang den Konzern später auch das einst älteste Bankinstitut der Schweiz zu integrieren und die Marke «Leu» aufzugeben.

Autor

Daniel Zulauf

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