Fondsdebakel
Credit Suisse gerät noch tiefer in den Greensill-Sumpf

Die Bank suspendiert den Handel mit vier weiteren Fonds. Doch es gibt noch weiteres Ungemach: eine Versicherung stellt die Gültigkeit der Risikodeckung infrage.

Daniel Zulauf
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Credit-Suisse-Chef Thomas Gottstein gerät in den Strudel des Greensill-Debakels. Er habe Lex Greensill nie persönlich getroffen und nur einmal mit ihm telefoniert, soll er seinen Kollegen gemäss Financial Times gesagt haben.

Credit-Suisse-Chef Thomas Gottstein gerät in den Strudel des Greensill-Debakels. Er habe Lex Greensill nie persönlich getroffen und nur einmal mit ihm telefoniert, soll er seinen Kollegen gemäss Financial Times gesagt haben.

Severin Bigler / SAW

Für die Credit Suisse wird ein weiterer dreistelliger Millionen-Abschreiber immer wahrscheinlicher. Die Bank hat dem insolventen britisch-australischen Lieferketten-Finanzierer Greensill im vergangenen Jahr einen Kredit von 140 Millionen Dollar gewährt, den sie nun mit Hilfe von Inkassospezialisten einzutreiben versucht.

Nochmals 100 Millionen Dollar von vier Dachfonds im Feuer

Noch viel schmerzhafter könnte die Greensill-Pleite für die Credit Suisse aber werden, wenn die Bank auch für Verluste ihrer Fondsinvestoren geradestehen müsste. Vier grosse Credit-Suisse-Fonds mit einem ursprünglichen Anlagevolumen von insgesamt 10 Milliarden Dollar werden seit Montag liquidiert. Es bestünden «Unsicherheiten» über die Bewertung der Anlagen. Zudem sei der Versicherungsschutz für neue Fondsinvestitionen «eingeschränkt». Die Fonds enthalten kurzfristige Schuldverschreibungen («Notes»), die ausschliesslich mit Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie mit Zahlungsversprechungen besichert sind, die aus dem Kundenkreis von Greensill stammen.

Am Donnerstag musste die Credit Suisse die vorläufige Suspendierung des Handels mit vier weiteren eigenen Anlagefonds bekanntgeben. Es handelt sich um sogenannte «Dachfonds», die unter anderem in die vier erwähnten Greensill-Fonds von Credit Suisse investierten, die jetzt liquidiert werden. Der Nettoinventarwert der vier Dachfonds beträgt per Ende Februar über 1,2 Milliarden Dollar. Davon betreffen gemäss Angaben der Credit Suisse rund 100 Millionen Dollar Anlagen in den vier Greensill-Fonds der Credit Suisse. Der Wert dieser Anlagen sei derzeit schwierig zu bestimmen, begründete die Bank die Handels-Suspendierung.

Das mutmassliche Hauptproblem für die Credit-Suisse-Fondsinvestoren ist die offenbar eingeschränkte Zahlungsfähigkeit des Greensill-Grosskunden Sanjeev Gupta. Der britische Geschäftsmann, der sich selbst gern als Retter britischen Stahlindustrie inszeniert, ist mit seiner GFG-Alliance-Gruppe einer der grössten Schuldner von Greensill und damit vermutlich auch von den Credit-Suisse-Fonds. Bislang hatte die Credit Suisse stets betont, dass ein Grossteil der Schuldverschreibungen in ihren Fonds versichert seien.

Tokio Marine bezweifelt Gültigkeit der Greensill-Versicherungspolicen

Doch darüber gibt es zunehmend Zweifel. Der japanische Versicherer Tokio Marine deckt Forderungen von Greensill im Umfang von 4,6 Milliarden Dollar. «Wir haben Bedenken über die Gültigkeit dieser Greensill-Policen und führen eine entsprechende Untersuchung», lässt sich Tokio-Marine-Sprecher Tetsuya Hirano vom britischen Online-Magazin «Insurance Journal» zitieren. Gemäss einer nicht genannten Quelle des Magazins decken die Policen direkt die Forderungen der Credit-Suisse-Fonds.

Hedgefonds wettet gegen die CS-Aktie - mit Erfolg

Agenturberichten zufolge wettet der australische Hedge-Fonds «Bronte Capital» neuerdings gegen die Aktien von Credit Suisse. Der Fonds geht offenbar davon aus, dass die Bank für die potenziellen Verluste der Fondsinvestoren wird gradestehen müssen. Offenbar hatte Bronte Capital auch schon erfolgreich gegen Wirecard gewettet. Die Credit-Suisse-Aktien verloren am Donnerstag mehr als 4 Prozent.

Derweil steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Credit Suisse den 140-Millionen-Dollar-Kredit von Greensill nicht mehr zurückerhalten wird. In Finanzmarktkreisen wird kolportiert, die Credit Suisse habe das Darlehen in der Hoffnung gewährt, dass sich die schon seit geraumer Zeit mit Problemen kämpfende Greensill durch eine Kapitalaufnahme via Börse neu aufstellen könnte. Daraus ist bekanntlich nichts geworden. Greensill Capital hat am Montag in London Insolvenz angemeldet. Der Wirtschaftsprüfer Grant Thornton versucht als Insolvenzverwalter werthaltige Greensill-Aktiven zu schützen, damit diese allenfalls verkauft und offene Forderungen beglichen werden können.

Das wichtigste Aktivum von Greensill ist ihr operatives Geschäft - der Zugang zu vielen Tausend Firmenkunden, die sich mit Hilfe von Greensill Lieferungen vorfinanzieren lassen. Für dieses im Grunde solide Geschäft soll die auf Privatanlagen spezialisierten Investmentgesellschaft Apollo unlängst noch 60 Millionen Dollar geboten haben, berichten seit etwa zwei Wochen verschiedene Finanzmedien.

Doch jetzt bläst Apollo offenbar zum Rückzug. Der Grund: Der bisherige Greensill-Technologiepartner Taulia, eine IT-Firma in San Francisco, soll das gesunde Geschäft von Greensill weiterbetreiben. So scheint jedenfalls das Drehbuch eines Bankenkonsortiums unter Führung von J.P. Morgan und mit Beteiligung von UBS auszusehen. Die Banken haben Taulia gemäss Agenturberichten 6 Milliarden Dollar Liquidität zur Verfügung gestellt, damit diese die (gesunden) Greensill-Kunden direkt weiterfinanzieren kann.

«Unser Netzwerk umfasst derzeit mehr als zwei Millionen registrierte Nutzer und deckt in den meisten Fällen bereits zum Start bis zu zwei Drittel aller Lieferanten unserer Kunden ab», wirbt Taulia auf der eigenen Webseite.

UBS hilft ehemaligem Greensill-Partner - zum Schaden der Credit Suisse

Ein fliegender Wechsel der (finanziell gesunden) Greensill-Kunden zu Taulia ist nicht nur für den Inhaber und Gründer des einst hochgelobten Liquiditätsvermittlers, Lex Greensill, sondern auch für dessen Gläubiger wie Credit Suisse eine trübe Perspektive. Es entspring nicht einer gewissen Ironie, dass just die UBS mithelfen könnte, diesen Transfer auf Kosten des Schweizer Konkurrenten möglich zu machen. Im Erfolgsfall dürfte das Bankenkonsortium in Absehbarer Zeit auch einen Börsengang für Taulia organisieren. Damit stünde es in diesem indirekten Duell zwischen den beiden ewigen Rivalen sozusagen zwei zu null für die UBS.