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Coop und Co. machen Schluss mit Kassenzettel-Zwang — Migros hinkt noch hinterher

Ab Mittwoch werden in Coop-Filialen Kassenzettel nur noch an bedienten Kassen automatisch gedruckt.

Ab Mittwoch werden in Coop-Filialen Kassenzettel nur noch an bedienten Kassen automatisch gedruckt.

Viele Kunden wünschen sich, dass Quittungen nicht mehr automatisch gedruckt werden. Die Detailhändler kommen diesem Bedürfnis nach: Bei Coop, Lidl und Volg ist der Beleg nicht länger Pflicht. Das System der Migros ist hingegen noch nicht bereit dafür.

Zum Einkaufen gehört er einfach irgendwie dazu: der Kassenzettel. Das war zumindest früher so. Die bedruckten Papierfetzen galten als Beweis für den Einkauf, als Garantieschein, als Absicherung für einen Umtausch.

In der heutigen Zeit, in der die Detailhändler auf Nachhaltigkeit setzen, werden die Belege jedoch immer mehr als unnötig empfunden und als Papierverschwendung bezeichnet. Mehrere Hunderttausend Tonnen wandern jährlich in den Abfallkübel — meistens ohne dass der Konsument auch nur einen Blick drauf wirft. Dem soll nun Einhalt geboten werden.

Jährlich bis zu 60 Tonnen Papier sparen

Ab Mittwoch können Coop-Kunden beim Self-Checkout wählen, ob der Beleg gedruckt werden soll oder nicht. Auf Garantie-Belege oder Rabatt-Bons hat die Massnahme jedoch keine Auswirkung. «Der Entscheid geht auf das Bedürfnis unserer Kunden zurück», sagt Mediensprecherin Andrea Bergmann. «Wir wurden schon oft gefragt, ob wir diese Möglichkeit nicht einführen könnten.»

An der bedienten Kasse werden die Belege hingegen weiterhin unaufgefordert gedruckt. Supercard-Besitzer haben aber die Möglichkeit, sich die Quittung per Mail zukommen zu lassen. Coop rechnet damit, mit den neuen Massnahmen jährlich bis zu 60 Tonnen Papier sparen zu können.

Auf den Konsumenten habe die Änderung keine negativen Auswirkungen: «Bei uns kann man einen Artikel auch ohne Quittung zurückgeben», sagt Bergmann. Denn bei Coop zähle die Zufriedenheitsgarantie. Bei teureren Produkten lohne es sich jedoch nach wie vor, den Kassenbeleg aufzuheben.

Auch zur Kaufkontrolle wird die Quittung grundsätzlich nicht mehr benötigt: «Stichproben werden meist am Terminal definiert, bevor der Zahlvorgang überhaupt ausgelöst wird», sagt Bergmann. Die beiden wichtigsten Funktionen eines Belegs können somit umgangen werden.

Volg und Lidl als Vorreiter

Auch Volg und Lidl haben mit dem Kassenzettel-Zwang bereits Schluss gemacht. Lidl fragt die Kunden seit 2017, ob sie einen Beleg wünschen. Die Rückmeldungen seien sehr positiv: «Diejenigen Kundinnen und Kunden die weiterhin einen Ausdruck wollen, erhalten ihn ja weiterhin», teil Mediensprecherin Corina Milz mit.

Seither konnte der Papierverbrauch um über 30 Prozent reduziert werden. Auch bei der Länge der Kassenzettel führte Lidl Einsparungen durch: «Indem wir auf Zusatzinformationen verzichten, konnten wir die Zettellänge um über 10 Prozent reduzieren.» 

Als weitere Anpassung testet Lidl seit dem 3. Oktober in einer Filiale in Weinfelden drei Self-Checkout-Kassen. Auch dieses Angebot kommt an: «Viele Kundinnen und Kunden begrüssen die neue Kassiermöglichkeit ausdrücklich», so Milz. Nach erfolgreichem Test werde das Konzept dann schweizweit in dafür in Frage kommenden Filialen eingesetzt.

Der Umwelt zuliebe verzichtet auch Volg seit dem 21. Oktober auf das automatische Drucken der Kassenbons. Gleichzeitig werde auch die Rückseite nicht mehr farbig bedruckt. Laut dem Detailhändler können damit hochgerechnet rund 11'000 Kilometer Kassenrollen-Papier pro Jahr eingespart werden — das entspricht der Luftlinie von Bern nach Singapur.

System bei der Migros ist noch nicht so weit

Auch die Konkurrenz arbeitet daran, auf das Kundenbedürfnis einzugehen: So plant etwa Denner per Mitte Januar 2020 einen Wechsel im Kassenbetrieb. Ab dann sollen Belege nicht mehr automatisch ausgedruckt werden.

Wann es bei der Migros so weit ist, steht derzeit noch nicht fest. «Wir arbeiten an einer Änderung im Kassensystem, um unseren Kundinnen und Kunden in Zukunft die Wahlfreiheit zu ermöglichen», sagt Mediensprecherin Cristina Maurer.

Die Änderungen im System seien jedoch sehr komplex. Zudem hält die Migros daran fest, dass ein Kassenzettel noch immer viele Funktionen habe: So sei er Kaufbestätigung und somit Nachweis, falls man etwas umtauschen muss oder kontrolliert werde.

Was bereits verbessert wurde, sei aber die Länge der Kassenzettel: Die neuen Belege sind deutlich kürzer als die alten. «Es ist auch unser Ziel, wo immer möglich, Papier einzusparen», sagt Maurer weiter. Das sei natürlich nur möglich, wenn die Migros ihren Kunden die Wahl gebe, die Quittungen drucken zu lassen oder eben nicht. «Uns ist bewusst, dass wir in diesem Bereich Anpassungen vornehmen müssen und auch wollen.»

Auch bei Aldi Suisse hält man noch an den Belegen fest: «Aktuell hat der Kassenzettel sowohl für das Verkaufspersonal als auch für die Kundschaft eine Kontrollfunktion», sagt Mediensprecher Philippe Vetterli. «Es kann jederzeit überprüft werden, ob der richtige Preis berechnet und ob die korrekte Menge der gekauften Produkte erfasst wurde.» Ein Verzicht des Kassenzettel-Zwangs sowie eine entsprechende technische Lösung sei aber ebenfalls in Planung.

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