Carsharing
Geld verdienen mit dem eigenen Auto? Diese dänische Firma will die Schweiz erobern, ist damit aber nicht alleine

Die skandinavische Firma GoMore expandiert in die Schweiz. Sie ermöglicht es privaten Autobesitzern, ihr Auto zu vermieten – auch mit schlüsselloser Technologie. Doch das gilt nicht für alle.

Stefan Ehrbar
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Mit dem eigenen Auto Geld verdienen: GoMore macht es möglich.

Mit dem eigenen Auto Geld verdienen: GoMore macht es möglich.

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GoMore expandiert in die Schweiz. Das gab die dänische Carsharing-Plattform letzte Woche bekannt. Die Firma habe das Land als «zukünftigen europäischen Hotspot für Carsharing» ins Visier genommen, heisst es in einer Mitteilung. GoMore ermöglicht es Menschen, private Autos in der Nachbarschaft zu mieten und zu vermieten.

Über den Markteintritt berichtete auch das Portal watson.ch. Das Prinzip ist einfach: Autobesitzerinnen und -besitzer können ihr Fahrzeug registrieren, während interessierte Nutzer sich einmalig online identifizieren müssen und danach auf der Website ein Auto in ihrer Umgebung auswählen können. Wenn die Vermieterin oder der Vermieter die Buchung bestätigt, wird den Mietern der genaue Standort mitgeteilt. Das Auto wird dem Nutzer persönlich vom Vermieter übergeben und gemeinsam kontrolliert.

Schlüsselloses System kostet

Während der Fahrt sind die Lenker durch GoMore versichert. Bezahlt wird pro gefahrener Minute, eine bestimmte Anzahl Kilometer ist inbegriffen. Sie kann gegen eine Gebühr erhöht werden. Zurückgegeben werden muss das Auto mit derselben Tankfüllung, wie es übernommen wurde. Die Benutzung eines VW Golf für 5 Stunden kostet in Zürich beispielsweise 44 Franken (CH Media berichtete).

Die persönliche Übergabe stellt allerdings eine Hürde dar – sowohl für Mieter als auch für Vermieter. GoMore bietet darum auch ein automatisches System namens Keyless an. Interessierten installiert der Anbieter ein schlüsselloses Zugangssystem. Die Übergabe kann dann ohne persönlichen Kontakt stattfinden, der Füllstand und der Kilometerstand werden automatisch übermittelt. Allerdings bietet GoMore dieses System erst Autobesitzern in Zürich und Basel an, und es kostet die Autobesitzer 25 Franken pro Monat. Dafür verspricht GoMore bis zu 5 mal mehr Buchungen pro Monat.

Autos in Tiefgaragen funktionieren nicht

Künftig soll der Keyless-Dienst auch in anderen Städten angeboten werden. «Wir sind gerade dabei, die Installationen mit unserer Werkstatt zu organisieren und suchen weitere Partner in der ganzen Schweiz», sagt Burcu Biçer, Market Specialist Schweiz.

Nicht möglich ist die automatische Übergabe von Fahrzeugen, die in abgeschlossenen Tiefgaragen stehen. Dann müssen die Vermieter ihr Auto erst umparkieren, bevor sie es zur Miete anbieten können. «Das Auto muss kurz vor Mietbeginn auf einem öffentlichen Parkplatz stehen», sagt Biçer.

Die Konkurrenz scheiterte

GoMore wolle im ersten Jahr in der Schweiz 25'000 Mitglieder gewinnen und 500'000 Autos. In Dänemark habe GoMore bereits eine Million Mitglieder bei einer Bevölkerung von 6 Millionen. «Um unser organisches Wachstum anzukurbeln, planen wir umfangreiche Investitionen in das Marketing über verschiedene Kanäle in der Schweiz», sagt Biçer.

Die Dänen sind nicht die ersten, die Carsharing von Privaten ermöglichen. Schon Sharoo hatte dies vor einigen Jahren erfolglos versucht. «Wir haben gesehen, dass Sharoo ursprünglich sehr erfolgreich war und viel Resonanz erhielt, aber später aus Gründen, die wir nicht kennen, an Schwung verlor», sagt Biçer. GoMore sei beispielsweise in Finnland sehr erfolgreich, wo andere gescheitert seien. Ausserdem habe die Firma Sharoo nur eine schlüssellose Lösung angeboten, während GoMore auch die persönliche Übergabe ermögliche.

Mobility bleibt Marktleader

Der Carsharing-Markt ist derzeit hart umkämpft. Der Autoimporteur Amag hat im Mai 2020 als Lizenznehmerin den Carsharing-Dienst Ubeeqo in der Schweiz lanciert. Die Autos von Ubeeqo stehen an verschiedenen Standorten und können via App ausgeliehen werden. Dabei handelt es sich allerdings nicht um Autos von Privaten. Die Flotte wird von der Amag betrieben. Ubeeqo wird etwa in Bern, Zürich, Zug und Basel angeboten.

Auf einen ähnlichen Markt schielt der Autovermieter Enterprise mit seinem neuen Angebot «Click & Go». Mietwagen können unter anderem in Zürich, Zug, Luzern und Basel per App gebucht werden. Weiterhin kein Weg vorbei führt in der Schweiz am Marktführer Mobility. Mit knapp 3'000 Fahrzeugen und 245'000 Kundinnen und Kunden entfällt der Löwentanteil des Carsharings auf die Genossenschaft.

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