Kein Bahnhof ohne Brezelkönig: An fast jeder grösseren SBB-Station verkauft die Tochterfirma des Kioskkonzerns Valora ihre Laugensandwiches, -Hotdogs und -Gipfeli. Auf rund 60 Standorte bringt es die erfolgreiche Kette. Valora hatte Brezelkönig und dessen deutsche Inhaberfirma Ditsch 2012 für geschätzte 350 Millionen Franken übernommen.

In der Branche war damals klar: Valora hat sich eine Perle im Schweizer Detailhandel ergattert. In Deutschland kamen zahlreiche Ditsch-Bäckereien dazu. Der Umsatz wuchs seither stetig mit dem Laugen-Geschäft. Der Brezelkönig-Erfolg weckte Gelüste bei den Valora-Managern, auch das Ausland zu erobern. 2017 eröffnete der Kioskkonzern, zu dem auch die Formate «Avec» und «Caffè Spettacolo» gehören, erste Brezelkönig-Geschäfte in Österreich und in Frankreich. Die Ziele waren hoch gesteckt. 2017 sagte der damalige Valora-Präsident Rolando Benedick im Interview mit der «Schweiz am Wochenende», dass man bis 2019 rund 50 Filialen in Europa anvisiere. «Das sollten wir schaffen. Hoffentlich früher.»

Der «King of Pretzels» ist kein Thema mehr

Nun zeigt sich: Das Ziel wurde deutlich verfehlt. Valora brachte es bis Ende letzten Jahres gerade mal auf sechs Verkaufsstellen; zwei in Frankreich und vier in Österreich. Die beiden Geschäfte in Pariser Einkaufscentern wurden geschlossen. In Österreich sind es noch drei Standorte: am Flughafen Wien Schwechat, am Wiener Westbahnhof sowie in Graz.

Ein Sprecher bestätigt entsprechende Informationen. Es habe sich gezeigt, dass Lauge in vielen Ländern noch nicht so populär sei wie in Deutschland oder in der Schweiz. Valora habe mit den sechs Geschäften, die selber betrieben wurden, die Märkte eingehend testen wollen in Bezug auf das Sortiment, die Preise und das Layout der Filiale. Nun wolle man mit Franchise-Partnern wachsen. Die Wachstumsziele wurden allerdings heruntergeschraubt und nach hinten verschoben. Neu peilt Valora rund 40 internationale Brezelkönig-Filialen bis 2025 an. Wo diese stehen werden, sei noch offen, sagt der Sprecher.

Klar ist hingegen, dass die USA nicht infrage kommen. Dabei hatte der Valora-Präsident im genannten Interview eine Expansion im «Land der unbegrenzten Möglichkeiten» nicht ausgeschlossen. In den nächsten 18 Monaten seien USA-Filialen kein Thema, sagte er damals. «Danach werden wir sehen.» Zudem liess Valora die Marke «King of Pretzels» registrieren. Bei der Präsentation der Halbjahreszahlen sagte Konzernchef Michael Mueller vergangene Woche auf Frage dieser Zeitung:

Expansionshunger mit der «Backwerk»-Kette

Dennoch wächst Valora mit tiefgefrorenen Brezeln, von der deutschen Backfirma Ditsch sowie der 2017 gekauften US-Tochterfirma Pretzel Baron. Sie beliefern zahlreiche amerikanische Detailhändler und bauen ihre Kapazitäten derzeit aus. Jährlich stellen sie 650 Millionen Brezel-Produkte her.

Mehr Expansionspotenzial sieht Valora derzeit bei der ebenfalls 2017 übernommenen Restaurant-Kette «Backwerk». Laut einer aktuellen Investorenpräsentation sollen jährlich zehn neue Filialen eröffnet werden, insbesondere in Deutschland, Österreich und Holland.