Uhrenindustrie

Breitling verzeichnet ein stabiles Wachstum

Uhrmacher bei der Breitling. Die mechanischen Uhrwerke werden in La Chaux-de-Fonds gefertigt.

Uhrmacher bei der Breitling. Die mechanischen Uhrwerke werden in La Chaux-de-Fonds gefertigt.

Der Grenchner Uhrenfabrikant Breitling sieht auch in Asien weiterhin intakte Chancen.

Das Herz der Schweizer Uhrenindustrie liegt in La Chaux-de-Fonds. In den vergangenen Jahren schossen hier prunkvolle Manufakturen aus dem Boden. Zeugen des Booms. Doch im vergangenen Jahr kippte hier die Stimmung.

Frankenstärke, Absatzprobleme in Asien und die Konkurrenz durch Apple oder Samsung führten zu einem Umsatzrückgang wie seit 2009 nicht mehr. Luxus verkauft sich nicht mehr so leicht. Dies spüren vor allem die beiden börsenkotierten Konzerne Richemont und Swatch. Beide vermeldeten enttäuschende Jahresresultate.

Was ist los mit der Schweizer Uhrenindustrie? Jean-Paul Girardin, Vizepräsident des Uhrenkonzerns Breitling, will die Situation anhand eines Rundgangs durch sein Werk erläutern. Zum Gespräch erscheint er mit dem Helikopter.

Der Flug vom Hauptsitz Grenchen, wo die Firma seit 1982 tätig ist, und dem Werk in La Chaux-de-Fonds – wo man seit 1892 Uhren produziert – dauert 14 Minuten. «Mit dem Auto hätte ich eineinhalb Stunden. Die eingesparte Zeit setze ich lieber ein für die Beschäftigung mit Kunden und Mitarbeitern», erklärt der Hobbypilot. 

Kein Vergleich mit der Uhrenkrise

Girardin selber stammt aus einer Uhrmacher-Familie. Als Teenager erlebte er hautnah mit, wie die ganze Branche in die Krise schlitterte. Von Anfang der Siebziger- bis Mitte der Achtzigerjahre sank die Beschäftigung in der Branche von 90 000 auf 30 000 Stellen. Tausende Uhrenarbeiter wurden arbeitslos, Unternehmen gingen in Konkurs. Auch Breitling erwischte es fast. «Ich sah damals für mich keine Zukunft in der Uhrenbranche. Deshalb studierte ich Werkzeugmaschineningenieur an der ETH. Und ich begann meine Karriere zunächst in der Industrie.»

Erst viel später zog es den Bieler zurück in die Heimat. Ende der Achtzigerjahre heuerte er bei Swatch an, bevor er 1992 zu Breitling wechselte, das inzwischen dem vor einem Jahr verstorbenen Ernest Schneider gehörte. Hier verantwortete Girardin unter anderem die Ausweitung der Modellpalette – unter anderem mit der im vergangenen Jahr vorgestellten Smartwatch.

Der Zustand der Schweizer Uhrenbranche wird heute oft mit der Zeit vor der Krise in den Siebzigerjahren verglichen. Den Verantwortlichen wird vorgeworfen, zu spät auf die neuen Entwicklungen reagiert zu haben. Girardin setzt dem seine Sicht entgegen: «Wir bei Breitling sind im vergangenen Jahr stabil gewachsen und haben gelernt, mit einem starken Schweizer Franken zu leben.»

Den Grund für seine Zuversicht sieht Girardin zunächst darin, dass die Nachfrage in anderen Märkten wie den USA, England oder Deutschland nach wie vor sehr stark sei. Das seien die Hauptmärkte von Breitling, aber auch Kernmärkte der anderen grossen Uhrenhersteller. In der Eurozone konnte man im letzten Jahr die Preise um fünf Prozent anheben.

Sorgen bereite ihm derzeit einzig die Schweiz, für seine Firma der zehntwichtigste Absatzmarkt: Die Flaute im Tourismus sei spürbar, und dies habe auch Folgen für den Uhrenabsatz. In Asien sieht Girardin jedoch weiterhin Chancen: «Weil wir in China praktisch überhaupt nicht präsent waren wie andere Konkurrenten, sehen wir für uns weiterhin Potenzial.» 

Eigenes Werk aufgebaut

Als wichtigste Leistung Girardins gilt der Aufbau einer unabhängigen Produktion für mechanische Werke. Das macht die Firma unabhängig von den grossen Werkherstellern (siehe Text links). Die Logistik entwickelte Girardin gemeinsam mit einem deutschen Testcenter für Blutprodukte: In eigens entwickelten Boxen werden die Werke auf einem Laufband von einem Arbeitsschritt zum nächsten transportiert.

Das erste so in La Chaux-de-Fonds produzierte eigene mechanische Chronografenwerk wurde 2009 vorgestellt. So darf sich Breitling heute offiziell Manufaktur nennen und bleibt eine der wenigen grossen Uhrenmarken, die 100 Prozent ihrer Produktion, rund 150 000 Werke pro Jahr, bei der offiziellen Kontrollstelle COSC (Contrôle Officiel Suisse des Chronomètres) zertifiziert.

Männer in fliegenden Kisten

Bei Breitling arbeiten derzeit 200 Mitarbeiter in La-Chaux-de-Fonds in der Produktion, noch einmal so viele in Grenchen – sie sind im Verkauf und in der Konfektionierung tätig –, in Genf sind fünf Mitarbeiter im Bereich Design tätig. Die Geschichte der Uhrenfirma, die 1884 von Léon Breitling in Saint-Imier gegründet wurde, ist eng mit der Fliegerei verbunden.

Spätestens seit der Enkel des Firmengründers, Willy Breitling, 1936 die Flugzeuge der britischen Luftwaffe mit Borduhren ausgerüstet hatte, setzt man im Marketing auf die fliegenden Kisten. Heute wirbt die Firma mit dem Gesicht des Schauspielers und ausgebildeten Linienpiloten John Travolta.

Man müsse wirklich nicht Flieger sein, um es bei der Firma an die Spitze zu schaffen, beteuert zwar Hobbypilot Girardin. Ein Blick in die Geschichte der Marke zeigt jedoch: Schaden kann es sicher nicht.

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