Detailhandel

Avec-Läden unter Zugzwang – erobern ausländische Kioske die Bahnhöfe?

Avec-Läden werden künftig anders aussehen: Ein neues Logo soll dabei helfen.

Avec-Läden werden künftig anders aussehen: Ein neues Logo soll dabei helfen.

Valora-Tochter will mit neuem Konzept bei Pendlern punkten. Ein neuer Auftritt und neue Label sollen dabei helfen.

Sie sind violett-grün und in der ganzen Schweiz zu Hause: die Avec-Läden. Nun will die Valora-Tochter ihre Geschäfte auffrischen – und damit bei Pendlern punkten. Nur: Die SBB haben die Geschäftsflächen von Avec neu ausgeschrieben. 

Die dominante Farbe in den Avec-Geschäften wird künftig Magenta sein. Zudem will sich die Firma neu ausrichten. Frisches und Handgemachtes soll künftig mehr Platz erhalten. Der Schritt kommt zu einem brisanten Zeitpunkt. Denn die SBB haben Geschäfte von Avec an Bahnhöfen neu ausgeschrieben – künftig könnte jemand anders auf diesen Flächen Läden betreiben.

Die Neu-Ausschreibung der SBB trifft Valora, den Avec-Mutterkonzern, gleich mehrfach. Die Bundesbahnen haben Kiosk- und Verkaufs-Flächen mit vorwiegend Convenience-Produkten ausgeschrieben. Noch bis Ende Jahr können sich Interessenten um die 265 Ladenflächen bewerben. Am stärksten betroffen ist Valora. Der Vertrag für 210 Valora-Kioske und Press+Books-Läden, ebenfalls eine Valora-Firma, läuft Ende 2020 aus. Dazu kommen 30 Geschäfte, in denen momentan Avec eingemietet ist, wie SBB-Pressesprecher Christian Ginsig auf Anfrage sagt.

Bald ausländische Kioske?

Um die Ladenflächen dürfte es ein grosses Gerangel geben. Denn anders als der normale Detailhandel ist das Geschäft mit den Pendlern noch immer ein stark wachsendes Segment. 2016 wurden in der Schweiz laut Schätzungen des Marktforschungsinstituts GFK 5,25 Milliarden Franken Umsatz an Kiosken, in Convenience-Läden und Tankstellenshops erzielt. 2005 waren es noch rund 20 Prozent weniger. Getrieben wurde diese Entwicklung nicht zuletzt von den grösser werdenden Pendlerströmen.

Am Montag kündigte Coop-Chef Joos Sutter bei «20 Minuten» an, dass sein Unternehmen Interesse an zusätzlichen Ladenflächen an Bahnhöfen hat. Die Coop-eigenen Läden, welche die Firma teilweise von Aperto übernommen hat, sind nicht von auslaufenden Verträgen betroffen. Hingegen muss die Migros um zehn Verkaufspunkte von Migrolino kämpfen.

Zudem werden laut Christian Ginsig rund 20 Kiosk- oder Convenience-Flächen neu dazukommen. Valora, Coop und Migros müssen sich dabei aber nicht nur gegen Schweizer Bewerber durchsetzen. «Es ist möglich, dass sich ausländische Firmen um die Flächen bewerben», sagt der SBB-Sprecher. Valora hat bereits angekündigt, dass man sich wieder um die Flächen bewerben will.

Neues Logo

Bei Avec hat man nun auf diese Entwicklung reagiert und richtet sich neu aus. Das neue Logo soll «in den nächsten Monaten zum Einsatz kommen», sagt Valora-Sprecher Lukas Mettler auf Anfrage. Eine direkte Verbindung zur SBB-Ausschreibung verneint Mettler zwar. «Wir versuchen, unser Angebot stetig zu verbessern», sagt er. Doch als Argument für eine weitere Zusammenarbeit mit den SBB ist der Stilwechsel bei Avec sicher wertvoll. Zudem will Avec frischer werden.

Dazu lanciert die Firma ein neues Label: Avec – Handmade with Love. «Damit sollen Produkte gekennzeichnet werden, die von Hand hergestellt beziehungsweise veredelt werden», sagt Mettler. Zudem lanciert Avec ein weiteres neues Label. Es soll die Regionalität deutlicher in den Vordergrund stellen, heisst das neue Label doch: «Von hier. Regional für dich». Die Logos wurden vor Kurzem von Valora als Marken eingetragen, wie die «Handelszeitung» als erste berichtete. Über die Kosten des Faceliftings schweigt sich die Firma aus.

Avec betreibt über 120 Läden in der ganzen Schweiz, einen Teil davon an Bahnhöfen. Das Unternehmen wurde einst als Joint Venture von Migros, SBB und Valora gegründet. Die SBB schieden 2005 aus dem Unternehmen aus. 2008 wurde das Joint Venture aufgelöst, Migros und Valora teilten sich die Verkaufsflächen auf. Die Migros setzte im Anschluss auf die Migrolino-Franchise.

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