Kommentar

Autozulieferer müssen ihre Nische finden – und sie pflegen

Livio Brandenberg

Livio Brandenberg

Schweizer Firmen besitzen einen entscheidenden Vorteil, schreibt Wirtschaftsredaktor Livio Brandenberg. Wer seine Nische pflegt und ein gutes Produkt anbietet, bleibt am Ende unentbehrlich.

Lange profitierten die hiesigen Autozulieferer von den steigenden Absätzen. Auch Industriebetriebe aus der Zentralschweiz haben auf die Automobilbranche gesetzt und dabei sehr gut verdient. So etwa der Zuger Schrauben- und Verbindungselementespezialist Bossard: Noch bevor der Elektroautobauer Tesla «sexy» war, begann man, das kalifornische Unternehmen mit Schrauben, Muttern und Nieten zu beliefern. Heute ist Tesla Bossards wichtigster Kunde. Auch die Dierikoner Herstellerin von Kabelverarbeitungsmaschinen Komax ist stark abhängig von der Autobranche: Über 80 Prozent des Umsatzes wird hier erzielt. Ein weiteres Beispiel ist der Emmer Stahlhersteller Schmolz + Bickenbach, Lieferant von Spezialstahl für Ventile in Verbrennungsmotoren.

Doch seit einem Jahr stottert der Motor. So gingen die Neuzulassungen von Personenwagen in der Schweiz im ersten Halbjahr 2019 im Vorjahresvergleich um 7 Prozent zurück; in den EU- und Efta-Ländern sank die Zahl um 7,9 Prozent. Dies schlägt sich in den Aktienkursen der erwähnten Zulieferfirmen nieder – alle drei Titel verloren in den letzten Monaten deutlich. Schweizer Firmen besitzen allerdings einen entscheidenden Vorteil: Sie bewegen sich in Nischen, dazu waren sie erst recht gezwungen, als die Nationalbank den Euromindestkurs aufhob. Das beste Beispiel ist Komax, die in ihrer Nische die klare Nummer 1 ist – weltweit. Und Komax ist auch deswegen ein gutes Beispiel, weil die Firma viel Geld in die Forschung und Entwicklung investiert.

Die Baisse in der Automobilindustrie geht nicht spurlos an den Zulieferern vorbei, entsprechend nervös reagieren die Anleger. Doch wer seine Nische pflegt und ein gutes Produkt anbietet, bleibt am Ende unentbehrlich.

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