Analyse
Raiffeisen wächst dank KMU-Krediten – doch für viele Firmen schlägt bald die Stunde der Wahrheit

Während die Bank mit Hypotheken bremst, macht sie gerade ermutigende Erfahrungen mit Kleinunternehmen.

Daniel Zulauf
Daniel Zulauf
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Die Umverteilung der Macht von der St. Galler Zentrale zu den Mitgliedsbanken scheint der Raiffeisen-Gruppe gut zu tun.

Die Umverteilung der Macht von der St. Galler Zentrale zu den Mitgliedsbanken scheint der Raiffeisen-Gruppe gut zu tun.

Gaetan Bally / KEYSTONE

Raiffeisen hat im vergangen Jahr 3,1 Prozent mehr verdient und den Gewinn auf 861 Millionen Franken gesteigert. Nur 2017 war das Ergebnis noch höher. Doch seit jenem Rekordjahr hat die Gruppe einige tiefgreifende Veränderungen vollzogen. Im Management und im Verwaltungsrat sitzen durchwegs neue Leute. In der komplexen genossenschaftlichen Organisation wurde die Macht von der Zentrale in St. Gallen stärker an die Mitgliedsbanken beziehungsweise in die Regionen verschoben.

Ende Jahr zählte die Gruppe noch 225 selbständige Banken. Deren vier sind im Berichtsjahr durch Fusionen oder Übernahmen verschwunden und bis 2023 will die Zentrale sechs eigene Niederlassungen in Bern, Thalwil, Winterthur, St. Gallen, Basel und Zürich in selbständige Banken umwandeln.

Weniger Fusionen und trotzdem tiefere Kosten

In früheren Jahren konsolidierte die Bankengruppe in einem weit höheren Tempo. Trotzdem scheint Raiffeisen die Kosten gut im Griff zu haben. 2020 sind die Kosten um fast drei Prozent gesunken, obschon die Zahl der Mitarbeitenden zwei Jahre nach dem grossen Abbau in der Zentralle wieder um gut zwei Prozent auf 9492 Vollzeitstellen zugenommen hat.

Im Kerngeschäft mit den Hypotheken steht die Bank schon etwas länger auf der Bremse. Zwar hat der Hypothekenbestand 2020 noch einmal um stattliche fünf Milliarden auf 190 Milliarden Franken zugenommen. Doch seit drei Jahren stagniert der Marktanteil der grössten Hypothekenbank des Landes bei 17,6 Prozent. Während die Zinsmargen im Geschäft mit Eigenheimfinanzierungen laufend sinken und 2020 bei Raiffeisen ein durchschnittliches Niveau von 0,93 Prozent erreicht haben, nehmen die Risiken laufend zu. Es drohen Preisblasen, die im Fall eines stärkeren Konjunktureinbruchs bei steigender Arbeitslosigkeit platzen könnten.

Vor diesem Hintergrund forciert Raiffeisen stärker das Wachstum mit Firmenkrediten. Diesen gehen grossmehrheitlich an kleine- bis mittelgrosse Firmen aus allen Segmenten. 2020 nahmen diese Ausleihungen um 1,3 Milliarden Franken beziehungsweise um 9,2 Prozent zu. Ein grosser Teil des Firmenkreditportefeuilles ist zwar ebenfalls hypothekarisch besichert, etwa durch Gewerbeliegenschaften, aber immerhin hat Raiffeisen auch 4,9 Milliarden Franken an ungedeckten «Blankokrediten» bei Firmenkunden ausstehend.

Jeder achte Covid-19-Kredit zurückbezahlt

Raiffeisen ist nicht die einzige Bank, die eine erstaunliche Widerstandskraft der Schweizer KMU feststellt. Von den knapp 17 Milliarden Franken vom Bund gedeckten Covid-19-Krediten. welche die Banken 2020 unter knapp 140'000 Firmen verteilt hatten, sind inzwischen 1,57 Milliarden Franken (9%) zurückbezahlt. Von den zwei Milliarden Franken, die von Raiffeisen verteilt worden waren, sind sogar schon 12 Prozent zurückbezahlt.

Allerdings rechnen die meisten Banken damit, dass für viele KMU die Stunde der Wahrheit erst noch kommen wird. Auch Raiffeisen hat für potentielle Kreditausfälle vorsichtshalber mehr Rückstellungen gebildet. Doch gemessen am gesamten Kreditvolumen von über 200 Milliarden Franken sind die im Berichtsjahr vorgenommenen Wertberichtigungen von 261 Millionen Franken immer noch verschwindend klein.

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