Gold gilt seit alters als Schatz – als etwas, das seinen Wert bewahrt und das Vermögen schützt. In Krisen und Kriegen, aber auch bei Geldentwertung, also Inflation bzw. Teuerung.
Was aber treibt den Wert des Goldes selbst? Inflation und Krisen stärken seine Strahlkraft. Aber es ist nicht konkurrenzlos. Sein härtester Konkurrent ist der Dollar. Die Weltwährung Nr. 1 (der Militär- und Wirtschaftsmacht Nr. 1) gilt ebenfalls als sicherer Hafen, hat aber den Vorteil, Zinsen abzuwerfen. Etwa durch den Kauf von US-Staatsanleihen. Steigen die Zinsen, ermattet der Glanz des gelben Metalls.

Die neuen Könige

Der Goldpreis beeinflusst auch die Gewinne der Notenbanken. Allein im letzten Jahr bescherte das 11 Prozent teurere Gold der Schweizerischen Nationalbank (SNB) 3,9 Milliarden Franken Gewinn. Wie früher die Könige sind es noch immer die Staaten, die über ihre Notenbanken das meiste Gold der Erde verwalten. Auch für sie ist Gold eine wichtige Absicherung der Währung, die sie selbst drucken. Lange war es die einzige. Bis etwa 1930, dem Beginn der Weltwirtschaftskrise, galt nämlich der sogenannte Goldstandard: Die Notenbanken mussten alles Geld, das sie druckten, mit Gold hinterlegen. Davon zeugen ihre riesigen Bestände noch heute.

Würde man alles geschürfte Gold dieser Erde zu einem Würfel einschmelzen, wie gross wäre dann dessen Kantenlänge? 20 Meter – vielleicht ein paar Zentimeter mehr. Überraschend wenig. Der Wert dieses Würfels – sofern ihn jemand kaufen und transportieren könnte, betrüge aber über sechs Billionen Franken, eine 6 mit 12 Nullen. Den Löwenanteil besitzt die US-Notenbank: Das Federal Reserve Board (Fed) hält seit Jahrzehnten mit über 8 Tonnen Gold mehr als doppelt so viel wie Deutschland auf Platz zwei. Danach folgen dicht aufeinander der Internationale Währungsfonds (IWF), Italien und Frankreich. Immer noch über 1000 Tonnen haben China, Russland – und die Schweiz.

Die Schweiz hat Anfang des Jahrtausends viel Gold verkauft – im Nachhinein zur Unzeit. Der grosse Preisanstieg von Gold setzte just ein, als sie das Gros verkauft hatte, nämlich 2005 (s. Grafik). Noch 2008 musste sich die SNB gegenüber parlamentarischen Vorstössen dafür rechtfertigen. Der Verkauf von 1300 Tonnen Gold von 2000 bis 2005 stand im Zusammenhang mit der Aufhebung der Goldbindung des Frankens. Während dieser Goldbindung war Geld nichts anderes als ein Substitut für Gold und konnte jederzeit in Gold umgetauscht werden.

In Wirklichkeit existierte diese Goldbindung längst nicht mehr: Gold war eine normale Ware und der Franken zum gesetzlichen Zahlungsmittel geworden. Mit der Reform der Bundesverfassung per Januar 2000 wurde daher die Goldbindung des Frankens in der Verfassung aufgehoben.

© Quelle: gold.org/Grafik: nch/mta

Die im November 2014 zur Abstimmung gelangte Volksinitiative «Rettet unser Schweizer Gold» (Gold-Initiative) war teilweise auch der Versuch, die «goldenen» Zeiten wieder einzuführen. Sie verlangte, dass der Goldanteil an den Aktiven der Nationalbank auf mindestens 20 Prozent erhöht wird. Das Gold sollte unverkäuflich sein und vollständig in der Schweiz gelagert werden. Sie wurde aber abgelehnt.

Von Krisen beflügelt

Zum Glück. Der Zwang zur Goldhaltung würde Notenbanken zwar hindern, unlimitiert Geld zu drucken – denn Gold ist limitiert (auf den Würfel). Andererseits auch daran, in Krisen entschlossen einzugreifen. Die SNB hätte nicht genug Euros kaufen können, um den Franken zu schwächen. Das hätte die Industrie noch härter getroffen.

© Quelle: gold.org/Grafik: nch/mta

Die Inflation zieht nicht nur in den USA und in Europa an, auch in der Schweiz (siehe unten). Das sollte den Goldpreis stützen. Dennoch gehen die Schätzungen für seinen Verlauf auseinander: Für einen Anstieg sprechen die noch immer tiefen Realzinsen (Nominalzinsen abzüglich Teuerung) und die politische Unsicherheit: 2017 ist ein Superwahljahr und nach dem Überraschungsjahr 2017 mit dem Brexit und der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten kann auch für die Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland kein Szenario ausgeschlossen werden. Es gilt zudem als sicher, dass die nächste Erhöhung der US-Zinsen nächsten Mittwoch Realität wird. Sind die weiteren im Jahresverlauf erwarteten Erhöhungen im Goldpreis bereits eingepreist, droht dem Edelmetall auch von dieser Seite kein Ungemach. Wenn nicht, könnten höhere US-Zinsen den Dollar beflügeln. Und die Finanzgeschichte lehrt: Steigt der Dollar, sinkt der Goldpreis.