Affäre Pierin Vincenz
Fall Raiffeisen: Genossenschaftsbank entschuldigt sich bei ihrem Ex-Risikochef

Beat Hodel wurde im Zuge der Aufarbeitung der Ära Vincenz bei Raiffeisen geschasst. Dagegen setzte sich der Bankmanager zur Wehr. Nun hat er sich mit seiner ehemaligen Arbeitgeberin geeinigt.

Roman Schenkel
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Der Hauptsitz von Raiffeisen in St. Gallen.

Der Hauptsitz von Raiffeisen in St. Gallen.

Bild: Gaëtan Bally/Keystone (5. Juni 2018)
Der ehemalige Raiffeisenmanager Beat Hodel.

Der ehemalige Raiffeisenmanager Beat Hodel.

HO

Es war ein Köpferollen, wie man es bisher nur von den Grossbanken kannte. Nach der Veröffentlichung des sogenannten Gehrig-Berichts zum Fall Pierin Vincenz griff der neue Raiffeisenpräsident Guy Lachappelle rigoros durch: drei langjährige Geschäftsleitungsmitglieder – Regionenleiterin Gabriele Burn, Handelschef Paulo Brügger und Risikochef Beat Hodel – mussten die Genossenschaftsbank am 22. Januar 2019 Knall auf Fall verlassen. Per Medienmitteilung wurde ihr Ausscheiden verkündet. «Damit sind alle Geschäftsleitungsmitglieder aus dem Unternehmen ausgeschieden, die bereits vor 2015 Teil des Gremiums waren», hiess es in der Mitteilung.

Aufräumaktion ohne Kompromisse

War von 2009 bis 2015 Raiffeisen-CEO: Pierin Vincenz.

War von 2009 bis 2015 Raiffeisen-CEO: Pierin Vincenz.

Gaetan Bally / KEYSTONE

Mit dieser Formulierung machte die neue Bankführung klar, dass sie nun alle Vertrauten des gefallenen Raiffeisen-Königs Vincenz weggewischt hatte. Der Weg für einen unbelasteten Neubeginn war geebnet. Allerdings wurde diesem Ziel der Prozess der Säuberung offenbar untergeordnet. Hauptsache gründlich, Kollateralschaden hin oder her. So waren danach zwar drei hochrangige Raiffeisenmanager weg, doch welche persönliche Verantwortung oder gar welches Verschulden sie in der Affäre Vincenz mitgetragen haben, hat man bis heute nicht erfahren.

Beat Hodel, der heute als Compliance-Berater in der Finanzindustrie arbeitet, hat sich gegen die Art und Weise seiner Entlassung gewehrt. Er war erst ein Jahr zuvor in die Geschäftsleitung gekommen. Zuvor war er Chef der Gruppen-Risikosteuerung und Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung. Damit gehörte er zwar fast 15 Jahre lang zum obersten Führungsteam von Raiffeisen Schweiz. Aber wirklich ein Teil des engeren Zirkels rund um Vincenz war er nicht.

Ehemalige Risikochefin Raiffeisens und Frau von Pierin Vincenz: Nadja Ceregato.

Ehemalige Risikochefin Raiffeisens und Frau von Pierin Vincenz: Nadja Ceregato.

Bild: Raiffeisen

Diese Rolle im Bereich Risikokontrolle hatte damals Nadja Ceregato. Die Frau von Vincenz war für die Compliance zuständig, also dafür, dass alle Richtlinien eingehalten würden. Kein Vorbild in Sachen guter Unternehmensführung. Mit dem Abgang von Vincenz musste auch Ceregato die Bank verlassen – das war eine Auflage der Finanzmarktaufsicht. Erst per 1. Januar 2018 rückte Hodel zum Risikochef und damit in die Geschäftsleitung auf. Trotzdem musste er ein Jahr später den Hut nehmen. Ganz nach dem Motto: Mitgegangen mitgefangen.

Klage wegen Rufschädigung

Hodel fühlte sich zu Unrecht mit der Vincenz-Seilschaft verknüpft und nahm sich einen Anwalt. Eine Einigung zur Güte konnte nicht erreicht werden. Auch vor dem Friedensrichter kamen sich der entlassene Risikomanager und seine ehemalige Arbeitgeberin nicht näher. Deshalb reichte Hodel schliesslich wegen vermeintlicher Rufschädigung Klage gegen Raiffeisen ein. Die Kommunikation von Januar 2019 habe ihn zu Unrecht in ein schlechtes Licht gerückt.

Zum Prozess kommt es nun aber nicht. Wie Recherchen von CH Media zeigen, haben sich die beiden Parteien aussergerichtlich geeinigt. «Es ist ein Vergleich zu Stande gekommen», bestätigt Beat Hodel. Er hat deshalb die Klage am Kreisgericht St. Gallen gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber zurückgezogen.

Raiffeisen entschuldigt sich - bezahlt aber nichts

Auf Anfrage schreibt Raiffeisen, dass bis zum heutigen Zeitpunkt weder aufsichtsrechtliche Bedenken oder strafrechtlich relevante Vorkommnisse gegen Beat Hodel vorliegen, noch seien Hinweise auf ein sonstiges Fehlverhalten während seiner Anstellungsdauer bei Raiffeisen Schweiz vorhanden. «Wir bedauern, wenn unsere bisherigen Äusserungen zum Austritt von Dr. Beat Hodel von Dritten nicht in dieser Hinsicht verstanden oder anders interpretiert wurden. Dies war nicht unsere Absicht.»

Die Genossenschaftsbank betont, dass bei der Einigung kein Geld zwischen den Parteien geflossen sei. «Raiffeisen hat seit Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit Dr. Beat Hodel keinerlei Zahlungen an Dr. Beat Hodel getätigt, auch nicht im Zusammenhang mit der erwähnten Klage.» Raiffeisen beteiligte sich aber an den staatlichen Gerichtskosten.

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