Kommentar
Was Bauern von Verlegern unterscheidet – den Medien fehlt die Lobby

Die Agrarvorlagen hatten gegen den Widerstand der Bauenlobby keine Chance. Wenn das Mediengesetz zur Abstimmung kommt wird die Medienlobby allerdings einen schweren Stand haben.

Christian Mensch
Christian Mensch
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Die Bauernlobby hat gezeigt, wie es geht. Ihre Anliegen fanden am vergangenen Wochenende trotz grüner Welle eine solide Mehrheit im Volk. Dabei ist Bauer bekanntlich nicht Bauer. Es gibt die biologischen und die dynamischen, jene für die carnivoren und jene für die vegetarischen Bedürfnisse, die kleinen am Steilhang und die grossen in der Ebene.

Die Vielfalt unter den Bauern ist vergleichbar mit jener unter den Verlegern. Auch da gibt es solche und solche. Einige wenige grosse und etwas mehr kleine, solche auf politischer Mission und solche auf dem Pfad kommerzieller Maximierung, jene für hedonistische Unterhaltung und jene für staatstragenden Service public, die Online-fixierten und die Papier-verhafteten.

Was es nicht gibt, ist eine Medienlobby, zumindest nicht eine, die nur im Ansatz mit der Bauernlobby vergleichbar wäre. Denn wo Bauern ihre Differenzen kleinreden, wenn sie einen Nutzen für den ganzen Berufsstand sehen, da verlieren Verleger vor echten oder vermeintlichen Differenzen den Blick auf ihren gemeinsamen Nenner.

Dies wird sich zeigen, wenn es zum Referendum gegen das im Parlament nach langem Vorlauf beschlossene Mediengesetz kommt. Diese Subventionserhöhungen werden es schwer haben, eine Mehrheit im Volk zu finden. Denn weshalb sollen Medien Unterstützung finden, wenn die grössten Kritiker aus den eigenen Reihen stammen?