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Abo-Kunden sollen bei Verspätungen bald profitieren

ÖV-Passagiere in der Schweiz sollen bei grossen Verspätungen künftig einen gesetzlichen Anspruch auf Entschädigungsleistungen erhalten.

ÖV-Passagiere in der Schweiz sollen bei grossen Verspätungen künftig einen gesetzlichen Anspruch auf Entschädigungsleistungen erhalten.

Bei Verspätungen ab 60 Minuten sollen ab Mitte 2020 auch Inhaber von GAs und von Streckenabos mit einem definierten Tagesansatz entschädigt werden.

In Sachen Passagierrechte ist die Schweiz ein Entwicklungsland und hinkt den benachbarten EU-Staaten hinterher. Das soll sich ändern. ÖV-Passagiere in der Schweiz sollen bei grossen Verspätungen künftig einen gesetzlichen Anspruch auf Entschädigungsleistungen erhalten. Das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) hat im Juli entsprechende Vorschläge in die Vernehmlassung geschickt.

Bei den Einzelbilletten will man sich, wie damals bekannt wurde, an die bestehenden EU-Regelungen anlehnen. Das heisst: Bei Verspätungen von über einer Stunde sollen Passagiere mindestens 25 Prozent des Ticketpreises zurückerstattet bekommen; bei Verspätungen von mehr als zwei Stunden steigt der Anspruch auf mindestens 50 Prozent. Für ein Billett von Zürich nach Lugano (Normalpreis mit Halbtax 32,50 Franken) bedeutet dies im Falle einer zweistündigen Verspätung ein Rückerstattungsbetrag von mindestens 16,25 Franken. Die Ansprüche sollen über ein Formular (Papier oder elektronisch) geltend gemacht werden können.

Branchenlösung liegt auf dem Tisch

Ganz wichtig: Auch Abo-Besitzer sollen im Falle von Verspätungen entschädigt werden. Wie das geschehen soll, war bisher allerdings unklar. Der Ball liegt bei den einzelnen Transportunternehmen. Doch eine Arbeitsgruppe von ch-direct, der nationalen Tariforganisation, an der praktisch alle Transportunternehmen der Schweiz beteiligt sind, hat eine Stossrichtung für eine einheitliche Branchenlösung vorgespurt. Demnach soll bei einer Verspätung von mehr als 60 Minuten am Zielort der Reise der Tageswert eines Abos als Ansatz verwendet werden. Ein GA-Besitzer 2. Klasse (3860 Franken) würde einen Tagesansatz von 10,55 Franken erhalten, bei der 1. Klasse wären es 17,25 Franken. Der Ansatz pro Geltungstag soll auch für Strecken- und Verbund-Abos gelten. Als Mindestentschädigungsbeitrag sind – wie bei Einzelfahrausweisen – 10 Franken vorgesehen.

Um einen allfälligen Missbrauch zu minimieren, soll eine Obergrenze von 5 Prozent des Gesamt-Abo-Wertes festgelegt werden – entsprechend zirka 18 Anträgen im Jahr. Pro Tag wäre auch nur maximal ein Antrag auf Vergütung möglich.

Bereits im Juli hat das Bundesamt für Verkehr (BAV) erklärt, dass es für Abo-Inhaber häufig schwierig ist, die erlittenen Verspätungen nachzuweisen, da sie nicht über ein Billett für eine bestimmte Strecke und einen definierten Zeitraum verfügen.

Kaufquittung soll als Beweis genügen

«Um einen Entschädigungsanspruch geltend machen zu können, reicht es aus, wenn die Reisenden glaubhaft machen können, dass sie von einer Verspätung betroffen waren», so das BAV etwas vage. Gemäss der Arbeitsgruppe, in welcher die SBB den Lead hat, soll ein «weicher Nachweis» reichen, etwa eine Kaufquittung am Ankunftsort. Doch schon jetzt ist klar, dass die Frage des Nachweises und allfälliger Missbräuche noch zu einigen Diskussionen führen dürfte.

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