Luga
Aargau greift in Luzern nach den Sternen

Der Aargau arbeitet an seinem Image. In seinem Pavillon an der Luga in Luzern gibts Sprudelbäder und exquisite Unterhaltung. 900 000 Franken kostet der Gastauftritt des Kantons an der Luga.

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Von Sabine Kuster

Wenn ein Kanton für fast eine Million Franken Werbung macht, stellt sich die Frage: Hat er das nötig? Kennen die Luzerner, welche den Aargau an ihre Erlebnismesse eingeladen haben, ihre Nachbarn nicht genug gut? Eine kurze Umfrage am Samstag auf dem Theaterplatz in Luzern, wo der Aargau auf seinen Auftritt aufmerksam machte, zeigte gewissen Nachholbedarf: «Wir kennen das Schloss Wildegg . . . und Lenzburg? Liegt Lenzburg auch im Aargau? Baden nicht, oder?», rätselte eine Familie aus Meggen bei Luzern.

890 000 Franken für ein bisschen Geografie-Nachhilfe? Christine Stähli, Leiterin des Kommunikationsdienstes des Regierungsrates, sagt: «Es gibt nicht viele Plattformen wie diese, um Werbung zu machen. Die ganze Innerschweiz wird vorbeikommen.»

Ein selbstbewusster Auftritt

Die Aargauer Regierung will mit diesem Auftritt auch das Image des Kantons polieren. Eine Sache, die sich lohne, sagt Stähli: «Das Interesse am Aargau wird grösser, auch politisch. Der Kanton wird jetzt schon mehr einbezogen als früher, unsere Meinung ist gefragt.» Und solche Auftritte seien auch wichtig fürs Selbstbewusstsein der Aargauer.

Gastkanton war der Aargau das letzte Mal 2006 am Zürcher Sechseläuten (Kosten: 550 000 Franken) und davor 1994 an der St. Galler Olma. Stähli findet: «Man kann an einer 10-tägigen Messe wie dieser nicht einfach mit einem Stand auftreten. Entweder man macht was Richtiges, oder man macht gar nichts. Man muss die Leute begeistern.»

Der Aargauer LUGA-Pavillon

Vom 24. April bis 3. Mai ist der Aargau Gastkanton an der Luga auf der Allmend in Luzern unter dem Motto «Willkommen im 7. Himmel». Neben einer Ausstellung über die Schlösser und Ausflugsziele darf im Aargauer Pavillon in zwei Sprudelbädern gebadet werden in Anlehnung an die Thermalbäder. Ausserdem kann man per Muskelkraft auf dem Velo Engel in den 7. Himmel steigen lassen und zwei römischen Legionären beim Aufrichten eines Zeltes für den Centurio zusehen.
Höhepunkte: Am Sonntag, 26. April, treten auf der Eventbühne verschiedene Aargauer Musiker (von Pop bis Blasmusik) und Tänzer auf. Am Freitag, 1. Mai, findet ein Züchter-Wettstreit zwischen den Kantonen Aargau und Luzern statt. Wer hat die schönere Kuh? Wer das stolzere Pferd? www.luga.ch

Ist der Aargau himmlisch?

Das Motto «Willkommen im 7. Himmel» jedenfalls zeugt nicht von mangelnder Begeisterung und fehlendem

Selbstbewusstsein der Organisatoren. Das Geld, welches den Aargau in den 7. Himmel katapultiert, stammt aus der Kasse des Lotteriefonds. Damit wird im 1000 m2 grossen Pavillon und auf der Eventbühne ein volles Programm geboten (siehe separaten Text) - und originelle Ideen werden umgesetzt. So auch am Samstag am Auftaktanlass auf dem Theaterplatz in Luzern: An einem Gerüst baumelten sechs blaue Schaukeln.

Wer sich damit genug Schwung holte, berührte mit seinen Schuhspitzen weisse Ballone - stellvertretend für Wolken. Dass echte Wolken aus mehr als nur Luft bestehen, erfuhren die angereisten Aargauer und anwesenden Luzerner stärker, als ihnen lieb war: Am Vormittag regnete es zeitweise heftig, erst später strahlte die Sonne wieder. Moderator Sirio Flückiger vom Radio Argovia gab sein Bestes, um die Luzerner zum Gerüst der Aargauer zu locken. Wer nämlich mit einem Dart-Pfeil eine wolkenförmige Scheibe traf, durfte einen Schaukel-Bausatz mit nach Hause nehmen.

Zudem traten stündlich Aargauer Künstler auf, die mehr Publikum verdient gehabt hätten: Jürg Steinmeier, der haarsträubende Märchen erzählte, Hendrix Ackle und Werner Bodinek, die ihre absurden und romantischen Geschichten musikalisch und verbal darboten, das Aargauer Trio Los Chicos Perfidos, welches die Musik Mexikos mit Augenzwinkern nach Luzern brachte, sowie die Rapper Polemikk und Benjibonus.

Für eine starke Achse Aargau-Luzern

Während der Luga will der Aargau nicht nur auf seine touristischen Attraktionen aufmerksam machen. Auch politisch ist man aktiv: Die Parlamentarier und die Verwaltung beider Kantone treffen sich je an einem Abend zum Nachtessen. «Für uns ist der Aargau als Gastkanton ein Idealfall», sagt Markus Lauber, Chef der Luga. Denn beide Kantone, eingequetscht zwischen den Metropolen Bern und Zürich, könnten zusammen stärker auftreten. Die Zusammenarbeit tue not, schliesslich fahre «kein anständiger Zug» von Luzern direkt in den Aargau. «Für mich endet die Welt in Sins», sagte Lauber.