Die Schweiz gilt als Vorzeigeland beim Recycling. An über 100'000 Sammelstellen können gebrauchte Aludosen, Glas- und PET-Flaschen entsorgt werden. Entsprechend hoch sind die Recyclingquoten: 83 Prozent für PET, 92 Prozent für Alu, und 94 Prozent für Glas. Doch es ginge noch besser. Die Frage ist: Wie? So hat kürzlich eine Gruppe Politiker von links bis rechts eine parlamentarische Initiative eingereicht in der sie ein Pfand auf die verschiedenen Behälter fordert (CH Media berichtete).

Der Verein PET Recycling Schweiz verfolgt hingegen eine andere Strategie. Er spricht sich gegen eine Pfandpflicht aus und will stattdessen die Anzahl Sammelstellen deutlich erhöhen. Allein für PET-Flaschen gibt es heute in der Schweiz 50'000 Sammelstellen, bei Detailhändlern, in Büros, Schulen oder Freizeitanlagen. «Doch noch immer gehen uns grosse Mengen an PET verloren, die entweder im gewöhnlichen Abfall, oder, noch schlimmer, auf der Strasse landen», sagt Jean-Claude Würmli, Geschäftsführer von PET Recycling Schweiz.

"Einfluss auf die Recycling-Quote wäre erheblich"

Im Visier des Vereins sind insbesondere Haltestellen des öffentlichen Verkehrs, wo gewöhnlich nur ein einfacher Abfallkübel steht. PET-Recycling Schweiz hat einen Masterplan erstellt, um an Bus- und Tramstationen PET-Recyclingstellen zu installieren. Heute gibt es 22'000 Haltestellen der öffentlichen Verkehrsmittel in der Schweiz. «Wir gehen davon aus, dass zirka 20 Prozent davon stark frequentiert werden.» Man rechne somit mit bis zu 4000 zusätzlichen Sammelstellen.

«Der Einfluss auf die Recycling-Quote wäre erheblich, denn da verlieren wir täglich eine sehr grosse PET-Menge», sagt Würmli. Mit den zusätzlichen Stellen glaubt er, sei eine Recycling-Quote beim PET von 90 Prozent in den kommenden fünf Jahren erreichbar.

Die verloren gehende Menge könnte der Verein gut gebrauchen. Denn die Nachfrage nach dem umweltfreundlicheren Recycling-PET steigt. Heute besteht die Mehrheit der PET-Flaschen durchschnittlich noch immer zu 60 Prozent aus neuem Plastik. Das Problem sind insbesondere braun und grün gefärbte Flaschen wie von Valser oder Rivella, die aus technischen Gründen bis vor kurzem nicht zu neuen PET-Flaschen recycelt werden konnten. Dies war nur für transparentes und hellblaues PET möglich. Inzwischen hat der Recycling-Verein jedoch eine technische Lösung gefunden.

Erste Fortschritte bei Nestlé, Cola und Migros

Die Industrie hat erste R-PET-Flaschen lanciert. So sind die Sirup-Flaschen der Migros neuerdings komplett aus Schweizer R-PET hergestellt. Coca-Cola hat begonnen, seine Valser-Mineralwasser-Flaschen zu 100 Prozent auf heimisches R-PET umzustellen. Der CO2-Verbrauch ist bei diesen Flaschen 75 Prozent geringer. Und Nestlé hat diese Woche in Belgien Mineralwasserflaschen aus R-PET in den Verkauf gebracht. Der Waadtländer Nahrungsmittelmulti, einer der grössten Plastiksünder der Welt, hat sich zum Ziel gesetzt, seine weltweite R-PET-Quote für Wasserflaschen bis 2025 auf 35 Prozent zu steigern.

Erste Pilotprojekte für Sammelstationen an öV-Haltestellen sind bereits am Laufen; in Bern, Baden, Morges, Genf, Chiasso, Melide und Locarno. Verhandlungen mit weiteren Städten wie Zürich oder Wädenswil sind in Gange. Die Idee sei nicht neu, doch habe man bei den Gemeinden oft Widerstand erfahren, da diese einen Mehraufwand befürchteten. Schliesslich sind die jeweiligen Städte für die Rückführung des Abfalls zuständig. «Die aktuelle Klimadebatte hilft uns aber natürlich in den Diskussionen», sagt PET-Chef Würmli.

SBB: 95 Prozent der Abfälle landen im richtigen Eimer

Die SBB zählen über 6300 Abfalleimer an ihren Bahnhöfen. Rund 1400 davon sind moderne Recycling-Stationen mit PET-, Alu-, Papier- und Abfall-Behältern. Ein Sprecher nennt diese eine «Erfolgsgeschichte». Sie würden von den Pendlern pflichtbewusst genutzt. 95 Prozent der Abfälle landen im richtigen Behälter, wie eine Analyse gezeigt habe. Was das System kostet, sagen die SBB nicht.

Glasflaschen sammeln die Bundesbahnen allerdings nicht separat. Dafür sei einerseits die Menge zu klein, da in den Bahnhöfen nur wenige Glasprodukte verkauft werden. «Zudem könnten Glasscherben gefährlich sein», sagt der Sprecher. Die Recycling-Offensive an den Bahnhöfen hat auch damit zu tun, dass Bahngesellschaften in den vergangenen Jahren die Anzahl Abfallkübel an Bord ihrer Züge stark reduziert haben. Pläne, dies rückgängig zu machen und das Recycling in den Zügen zu fördern, gebe es derzeit aber nicht.