Werbeanrufe sind wohl etwas vom Nervigsten, was die Neuzeit hervorgebracht hat. Trotzdem scheinen sie erfolgversprechend zu sein: «Wir stellen einen massiven Zuwachs von Beschwerden fest», sagt Mediensprecher Fabian Maienfisch vom Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO). «Das lässt darauf schliessen, dass das Geschäftsmodell ‹Werbeanrufe› vermehrt eingesetzt und der Sterneintrag offenbar nicht in genügendem Masse respektiert wird.»

Der Stern hinter einer Nummer im Telefonverzeichnis sollte vor solchen unerwünschten Werbeanrufen schützen. Trotzdem sind in den vergangenen drei Jahren rund 20'000 Beschwerden wegen Missachtung des Eintrags beim SECO eingegangen.

Doch was passiert damit? «Das SECO sichtet die Beschwerden, und wenn sich die Indizien verdichten, kann eine Klage in Betracht gezogen werden», so Maienfisch.

Da sich die «unlauteren Geschäftspraktiken» meistens mündlich am Telefon abspielten, sei es schwierig, diese zu beweisen. Für eine erfolgreiche Klage seien mindestens 20 Beanstandungen nötig.

Woher haben die meine Nummer?

Die Callcenter greifen auf automatisierte Verfahren zurück. Es ist aber auch möglich, dass die oder der Angerufene dem Unternehmen seine Telefonnummer früher einmal angegeben hat. Ob ein Unternehmen nach Ende der Geschäftsbeziehung jedoch weiterhin berechtigt ist, den Konsumenten zwecks Werbung anzurufen, ist laut Maienfisch unklar.

Wie kann ich mich wehren? Schlecht bis gar nicht. Man könne zwar verlangen, von der Liste des Callcenters gestrichen zu werden, die Vergangenheit habe aber gezeigt, dass die Unternehmen sich davon nicht abschrecken lassen. «Einen absoluten Schutz vor Telefonmarketing gibt es nicht», sagt die SECO. Es gebe aber gewisse Massnahmen, mit denen man sich besser vor unerwünschten Anrufen schützen könne.

Konsumentenschützer fordern Eingreifen der Telefonanbieter

Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) fordert von den drei grössten Telekomfirmen Swisscom, Sunrise und Cablecom technische Massnahmen gegen unerwünschte Werbeanrufe.

Eine technische Lösung, mit der unerwünschte Anrufe blockiert werden können, bestehe bereits: «Seit mehreren Monaten bieten fünfzehn regionale und mittelgrosse Anbieter in der Westschweiz (zum Beispiel VTX und Netplus) diese Möglichkeit ihren Kundinnen und Kunden kostenlos an, wobei jeder Kunde individuell wählen kann, ob solche Anrufe blockiert werden oder nicht», so die SKS in einer Medienmitteilung.

Das Problem bleibt wohl (vorerst) bestehen

Die Swisscom möchte zur Forderung der SKS derzeit noch keine Stellung nehmen. Sie weist jedoch darauf hin, dass sie ein Gerät anbiete, das es dem Konsumenten erlaubt, 15 Rufnummern zu sperren. Weiter könnten Aufrufe von unterdrückten Nummern aufs Festnetz-Gerät kostenlos unterbunden werden.

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