Die besten Aussagen von Jan Fehr und Thomas Steffen im Videozusammenschnitt.

Tele Züri

Talk Täglich
Infektiologe Jan Fehr: «Von einer Endemie zu sprechen, wäre definitiv verfrüht»

Die erwartete Omikron-Monsterwelle ist da. Während der Bundesrat bereits Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Pandemie schürt, äussern sich Experten zurückhaltender. Im Talk Täglich nehmen Infektiologe Jan Fehr und der ehemalige Basler Kantonsarzt Thomas Steffen zur aktuellen Corona-Situation Stellung und zeigen mögliche Szenarien für die Zukunft auf.

Drucken

Täglich meldet das Bundesamt für Gesundheit bis zu 30'000 Neuinfektionen – so viele Fälle wie noch nie. Anders präsentiert sich die Situation in den Spitälern. Die Lage ist zwar weiterhin angespannt, ein explosionsartiger Anstieg der Hospitalisierungen blieb bisher jedoch aus. «Die Spitalzahlen scheinen entkoppelt von den Ansteckungen», sagt der Zürcher Infektiologe Jan Fehr im Talk Täglich auf Tele Züri. Die Schweiz brauche mit Omikron nun einen Mittelweg an Massnahmen, so wie ihn der Bundesrat gewählt habe.

Auch der ehemalige Basler Kantonsarzt Thomas Steffen sagt, der Massnahmenmix der Landesregierung scheine «im Moment zu verheben», aber man müsse vorsichtig bleiben:

«Ich hätte mehr Massnahmen gewählt, um die Kontrolle besser zu behalten.»

Aktuell stehe nicht die Befürchtung einer Überlastung der Intensivstationen im Fokus. Die Experten sind sich einig, dass Omikron nach bisherigem Kenntnisstand mildere Verläufe hervorruft als Delta. Hingegen bereiten ihnen die drohenden Ausfälle aufgrund von Ansteckungen im Gesundheitswesen und anderen relevanten Betrieben Sorgen. Im schlimmsten Fall könnten kritische Infrastrukturen lahmgelegt werden. Wichtig sei deshalb, die Omikron-Welle nun so zu moderieren, dass in der Schweiz nicht alle gleichzeitig angesteckt werden. Denn für Fehr ist klar:

«Praktisch jeder und jede wird mit Omikron in Kontakt kommen.»

Von der viel zitierten Durchseuchung will der Infektiologe allerdings nichts wissen. «Dieses Wort nehmen wir nicht gerne in den Mund, weil es voraussetzt, dass wir uns in einer Situation ohne Schutz befinden. Gott sei Dank ist aber ein relativ grosser Teil der Bevölkerung mit der Impfung geschützt.»

Noch zu früh um von einer Endemie zu sprechen

Was folgt auf die Monsterwelle? Der Bundesrat äusserte sich bereits verhalten optimistisch: «Wir hoffen, dass wir uns am Übergang zwischen der Pandemie und der Endemie befinden», sagte etwa Gesundheitsminister Alain Berset vergangene Woche. Vorsichtiger äussert sich Infektiologe Fehr:

«Es wäre verfrüht, jetzt schon von einer Endemie zu sprechen. Ich bin froh, wenn wir nicht gleich in Hurra-Geschrei ausbrechen.»

Am wahrscheinlichsten sei, dass wir diese Situation noch länger managen müssen, ergänzt Thomas Steffen. Im Langzeitverlauf heisse dies aber, dass sie immer besser zu managen sei und die Belastung sich reduziere. «Wenn jetzt nicht eine neue Variante auftaucht, erreichen wir langsam ruhigeres Gelände. Aber eben: langsam.»

Den ganzen Talk können Sie hier nachschauen:

Tele Züri

(sam)

Aktuelle Nachrichten