Gemüse
Tipps für Selbstversorger: So bekommen Sie Gemüse aus dem eigenen Garten

Wenn Sie sich als Selbstversorger mit Gemüse aus eigenem Anbau ernähren wollen, brauchen Sie nicht nur eine gewisse Nutzfläche, sondern auch viel Ausdauer für die regelmässige Pflege des Bodens und der Pflanzen. So werden Sie zum Gemüse-Gärtner für den Eigenbedarf.

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Pro Person gehen Fachleute von einem Bedarf von 50 Quadratmetern Nutzfläche aus, um sich vollständig von selbst angebautem Gemüse ernähren zu können. Für eine vierköpfige Familie beträgt die benötigte Gartenfläche für den Gemüseanbau damit 200 Quadratmeter, der unterschiedliche Bedarf von Kind und Erwachsenen spielt dabei keine Rolle.

Als ideal gelten lange Reihen von Beeten mit rundum zugänglichen Wegen, wobei die „Hauptadern“ in der Breite Platz für eine Schubkarre bieten sollten. Die Gemüsebeete selbst sollten möglichst windgeschützt in Richtung Süden angelegt werden, damit sie viel Sonne erhalten. Gegen zu viel Wind helfen kleine Steinmauern oder Holzwände.

Bäume sollten nicht zu dicht an den Beeten wachsen, da sie Schatten werfen und vor allem Obstbäume dem Gemüse wichtige Nährstoffe entziehen. Der Komposthaufen darf hingegen nahe am Beet errichtet werden.

Die Wasserversorgung ist der nächste Punkt, der beachtet werden muss. Optimal ist ein Bewässerungssystem mit Pumpenanschluss an Regentonnen oder einen eigenen Brunnen. Leitungswasser zum Giessen zu benutzen, ist auf Dauer eine teure und wenig umweltfreundliche Lösung. Pro Quadratmeter Garten werden in Deutschland durchschnittlich 60 Liter Wasser jährlich verbraucht. In der Saison mit Wasserknappheit ist der Verbrauch besonders hoch.

Die Vorbereitung des Bodens

Wollen Sie 200 Quadratmeter Garten eigenhändig mit dem Spaten umgraben? Es gibt kraftsparende Alternativen. Besorgen Sie sich gute Erde oder legen Sie Ihren eigenen Komposthaufen an. Eine fünf Zentimeter dicke Schicht auf Ihrem Gartenboden genügt bereits als nahrhafter Mutterboden für Ihre Gemüsezucht.

Besonders festen Boden können Sie zusätzlich spatentief umgraben oder lediglich durch Einstechen etwas auflockern. Wenn Sie über die Bodenzusammensetzung in Ihrer Gegend Bescheid wissen, etwa ob die Böden sehr sandig oder lehmig sind, hilft das bei der Auswahl der geeigneten Gemüse, die in Ihrem Garten besonders gut gedeihen.

Welches Gemüse baue ich an?

Wollen Sie Ihren Gemüsegarten längerfristig zur Selbstversorgung nutzen, sollten Sie sich bewusst für einen Fruchtwechsel entscheiden. Das bedeutet, Sie benötigen einen Plan, welche Pflanzen Sie an welcher Stelle Ihres Gartens anbauen. Es gibt Sorten, die den Boden schnell auslaugen. Andere Gemüsearten benötigen weniger Nährstoffe. Die Bepflanzung eines Beetes beginnt mit den besonders viel verbrauchenden Arten, etwa Kohl und Kartoffeln. Im nächsten Jahr folgen weniger zehrende Arten wie Bohnen und Erbsen, danach die am wenigsten anspruchsvollen Kräuter. Im vierten Jahr erholt sich der Boden durch Kompost und macht sich für den erneuten Fruchtwechsel bereit. Alle vier Jahre ist das gleiche Beet dann auf diese natürliche Weise wieder geeignet für den Anbau stark zehrender Pflanzen. Sie können natürlich auch die Bepflanzung mehrerer Beete mit stark und weniger zehrenden Pflanzen regelmässig abwechseln.

Nicht alle Pflanzen vertragen sich

Bei der Wahl der Gemüsesorten sollten Sie nicht nur Ihren persönlichen Geschmack, die Bodenverhältnisse in Ihrem Garten und die klimatischen Bedingungen Ihrer Region beachten, sondern auch die Verträglichkeit der Pflanzen untereinander. Für den Selbstversorger-Garten wird dabei unabhängig von der Saison zur Mischkultur geraten.

Im Unterschied zur Monokultur der Landwirtschaft bedeutet das, im Garten verschiedene Gemüsesorten auf demselben Beet anzubauen. In den benachbarten Reihen wachsen dann beispielsweise Vertreter der jeweils gleichen Pflanzenfamilie nebeneinander, etwa Tomaten neben Peperoni oder Erbsen neben Bohnen. Diese Partnerschaften von Nachtschattengewächsen, Hülsenfrüchten, aber auch von unterschiedlichen Zwiebel- oder Kohlsorten bewirken, dass die Nährstoffe des Bodens besser ausgenutzt werden und sich die Pflanzen teilweise sogar gegenseitig vor Schädlingen schützen. Das trifft auch auf einige „Pflanzengeschwister“ zu, die aus verschiedenen Pflanzenfamilien stammen. Sie begünstigen sich ideal durch die Kombination ihrer Bodenausscheidungen. Das bekannteste Beispiel sind Rüebli und Zwiebeln, die besonders gut zusammen gedeihen. Spezielle Tabellen geben Auskunft, welche Pflanzen sich für den gemeinsamen Anbau in Mischkultur besonders gut eignen oder ausschliessen. Zu den Familien, die sich nicht vertragen, gehören sämtliche stark zehrenden Kohlsorten und Nachtschattengewächse wie Kartoffeln, Tomaten, Auberginen und Peperoni.

Das ganze Jahr frisches Gemüse aus dem eigenen Garten

Mit dem Begriff „Fruchtfolge“ beschreibt der Gärtner, welche Pflanzensorten in einem Jahr im gleichen Beet angebaut werden können, weil sie je nach jahreszeitlicher Saison nacheinander wachsen. Dazu gehören Sorten, die bereits im Herbst gesät werden oder in der Erde überwintern können wie Kartoffeln, Lauch und Schwarzwurzeln. Andere Arten können gut im Gewächshaus oder Frühbeet aus Samen zu vereinzelten Setzlingen gezogen werden. Sind die Nachtfröste vorbei, erfolgt das Auspflanzen in den Garten. Weniger empfindliche Sorten werden ab Mitte März direkt ausgesät.

Wer bei den Gemüsesorten darauf achtet, ob es sich um frühe oder späte Arten handelt, kann das Beet bis zu drei Mal im Jahr bepflanzen. Der Gärtner spricht dann von Vorkultur, Zwischenkultur und Nachkultur. Der Vorteil des ständigen Bepflanzens liegt zum einen darin, dass kaum Platz für Unkraut bleibt und zum anderen darin, dass das Auseinandersetzen von Rüebli etwa nach der direkten Aussaat entfällt, wenn sich dazwischen beispielsweise schon Radieschen breitmachen. Durch die Ernte entstehende Lücken können mit schnell wachsenden Salaten oder Kräutern aufgefüllt werden. Wer dann noch Vorratswirtschaft betreibt und selbst Gurken oder Sauerkraut einlegt, hat tatsächlich das ganze Jahr „frisches“ Gemüse aus dem eigenen Garten.