Wanderleitung
Silvia Hochstrasser: «Es sah aus wie eine Himmelsleiter»

Wanderleiterin Silvia Hochstrasser wandert gerne direkt in Baden in mystischer Stimmung. Und sie erzählt, nach welcher Wanderung sie ein prägendes Erlebnis mit ihrer Tochter hatte.

Fabian Muster
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Silvia Hochstrasser in ihrem Wanderoutfit.

Silvia Hochstrasser in ihrem Wanderoutfit.

ZVG

Warum wandern Sie?

Silvia Hochstrasser: Ich habe das Gefühl, dass ich etwas nachholen muss, was ich als Kind mit der Familie verpasst habe – ausser in der Pfadi wanderte ich nicht. Meine Eltern haben damals ein Geschäft aufgebaut und meine Schwester hatte eine schwere Wachstumsstörung.

Zur Person

Silvia Hochstrasser, 59, aus Nussbaumen ist Stadtführerin in Baden und Region. Sie leitet alle zehn Wanderungen im Aargau.

Können Sie sich an ein prägendes Kindheitserlebnis erinnern?

Ich war mit der Pfadi im Lager. Auf einer Wanderung im Poschiavo kamen wir am Lago di Saoseo vorbei. Das war eindrücklich: Ich hatte noch nie einen so tiefblauen See gesehen.

Welches ist Ihre Lieblingswanderung?

In Baden gehe ich gerne in den Eibenwald: Jurabäche und der dunkle Wald versetzen mich in eine mystische Stimmung. In meiner zweiten Heimat im Goms sehe ich vom Schlafzimmer aus auf das Blasenhorn. Jeden Morgen schaut es mich so frech an, dass ich Lust habe, hochzusteigen.

Bei welcher Wanderung gabs Überraschungen?

Letzten Herbst war ich mit einer Wandergruppe in Montenegro. Ich habe noch nie ein so steiniges Gelände gesehen: vom kleinen Stein über den grossen Felsen bis zum Berg, alles nur Stein. Es gab nicht einmal Tierstimmen.

Nach einem anstrengenden Wandertag: Was gönnen Sie sich?

Ich lagere die Beine hoch und trinke ein kühles Bier.

Nach welcher Wanderung waren Sie so richtig kaputt?

Nach einer zehnstündigen Wanderung vom Goms ins Maggiatal. Am Schluss musste ich noch ins Maggiatal absteigen, weil ich die letzte Bahn verpasst hatte. Ich holte mir einen grauenhaften Muskelkater, weil ich schnell abgestiegen war, damit meine Eltern nicht Angst bekämen. Sie hatten kein Handy und warteten auf mich.

Was war eines Ihrer schönsten Erlebnisse beim Wandern?

Mit unseren Kindern übernachteten wir im Glarnerland in einer Hütte: Unsere Tochter ging noch einmal raus auf einen Felsvorsprung und kniete nieder: Genau in diesem Moment öffneten sich die Wolken und ein Sonnenstrahl schien auf sie. Es sah aus wie eine Himmelsleiter.

Was haben Sie auf Wanderungen immer dabei?

Jacke, Notapotheke, WC-Papier und etwas Geld. Als Verpflegung nehme ich neben genug Wasser immer Kornriegel, Dörrfrüchte und meistens einen Cervelat mit.

Wann haben Sie Ihre letzten Wanderschuhe gekauft?

Ich besitze drei Paar Wanderschuhe, je nach Gelände. Jedes Jahr wechsle ich ein Paar aus.

Wie oft gehen Sie wandern?

Einmal pro Jahr mache ich mit der Familie Wanderferien. Im Schnitt gehe ich zudem einmal pro Monat wandern.