Schulen
Neuer Grenchner Gesamtschulleiter, der nichts kosten darf

Der Gemeinderat hat sich in seiner Sitzung vom Dienstagabend über ein kniffliges Dossier zu beugen. Das «Projekt Konsolidierung Schulleitungsstrukturen» tritt in eine entscheidende Phase.

Andreas Toggweiler
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Schüler vor dem Schulhaus Zentrum. Grenchen tut sich ausnehmend schwer mit der Reorganisation der Schulstrukturen.

Schüler vor dem Schulhaus Zentrum. Grenchen tut sich ausnehmend schwer mit der Reorganisation der Schulstrukturen.

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Grenchen soll einen Gesamtschulleiter erhalten, der Chef der künftig noch vier Schulleiter ist. Die Fachkommission Schulen wird aufgelöst. An ihre Stelle soll ein Bildungsausschuss treten.

Das Stadtpräsidium folgt damit im Wesentlichen dem Vorschlag, den der externe Berater Max Wittwer favorisiert. Dieser hatte, gestützt auf Gemeinderatsbeschlüsse und Resultate der externen Schulevaluation (ESE) durch den Kanton, die Strukturen und das Führungsmodell der Grenchner Schulen durchleuchtet und mehrere Modellvarianten einer künftigen Führung vorgeschlagen und beurteilt.

Keine Überstunden mehr

Hierarchisch steht der Gesamtschulleiter oder die Gesamtschulleiterin auf der gleichen Stufe wie die anderen Abteilungsleiter der Stadtverwaltung (z. B. Bauverwaltung) Er ist Vorgesetzter der Schulleiter der neu vier Schulkreise (Halden, Kastels, Eichholz, Sek I) sowie der Schulverwaltung und führt auch die Mitarbeitergespräche.

Die Pensenzuteilung für die Schulleitungen bleibt gemäss der Vorlage «unangetastet», die bisherige 40-%-Assistenz ist jedoch neu beim Gesamtschulleiter angesiedelt. Auch soll künftig auf die Auszahlung von Überstunden verzichtet werden. Um vermehrt Öffentlichkeitsarbeit zu leisten und um die von der FDP-Petition eingeforderte Präsenz des Schulleiters innerhalb und ausserhalb von Grenchen zu gewährleisten, müsse jedoch von der Stadt ein zusätzliches Pensum von rund 20 Prozent zur Verfügung gestellt werden.

Weil es nicht gelungen sei die Rolle der Fachkommission Schulen klar zu definieren, soll diese aufgehoben werden. An deren Stelle tritt nach dem Vorbild der Gemeinde Bettlach ein Bildungsausschuss aus drei bis fünf Gemeinderäten, also eine Art «Super-Schulkommission». Sie ist im Organigramm auf Stufe Gemeinderat angesiedelt.

Seilziehen dauert an

Dass die Reorganisation der Grenchner Schulen bisher ein zähes Seilziehen ist, ist kein Geheimnis. Laut Stadtpräsident François Scheidegger ist der Zeitpunkt günstig, um Nägel mit Köpfen zu machen, insbesondere wegen der Kündigung des bisherigen Vorsitzenden und Halden-Schulleiters Roger Kurt.

Die bisher wirkenden Kraftfelder sind aus den Unterlagen des Gemeinderats ersichtlich. Das bisherige Schulleitergremium wehrt sich gegen die Reorganisation und kritisiert, dass sie zu wenig Gehör gefunden hat. «Das von der Geschäftsleitung erarbeitete 13-seitige Dokument mit Vorschlägen zur Weiterentwicklung des Schulführungsmodells Geschäftsleitung Schulen Grenchen (GLSG) fand im Bericht keinen Niederschlag», bedauert diese in einer Stellungnahme. «Laut ESE-Bericht müssen sich die Schulen Grenchen nun vor allem auf die pädagogische Schulentwicklung konzentrieren. Mit einer Umstrukturierung wird der Fokus für die nächsten Jahre auf die Organisation gelegt. Bringt eine solche Umstrukturierung den gewünschten Mehrwert für die Schule?», wird gefragt. Das von der GLSG im Juni erarbeitete Dokument streicht denn auch die Vorteile des heutigen Modells heraus. Der Tenor unterstreicht das gute Funktionieren des heutigen Systems und plädiert für hohe Autonomie. «Die Schulleitenden sind CEOs in ihren Schulkreisen mit sämtlichen Aufgaben, Kompetenzen und Pflichten». Eine zusätzliche Hierarchiestufe wird als überflüssig erachtet.

Stabsstelle oder Abteilung?

Nicht zuletzt wird auch kritisiert, mit der Reorganisation werde die Schulverwaltung herabgestuft. «Die Schulverwaltung, ein Betrieb der Stadt Grenchen mit rund 80 Mitarbeitenden ... muss den Status einer Abteilung haben», so die Forderung.

Auch die Fachkommission nimmt zum Bericht Stellung und äussert zahlreiche Vorbehalte. Sie schlägt unter anderem ein eigenes Modell vor, das im Wittwer-Bericht gelistet ist. Hier werden gleich zwei neue Verwaltungsabteilungen vorgeschlagen: Schulen Grenchen mit CEO und Schulergänzende Dienste.

Experte Wittwer orientiert sich demgegenüber klar am politischen Willen (Petition FDP und Postulat Aschberger und macht dies auch wiederholt transparent. Als strategische Behörde bestimme der Gemeinderat (GR), wie die Grenchner Schulen geführt und verwaltet werden sollen. «Dementsprechend stark sind die Stellungnahmen der GR-Mitglieder sowie des Stadtpräsidiums ... zu gewichten.» Der Autor hatte unter anderem Konsultationen mit allen Gemeinderatsfraktionen geführt.

Weniger Schulkreise, mehr Kosten

Bleiben die Kosten: Hier hält die Finanzverwaltung in ihrem Mitbericht fest: «Jeder personelle Weggang ist eine Chance, die Organisation zu überdenken und allenfalls anzupassen – insbesondere auch, um Kosten zu senken. Im Bericht werde aber trotz Reduktion der Anzahl Schulkreise mit höheren Kosten gerechnet. «Die Kosten dürfen auf keinen Fall steigen, sondern sollten tiefer ausfallen.»

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