Dietikon
Neue Regelung ab Montag: Vielen ist nicht klar, welche Läden nun schliessen müssen

Mit den neuen Massnahmen begeht der Bund einen schmalen Grat, wie zwei Beispiele aus Dietikon zeigen.

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Limmattaler Zeitung

Der Bundesrat hat letzten Mittwochnachmittag verkündet, dass alle Läden mit «Waren des nichttäglichen Bedarfs», wie er sie nennt, ab diesem Montag schliessen müssen. Doch was bedeutet «nichttäglicher Bedarf» überhaupt? Welche Läden müssen denn nun schliessen, welche dürfen geöffnet bleiben? Dass diese neue Massnahme durchaus Verwirrung stiften kann, zeigt das Beispiel des «Casa Canei» in Dietikon.

Das Geschäft am Kirchplatz verkauft unter anderem italienische Lebensmittel wie Olivenöl aus Bioanbau oder apulische Weine. Nur deshalb müsse der Laden ab Montag nicht schliessen, sagt Besitzerin Claudia Perazza-Alemanni: «Unsere handgefertigten Schalen und Töpfe aus Terracotta darf ich nämlich nicht verkaufen. Die Produkte, die keine Lebensmittel sind, muss ich abdecken, sodass der Kunde erkennt, dass sie nicht angeboten werden.» Nach Anmeldung beim Laden abgeholt werden dürfen sie hingegen.

Letztes Jahr, während des ersten Lockdowns, sei dies noch anders gewesen, so Perazza-Alemanni – obwohl sie schon damals Lebensmittel im Sortiment hatte: «Wegen meiner Terracotta-Produkte und anderer Nichtlebensmittel, die ich verkaufte, fiel ich in die Kategorie ‹Detailhandel›. Jetzt, im zweiten Lockdown, wird ein Laden differenzierter beurteilt.» Heisst: Wer Waren des täglichen Bedarfs verkauft, darf offen bleiben. Gleichzeitig muss das Geschäft aber die restlichen Produkte aus dem Sortiment herausnehmen.

So weit, so gut. Doch die Dietikerin darf ab Montag auch weiterhin ihre Terracotta-Teller, Gläser und Besteck verkaufen. Weil man solche zum Essen und Trinken braucht? «Eine andere Erklärung habe ich nicht», sagt sie. «Für mich macht diese Abstufung wenig Sinn.» Langsam zeigt sich: Der Begriff «nichttäglicher Bedarf» bedürfte genauerer Erklärung.

Der Kundenkontakt soll erhalten bleiben

So darf beispielsweise das Fachgeschäft Spiel+Hobby an der Zürcherstrasse ab Montag keine Kunden mehr begrüssen, da es Spielwaren und Bastelartikel für Kinder anbietet. Spielwaren für Babys bietet auch «BabyOne» an. Das Geschäft an der Silbernstrasse kann hingegen selbst entscheiden, ob es lieber schliessen möchte oder nicht. Dies, weil es zusätzlich noch Pflegeartikel und Stillzubehör verkauft – tägliche Bedürfnisse eben, die entsprechend im Sortiment bleiben dürfen. «BabyOne» wird den Entscheid erst kurzfristig am Wochenende fällen.

So oder so gilt für alle Geschäfte: Hauslieferdienst und Warenabholung am Eingang sind auch ab Montag weiterhin erlaubt. Dennoch stösst die neueste Verordnung des Bundesrats auf Kritik: «Viele Menschen wissen gar nicht mehr, ob die Läden nun offen bleiben oder nicht. Letzten Frühling waren beinahe alle zu, da herrschte immerhin Gewissheit», klagt Perazza-Alemanni. Jetzt würden die Regeln ständig ändern, der Bund streue dadurch Unsicherheit. «Zum Glück habe ich meine Stammkunden. Meine italienischen Spezialitäten findet man nicht überall.»

Ansonsten beobachte sie, dass die Menschen nun vermehrt online einkaufen und bestellen. Sie selbst wolle deshalb ebenfalls einen Onlineshop einrichten. Und trotzdem: «Die traditionellen Läden dürfen nicht komplett verschwinden», so die Besitzerin des «Casa Canei». «Der Mensch als soziales Wesen braucht doch Begegnungen. Für mich als Ladenbesitzer ist der Kundenkontakt unglaublich wichtig.»