Langenthal
Mit Design-Werkstätten will Langenthal für Touristen attraktiver werden

Langenthal hat zwar keinen intakten Altstadtkern und keine Aare wie Solothurn. Aber mehrere Design-Weltfirmen produzieren im Oberaargau. Diese sollen nun «touristisch vermarktet» werden um auch Langenthal zur Tourismus-Stadt zu machen.

Franz Schaible
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Mit Design-Werkstätten will Langenthal Touristen anlocken
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Bei Hector Egger, Langenthal, ist Holz ein Hightech-Baustoff.
Die Spulerei der Création Baumann AG Langenthal.
Glas Trösch in Bützberg «verarbeitet» Glas.
Ruckstuhl AG produziert hochwertige Naturfaserteppiche.

Mit Design-Werkstätten will Langenthal Touristen anlocken

Es ist eine eher ungewöhnliche Partnerschaft, die sich in Langenthal anbahnt. Der Tourismus und die Industrie wollen mit einem gemeinsamen Angebot mehr Gäste in das Oberaargauer Zentrum locken – und im besten Fall einerseits die Gastronomie sowie Hotellerie ankurbeln und andererseits Konsumenten für Produkte «Made in Switzerland» sensibilisieren.

Das Ganze nennt sich «Design Tour Langenthal» und soll im kommenden Sommer gestartet und ganzjährig angeboten werden, wie Uschi Tschannen, Beauftragte Tourismus Oberaargau, auf Anfrage erklärt.

Schwung mitnehmen

Das neue touristische Angebot sehe einen thematischen Rundgang durch fünf renommierte Oberaargauer Designfirmen vor, erläutert Tschannen. Die fünf mitmachenden Unternehmen sind der Vorhangspezialist Création Baumann, die Teppichfabrik Ruckstuhl, der Stuhl- und Tischhersteller Girsberger, der Glasspezialist Glas Trösch sowie der Holzbauer Hector Egger.

«Der Rundgang kann als Tagesausflug oder als Kombi-Ausflugspaket mit Übernachtung in Langenthaler Hotels gebucht werden», verrät die Tourismusverantwortliche. Eingebunden seien die Hotels «Bären» und «L’Auberge», welche Design-Zimmer anbieten können.

«Wir wollen den Schwung der abwechslungsweise alle zwei Jahre stattfinden Veranstaltungen ‹Designers’ Saturday› und ‹Design Preis Schweiz› mitnehmen und auf das ganze Jahr übertragen», erläutert die Tourismus-Fachfrau. Allein der erstgenannte Anlass locke jeweils an nur einem Wochenende gegen 18 000 Interessierte in den Oberaargau.

Viele «Tagesausflügler»

Zwar rechnet Tschannen, dass die Mehrheit der Bucher der Design-Tour Tagesausflügler sein werden. «Aber Ziel ist es gleichzeitig, die Übernachtungszahlen in der Langenthaler Hotellerie mit diesem Angebot bedeutend steigern zu können.»

Potenzial ist sicherlich noch vorhanden. Die sechs Hotels mit insgesamt über 100 Zimmern registrierten im vergangenen Jahr laut Angaben des Bundesamtes für Statistik 20 159 Logiernächte. Dies entspricht einem Plus von fast zehn Prozent, und erstmals wurde die Marke von 20 000 Übernachtungen durchbrochen.

Die beteiligten Firmen sind alles stolze Traditionsunternehmen mit einer Geschichte von jeweils über 120 Jahren. «Wir erwarten, dass es uns gelingt, das Bewusstsein für Schweizer Qualität in den Einrichtungsbranchen zu fördern», begründet Peter Ruckstuhl, Chef und Inhaber in vierter Generation der Teppichfabrik Ruckstuhl AG.

Er hofft, damit dem «Druck aus den Billigländern etwas entgegenstellen zu können». Ähnlich argumentiert Philippe Baumann, Chef der auf exklusive Vorhangstoffe spezialisierten Création Baumann AG.

«Wir wollen den Besuchern und Besucherinnen vermitteln, dass auch heute auf dem Werkplatz Oberaargau Wertschöpfung in der schwer umkämpften Textilindustrie möglich ist.» Es sei eine andere Form von Marketing und eine zusätzliche Kommunikationsmassnahme nach aussen.

Peter Ruckstuhl vermutet, dass die Nachfrage nach solchen Werkbesuchen vorhanden ist. «Wir beobachten ein zunehmendes Interesse von Konsumentinnen und Konsumenten, die Produktion in Echtzeit zu verfolgen.»

Zwar würden bereits heute Gruppen wie Verbände, Vereine oder Schulen den Betrieb besichtigen. «Mit dieser Initiative wird nun eher der einzelne Konsument angesprochen. Die Organisation solcher Einzelbesuche wäre sehr aufwendig.» Deshalb habe die Tourismusorganisation mit ihrem Projekt «offene Türen angetroffen», ergänzt Philippe Baumann.

Schon diesen Sommer

Die «Design Tour Langenthal» soll ab Juni 2014 buchbar sein, sagt Uschi Tschannen. Zurzeit würden zusammen mit den beteiligten Firmen die detaillierten Inhalte des Angebotes ausgearbeitet.

Dasselbe gelte für die Umsetzung der Marketingmassnahmen für die Initiative. Deshalb könne sie über die Preise sowohl für Tagesausflüge wie für Arrangements mit Übernachtung noch keine Angaben machen.

Die Finanzierung des Konzeptes und der Umsetzung wird durch das Programm der Neuen Regionalpolitik (NRP) mit 100 000 Franken oder rund der Hälfte der Kosten mitgetragen, wie Tschannen sagt. Die restlichen 100 000 Franken seien mit Sponsoren und «anderen Geldquellen» abgedeckt.