Region Oberaargau
Kein Wildwuchs bei Windparks

Die Delegiertenversammlung der Region Oberaargau stand im Zeichen der Windkraft. Turbinen-Standorte gibts in der Region.

Julian Perrenoud
Drucken
Gemeinden klar für Windräder

Gemeinden klar für Windräder

Solothurner Zeitung

Prägen bald Windkraftanlagen das Mittelland, so weit das Auge reicht? Stehen sie in den Wässermatten in Reih und Glied? Oder empfangen sie auf den Feldern zwischen Wangen und Niederbipp die Autobahnfahrer? Alle Windräder-Romantiker, so viel sei bereits verraten, müssen hier leider enttäuscht werden. Denn im Mittelland weht gewöhnlich wenig bis gar kein Wind. Warum also befasst sich die Region Oberaargau an ihrer 68.Delegiertenversammlung in der Froburg zu Wiedlisbach mit diesem Bereich der erneuerbaren Energie?

Vier Rotoren geplant

Nun, etwas Wind weht eben doch, im Jura- und Napfgebiet. Eriswil plant deshalb die ersten zwei Rotoren, die vier Megawatt produzieren sollen. Der Oberaargau und das Emmental sind die ersten Regionen des Kantons Bern, die den Teilrichtplan Windkraftanlagen ausgearbeitet haben. Vor zwei Jahren ist die Projektgruppe mit dem Unterfangen Wind gestartet, von der Mitwirkung hätten vor allem die Gegner Gebrauch gemacht, wie Energieberater Rolf Leuenberger sagt: «Es ist ein spannendes Thema – aber umstritten.» Zwischen den Befürwortern und den Gegnern liege ein tiefer Graben.

Der Teilrichtplan prüft, wo Windkraftanlagen mit den örtlichen Rahmenbedingungen vereinbar sind. Nichts verloren haben sie in Wäldern oder geschützten Lebensräumen und Geotopen. Das Ortsbild darf nicht beeinträchtigt werden, der Standort muss an den Verkehr angeschlossen sein. Vögel und Fledermäuse sollen geschützt werden.

Eine lange Liste von Bedingungen, die mit dem Bau eines Windparks einhergehen. Denn das ist es, was der Kanton Bern will: Windparks (ab drei Rotoren) und keinen Wildwuchs. Dank einer Windkarte haben Leuenberger und sein Team 15 Gebiete ausgeschieden, die sie allesamt vor Ort untersucht haben. Schliesslich kommen davon noch zwei für die Windenergie infrage: bei Eriswil und Wynigen-Berge/Eiche.

Die Schweiz produziert momentan 35 Megawatt und liegt damit etwa gleichauf mit Taiwan. Bis 2015 sollen es 208 Megawatt Windenergie sein. Im Vergleich zu Deutschland, das jährlich 20000 Megawatt produziert, nach wie vor wenig.

Den 82 Stimmberechtigten (70 Prozent) im Saalbau zumindest gefiel der neue Teilrichtplan. Sie genehmigten ihn mit zwei Enthaltungen.

«Es gibt ihn, den Oberaargau»

Gute Nachrichten für den Oberaargau hat der Bereich Tourismus parat: Die Region wird nächstes Jahr in die neue touristische Destination Bern eingebunden. «Dafür haben wir drei Jahre gekämpft», sagt Uschi Tschannen, Beauftragte Tourismus Region Oberaargau. Im Sommer hat ein Regionalmanager seine Arbeit aufgenommen. Auch finanziell landet die neue Subregion Oberaargau in einem grösseren Topf, «und wir schwimmen nicht nur bloss mit», sagt Tschannen. Es gibt ein neues Logo und eine neue Website, zudem werden die braunen Autobahntafeln ersetzt. Die Zielgruppe soll weiterhin aus dem Ausflugs- und Tagestourismus kommen, Freizeitsportler und Familien, die es in die Natur zieht.

Derweil verzeichnet auch die Website myoberaargau.com steigende Besucherzahlen: Im November waren es bisher 27000, im Schnitt 784 pro Tag. «Das ist ein erstaunlicher Wert, wir haben ja kein Matterhorn», sagt Leuenberger. Derweil hob Robert Sutter, Präsident der Region Oberaargau, den Wert der Wahl von Johann Schneider-Ammann zum Bundesrat hervor. «Die Schweiz sieht nun, es gibt ihn, diesen Oberaargau – und zwar im Kanton Bern!»

Die Delegiertenversammlung nahm auch Kenntnis einer kurzfristig eingegangenen Demission im Vorstand der Region Oberaargau: Katharina Hofer, Gemeindepräsidentin von Wiedlisbach, zieht sich aus gesundheitlichen Gründen zurück. Die Stimmberechtigten wählten Fritz Scheidegger einstimmig als ihren Nachfolger. Die Kandidatur des Wanger Gemeindepräsidenten blieb die einzige, die einging.