Fussballstadion
Hochhäuser könnten Hardturm-Stadion ermöglichen

Die Chancen für ein privat finanziertes Stadion auf dem Hardturm-Areal steigen. Investoren dürfen auf einen Teil des Areals lukrative Hochhäuser hinstellen und müssen nicht mehr zwingend das an der Urne abgelehnte städtische Projekt weiterverfolgen.

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Blick auf das Hardturm-Areal (Archiv)

Blick auf das Hardturm-Areal (Archiv)

Keystone

Möglich wird dies, weil der Stadtrat die Bedingungen für den Investorenwettbewerb zur Überbauung des Areals nach Gesprächen mit Investoren und Druck aus dem Stadtparlament gelockert hat. Starten soll der Wettbewerb in der zweiten Hälfte 2015, wie Finanzvorstand Daniel Leupi (Grüne) am Mittwoch vor den Medien sagte.

Die wichtigsten Rahmenbedingungen für den Wettbewerb hat der Stadtrat bereits festgelegt: Das Stadion soll Platz für 20'000 Zuschauerinnen und Zuschauer bieten, inklusive Stehplätze. Der Anteil an gemeinnützigem Wohnbau (Kostenmiete) muss mindestens demjenigen des städtischen Projekts entsprechen. Dies sind rund 160 Wohnungen.

Die gesamte Überbauung soll städtebaulich, funktional und architektonisch sehr gut ins Quartier eingebettet sein, Freiräume für die Quartierbevölkerung ermöglichen sowie eine verkehrsarme Nutzung aufweisen.

Das Land wird dem Investor von der Stadt im Baurecht abgegeben. Von der Höhe des Baurechtszinses hängt ab, ob für die Landabgabe eine Volksabstimmung nötig wird. Je tiefer der Zins, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Abstimmung. Für Leupi ist klar, dass der Beitrag der Stadt ans Projekt "gegen Null" tendieren muss.

Hochhäuser statt Erholungsraum

Das Land ist in die drei Baufelder A, B und C aufgeteilt. In der Abstimmungzeitung vom 22. September 2013 hiess es: "Auf dem Areal Hardturm sollen eine Wohnsiedlung mit gemeinnützigem Wohnungsbau (A), das neue Fussballstadion (B) und ein Stadionplatz (unterhalb A) realisiert werden. Das Areal West (C) soll vorerst frei von grösseren Bauten bleiben und dem Quartier als Erholungsraum dienen."

Die Stadtzürcher Stimmberechtigten lehnten ein 216-Millionen-Franken-Stadion auf Kosten der Stadt mit 50,8 Prozent ab, die gleich daneben für gut 103 Millionen Franken geplante kommunale Wohnsiedlung hiessen sie jedoch mit einer 75-Prozent-Mehrheit gut.

Nun gibt der Stadtrat alle drei Baufelder frei für neue, privat finanzierte Projekte. Investoren können optional auch die bereits bestehenden städtischen Projekte für das Stadion (Baufeld B) und die Wohnsiedlung (Baufeld A) weiterverfolgen. Die Planungskosten von 6,5 Millionen Franken fürs alte Projekt "übernimmt die Stadt, also der Steuerzahler", sagte Hochbauvorstand André Odermatt (SP).

Insbesondere die Freigabe von Baufeld C dürfte für Investoren reizvoll sein. Auf dem Areal sind nämlich bis zu 80 Meter hohe Hochhäuser möglich, eventuell noch höhere.

Welchen Beitrag diese Hochhäuser zur Finanzierung von Stadion und gemeinnützigen Wohnungen und anderen Nutzungen leisten können, dürfte der Investorenwettbewerb zeigen.

Ausschreibung und Durchführung des Wettbewerbs sollen einem externen Fachbüro in Auftrag gegeben werden. Für die Durchführung beantragt der Stadtrat beim Gemeinderat im Novemberbrief einen Nachtrag zum Budget 2015 von 1 Million Franken.

Reaktion auf Kritik

Die Lockerung der Wettbewerbsvorgaben ist das Resultat von Gesprächen, welche die Stadt mit Investoren und Architekturbüros führte, die nach der Abstimmung eine Projektidee für ein privat finanziertes Stadion auf dem Hardturm-Areal eingereicht hatten.

Die Gespräche hätten gezeigt, dass der ursprünglich gesteckte Rahmen für den Investorenwettbewerb auf Basis der bestehenden städtischen Projekte für das Stadion und die Wohnsiedlung zu eng war und die Kommunikation bisweilen "suboptimal lief", sagte Leupi. Mehr Flexibilität für die Teilnehmer am Investorenwettbewerb forderte vor einer Woche auch das Stadtparlament.

Freude bei potenziellem Investor

Einer der Investoren, der eine Projektskizze eingereicht hatte, damit beim Stadtrat aber abgeblitzt war und danach die Öffentlichkeit gesucht hatte, ist die Immobilienfirma Swiss Prime Site.

"Die Ausgangslage ist nun wesentlich besser als bisher", sagte SPS-Geschäftsleitungsmitglied Peter Lehmann gegenüber der Nachrichtenagentur sda am Rande der Medienkonferenz. In den Eckpunkten erkenne er die Ideen der SPS.

Ob die SPS tatsächlich am Investorenwettbewerb teilnehme, könne er jetzt noch nicht definitiv sagen. Man müsse die detaillierte Ausgestaltung des Wettbewerbs abwarten.

Wann der erste Ball im neuen Stadion rollt, ist offen. "Der Weg dahin ist lang und schwierig", sagte Stadtrat Odermatt. Er rechne nicht vor 2020 mit einem Anpfiff.

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