Thunstetten
Hier gibt es Wildwest-Romantik auf Reservation

In Jana Schmengers Saloon in Thunstetten sollen Hochzeiten, Firmenessen und Seminare stattfinden. Zusammen mit Freunden hat sie all das aufgebaut, was mittlerweile wie das natürliche Habitat von Revolverhelden und Viehtreibern aussieht.

Christoph Neuenschwander
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Den Barkeeper-Kurs hat Jana Schmenger schon hinter sich, das Wirtepatent macht sie noch. cnd

Den Barkeeper-Kurs hat Jana Schmenger schon hinter sich, das Wirtepatent macht sie noch. cnd

Solothurner Zeitung

Es ist eine kurze Fahrt von Langenthal übers Land nach Thunstetten, vorbei an einigen Wohnhäusern und Bauernhöfen. Zu Fuss geht es um die Hausecke, weg von der Strasse, zum neu gebauten Stall. Der schummrige Flur, in dem es nach Sägemehl riecht und noch zwei oder drei Werkzeuge auf dem Boden liegen, endet an einer Schwingtüre. Und dann steht man im Wilden Westen.

Jana Schmenger strahlt. Für sie geht ein Traum in Erfüllung, denn die ehemalige Arztgehilfin und Spielgruppenleiterin wird bald eine waschechte Bardame in ihrem eigenen Saloon sein. Zusammen mit ihrem Lebenspartner, dem Landwirt Markus Trösch, und einigen Helfern aus ihrem Freundeskreis hat sie all das aufgebaut, was mittlerweile wie das natürliche Habitat von Revolverhelden und Viehtreibern aussieht.

Mit Ausnahme des Rohbaus haben Schmenger, Trösch und Freunde alles selber gemacht: von der Isolation über die Täferung mit «sonnenverbrannten Holzläden» bis hin zu Küche und Bartresen. Die Einrichtung stammt teilweise aus Brockenstuben, der Bisonschädel an der Wand von einer Ranch im Jura.

Wirtepatent und Barkeeper-Kurs

In diesem beschaulichen Ambiente des «Galloway-Saloons» will Jana Schmenger künftig auf Reservation Privatanlässe durchführen: kleine Hochzeiten, Firmenessen, sogar Seminare. «Wir hatten schon vorher privat eine kleine Bar bei uns zu Hause und wurden oft angefragt, ob man die nicht mieten könnte», erzählt Schmenger. Zu Hause, das ist ein Wohnhaus einige Hundert Meter entfernt. Dort habe man aber nicht genügend Platz gehabt. So musste auch Trösch, der nebenbei als Informatiker für die Kantonspolizei Solothurn arbeitet, die Fragen seiner Kollegen, ob man bei ihm Sitzungen abhalten könne, immer wieder mit Nein beantworten.

Also hat das Paar beschlossen, den Bauernbetrieb mit seinen 16 Milchkühen und 14 Hektaren Land um ein Gebäude zu erweitern. Und weil darin nebst Bar auch gleich ein Stall für die drei neuen Galloway-Rinder realisiert wurde, hat man den Saloon nach den zur Fleischproduktion bestimmten Tieren benannt.

Dort hört aber die Verbindung zwischen Galloway-Saloon und Galloway-Zucht längst nicht auf. Von der Bar aus kann man durch ein Fenster in den Stall blicken. Und auf der Speisekarte, man mag es ahnen, wird das Wort «Galloway» nicht lediglich im Titel, sondern auch neben «Fondue chinoise» stehen.

Eine Speisekarte im herkömmlichen Sinne wird es freilich nicht geben. Schmenger will sich auf einige Spezialitäten beschränken: Fondue chinoise eben, Hamburger, Country-Cuts aus eigenen Kartoffeln und vielleicht ein paar weitere Snacks. «Ich will möglichst vieles selbst machen», sagt sie. Essen à la carte liegt da nicht drin. Zumal die Mutter von drei Kindern den Saloon alleine schmeissen wird. Dafür hat sie extra das Wirtepatent in Angriff genommen. Brauchen würde sie es für einen nicht-öffentlichen Betrieb zwar nicht, aber es helfe dabei, einen besseren Überblick über die ganzen Verordnungen zu erhalten.

Auch eine Lizenz für Alkoholausschank hat die 39-Jährige – und dazu einen Barkeeper-Kurs gemacht. «Man kann in einem Saloon nicht nur Tee ausschenken, das würde nicht ins Konzept passen», schmunzelt sie.

Ländliche Western-Atmosphäre

Am 2. Dezember werden Schmenger und Trösch den Saloon im Freundeskreis eröffnen. Dann kann es los gehen. Reservationen für zwei Weihnachtsessen habe sie schon, sagt die künftige Wirtin. Obwohl sie bisher keine Werbung gemacht hat. Sie hoffe vor allem auf Mundpropaganda. Western-Atmosphäre liege ja im Trend. Und so wird sicher die eine oder andere Geschäftsführerin oder Braut ganz gerne einmal vor einer Kulisse dinieren, die einem Sergio-Leone-Film entspringen könnte.

Mit Mode hat Schmengers Entscheid, das Saloon-Konzept durchzuziehen, aber nichts zu tun. Vielmehr ist sie einfach ein Country-Fan. Sie habe zwei Pferde, eine Freundin die Westernreiterin ist, sie kenne die Szene und ausserdem gefalle ihr und ihrem Partner die Musik sehr gut.

Nicht zuletzt passe natürlich auch die etwas abgeschiedene Lage des Bauernhofs zur Atmosphäre, die der Saloon haben soll. Schmenger lässt ihren Blick über den Tresen gleiten und lächelt erneut. Sie freut sich. Kurz nach der Eröffnung hat sie ihre nächste Wirteprüfung, im Februar wird sie die Ausbildung abschliessen. Und sie ist guter Dinge.

Internet: www.galloway-saloon.ch

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