Eriswil
Grünes Licht: Eriswiler wollen mit der Windkraft hoch hinaus

Die Gemeindeversammlung von Eriswil gibt klar grünes Licht für den Bau einer Windanlage auf der Höhe zwischen Eriswil und Luthern. Im nächsten Juni kommt nun die Idee noch vors Volk.

Jürg Rettenmund
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Ein Windrad-Modell in Eriswil

Ein Windrad-Modell in Eriswil

az Langenthaler Tagblatt

Vor einem Monat versenkten die Eriswiler Pläne des Gemeinderates für ein neues Einfamilienhaus-Quartier. Einfamilienhäuser seien kein Zukunftsmodell, sondern eine Lösung der Vergangenheit, wurde von den Gegnern unter anderem ins Feld geführt. Gebaut würden heute Hochhäuser. Dabei war allerdings allen klar, dass Hochhäuser nicht in Eriswil entstehen, sondern in den Zentren und Agglomerationen.

Doch jetzt wollen die Eriswiler selbst hoch hinaus: Einmütig sagten sie am Mittwoch an der Gemeindeversammlung Ja zu einem Planungskredit von 200 000 Franken, mit dem die Abklärungen für ein Windkraftwerk im Gruenholz weiter vorangetrieben werden können. Hundert Meter hoch soll der Mast dafür werden, auf dem die drei fünfzig Meter langen Rotorblätter drehen.

Die Idee, die windreiche Höhe zwischen Eriswil und Luthern LU für die Stromproduktion zu nutzen, ist nicht neu (az Langenthaler Tagblatt berichtete): Sie kam in der Bevölkerung auf, als die Gemeinde 2006 ihre onyx-Aktien verkaufen konnte. Ein Teil des Erlöses sollte wieder zur Gewinnung einheimischer Energie eingesetzt werden, so die Idee. Nachdem auch der regionale Richtplan Windenergie die Eignung des Standortes bestätigt hatte, setzte der Gemeinderat im vergangenen Frühjahr eine Arbeitsgruppe ein, die das Projekt konkretisierte.

Viel Wind

Am Mittwochabend, als die Gemeindeversammlung tagte, hätte der Rotor bereits kräftig Strom produziert. Johann-Ulrich Zehnder, der Präsident der Arbeitsgruppe, hatte sich vor der Versammlung persönlich ins Gruenholz begeben und gemessen. Das Windrad wäre auf Volllast gelaufen.

Von Wind und Wetter liessen sich die Eriswilerinnen und Eriswiler jedoch nicht abhalten, an die Gemeindeversammlung zu kommen. Der Aufmarsch zwar nicht ganz so gross wie vor einem Monat, als die Versammlung bei 299 Personen in die Turnhalle verlegt werden musste. Einer Beteiligung von 13,7 Prozent entsprechen die 138 Anwesenden aber immer noch.

Wie am Informationsabend vor einer Woche wurde das Vorhaben nicht bestritten. Einzig eine zusätzliche Potenzial-Analyse für Solarenergie wurde aus der Versammlung beantragt. Sonnenergie lasse sich in kleinen Anlagen gewinnen und sei daher ein klassischer Fall, wo sich jeder Einzelne mit einem Kollektor auf dem Dach engagieren könne, wurde dem Antragsteller aus der Arbeitsgruppe entgegengehalten. Für ein rentables Windkraftwerk sei dagegen eine Millionen-Investition nötig. Mit 3:99 Stimmen unterlag der Antrag dann auch deutlich, während dem Planungskredit schliesslich
mit 136:0 Stimmen zugestimmt wurde.

Mit den 200 000 Franken soll das Projekt weiter vorangetrieben werden. Neben der Typenwahl und Fragen von Finanzierung und Trägerschaft müssen auch Abklärungen zum Schattenwurf und Schall sowie zur Gefährdung von Vögeln und Fledermäusen getroffen werden.

Definitiver Entscheid an der Urne

Am 17. Juni 2012 sollen die Stimmberechtigten dann an der Urne über ein baureifes Projekt abstimmen können. Zu rechnen ist mit Kosten von vier bis fünf Millionen Franken. Wenn alles rund läuft, sieht der ambitiöse Zeitplan der Arbeitsgruppe vor, dass im Herbst 2013 erstmals Eriswiler Windstrom ins Netz eingespeist werden kann. Die erwartete Produktion entspricht dem dem durchschnittlichen Verbrauch von 1000 Haushalten, ist also grösser als der Eigenbedarf der Gemeinde Eriswil.