Thunstetten
Glas Trösch ist willkommen, Lidl jedoch nicht

Eine Lidl-Filiale ist für Thunstetten keine Bereicherung. Die Gemeindeversammlung ist diesem Argument der Gegner gefolgt und hat die Überbauungsordnung Unterdorf nur zur Hälfte angenommen. Damit darf einzig Glas Trösch in Bützberg bauen.

Jürg Rettenmund
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Überbauungsordnung Unterdorf in Bützberg:

Überbauungsordnung Unterdorf in Bützberg:

az Langenthaler Tagblatt

«Es ist ein grosses Geschäft», stellte der zuständige Gemeinderat Stefan Krähenbühl (FDP) fest, als er an der Gemeindeversammlung die Überbauungsordnung Underdorf in Bützberg erläuterte. Entsprechend ausführlich stellte er es vor.

Dabei ging er nicht nur auf die Überbauungsordnung selbst und die Verkehrssituation ein, sondern präsentierte auch die Antworten von fünf Gemeindepräsidenten, die bereits einen Lidl haben, wie er in Bützberg mit der Überbauungsordnung ermöglicht werden sollte: Hägendorf, Rothrist, Trimbach, Bellach und Biberist.

Krähenbühl: «Keiner bereut Ansiedlung»

Das Resultat: Die Gemeinden stellten keine negativen Auswirkungen fest, auch nicht für das ansässige Gewerbe. Sie bereuten deshalb die Ansiedlung des deutschen Discounters nicht. Die Gemeinden empfehlen aber, den Lidl im Dorf selbst anzusiedeln und nicht ausserhalb, und zwar an einer möglichst viel befahrener Strasse, wo der feststellbare Mehrverkehr kaum auffällt.

Finanzieller Spielraum bleibt eng

Zu keinen Diskussionen führte die Jahresrechnung 2010, die bei einem Umsatz von 10,3 Millionen Franken mit einem Defizit von 648‘000 Franken abschloss. Gemeinderat Beat Siegrist (SP) wies auf den nach wie vor engen finanziellen Handlungsspielraum der Gemeinde hin, der für Wünschbares keinen Spielraum lasse: Die Investitionen von rund einer halben Million Franken pro Jahr lassen sich nur ohne Neuverschuldung finanzieren, solange noch Eigenkapital abgebaut werden kann. Dabei entspricht dieser Betrag für die beiden nächsten Jahre dem Nachholbedarf in der Schulanlage Bifang, und in einer aufgegleisten Schulraumplanung zeichnet sich ein weiterer Investitionsbedarf in diesem Bereich ab. (jr)

Krähenbühl sprach sogar von einem «Glücksfall» für die Anwohner des neuen Baugebietes. Denn Lidl schaffe mit seinem bloss 4,2 bis 7,4 Meter hohen Pultbau eine Pufferzone zu den zehn Meter hohen Industriebauten und nehme auch sonst mit der Bebauung der Parzelle Rücksicht auf die benachbarten Wohnhäuser.

Die Gegner in Bützberg liessen sich von diesen Argumenten aber nicht beeindrucken. Eine 70 Meter lange Baracke sei der Lidl, nicht unterkellert und deshalb nicht nachhaltig. Mit seinem begrenzten Warensortiment sei er zudem für das Dorf keine Bereicherung. Wie sensibel die Hauptstrasse auf Mehrverkehr reagiere, habe sich gezeigt, als wegen des kürzlichen Belagseinbaus Ampeln aufgestellt werden mussten.

Glas Trösch kann bauen

Die Überbauungsordnung Underdorf betrifft jedoch nicht nur Lidl, sondern auch den grössten Industriebetrieb von Bützberg, Glas Trösch. Dieser will zwischen dem Landi-Laden und dem vorgesehenen Lidl-Standort eine neue Halle mit Kopfbau an der Zürichstrasse errichten.

Kreisel-Start am 22. August

Auch ohne Lidl muss Bützberg mit weiteren Verkehrseinschränkungen leben: Nach der Fertigstellung der Zürichstrasse im Underdorf beginnen am 22. August die Bauarbeiten für den Kreisel bei der Einmündung der Schlossstrasse.

Gegen diesen einheimischen Betrieb richte sich ihr Widerstand nicht, betonten die Opponenten. Deshalb obsiegte am Schluss ein Antrag aus der Versammlung, die beiden Teile der Überbauungsordnung aufzuteilen, und nur den von Glas Trösch weiterzuverfolgen. 56 Anwesende stimmten dem Antrag zu, nur 42 dem des Gemeinderates.