40 Jahre «Mobiliar»-Schadendienst

Jürg Häusler: «Immer entlang der rechten Leitplanke»

Am Freitag gilt es Abschied zu nehmen vom Arbeitsplatz in der Generalagentur.

Am Freitag gilt es Abschied zu nehmen vom Arbeitsplatz in der Generalagentur.

Am Freitag geht der Schadendienst-Leiter der «Mobiliar», Jürg Häusler, nach 40 Jahren in Pension. Ab Juli übernimmt sein 27-jähriger Nachfolger Häuslers «idealen Beruf». Besondere Erinnerungen hat er an die Überschwemmung von 1975.

«Ich hatte den für mich idealen Beruf, weil ich den Leuten helfen konnte», schwärmt der 62-jährige Jürg Häusler von seinen 40 Jahren beim «Mobiliar»-Schadendienst. Für den Verkauf von Versicherungen, gesteht er ein, wäre er «nicht so geeignet» gewesen. «Ich bin nicht der Verkäufer mit Budgetdruck», so seine Begründung. Ab 2. Juli wird der 27-jährige Fabian Ingold als Nachfolger in Häuslers Büro Platz nehmen.

Jürg Häuslers Rückblick auf exakt 40 Jahre bei der gleichen Versicherungsgesellschaft fällt positiv aus. Zur Arbeit sei er dank der Vermittlung von Fritz Nyfeler, dem damaligen Leiter der Fach- und Vorbereitungsschule Langenthal, gekommen. Dieser habe ihm nach Abschluss der Handelsschule den «Tipp gegeben». So begann der am 5. Mai 1950 Geborene 1972 seine Karriere in der Versicherungsbranche. Kurz danach wurde er hier erster vollamtlicher Schadendienst-Mitarbeiter.

Drei Jahre später hatte Jürg Häusler nach den durch die Langete verursachten Überschwemmungen von 1975 Grosseinsätze zu leisten. «Wir wurden aber von Experten aus Bern unterstützt», blickt er zurück. Speziell ist, wie er vor 37 Jahren Kenntnis von diesem Hochwasser in Langenthal erhielt: «Ich war in Israel in den Ferien und mit dem Flugzeug unterwegs zurück in die Schweiz.» Als Bord-Lektüre sei die «Schweizer Illustrierte» angeboten worden mit den Brienzer Vierlingen als Titelbild und einem gelben Spickel: «Wer versagte in Langenthal?» Zurück im Oberaargau, habe er sich ein Bild vom Ausmass machen können. «An einem Tag wurden über 1700 Schäden angemeldet», verrät er. Wegen der vielen Schadenfälle seien Arbeitszeiten bis um 22 Uhr an der Tagesordnung gewesen.

Jährlich 7500 Schadenmeldungen

Seine angenehme Art, Fingerspitzengefühl und Fachkenntnis führten dazu, dass Jürg Häusler Leiter des Schadendienstes wurde. «Zusammen mit meinem Team von inzwischen acht Mitarbeitenden – umgerechnet fünfeinhalb 100-Prozent-Stellen – war ich für die Abwicklung von jährlich rund 7500 Schadenfällen verantwortlich. Mein Team weist 150 Dienstjahre auf, und es gab praktisch nie Wechsel», sagt der in Roggwil wohnhafte Jürg Häusler, der mit
seiner Frau Elsbeth zwei längst erwachsene Töchter hat. «Bei allen Schadenfällen gab es für mich Leitplanken, innerhalb derer ich mich bewegte. Dabei hielt ich mich im Normalfall an der rechten Leitplanke, was für mich hiess, was kann ich zahlen? Wenn ein Kunde etwas hatte, wollte ich ihm helfen und für ihn das Beste daraus machen», so Jürg Häusler.

Beim Hochwasser 2007 in Huttwil und Eriswil erledigte der Leiter des Schadendienstes die Schäden an vorderster Front. «1975 war das Wasser nicht so reissend, stieg eher kontinuierlich, 2007 war es wie ein Tsunami», vergleicht Häusler. Wenn Häusler nun von Bord geht, tue er dies mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Bei seinem Einstieg 1972 war die Mobiliar Langenthal noch eine reine Sachversicherung mit einem Prämienvolumen von 10 Millionen Franken. Diese hat sich inzwischen zu einem Allbranchenversicherer entwickelt, und das Prämienvolumen ist auf 35 Millionen Franken angewachsen. Die Generalagentur Langenthal beschäftigt 35 Vollzeitstellen inklusive vier Lernende. «Heute sind im Gebiet der Generalagentur Langenthal zwei von drei Haushalten und jedes dritte Motorfahrzeuge versichert», weiss Häusler.

Besuch beim Bruder in Südafrika

«Wenn Not am Mann ist», will Jürg Häusler dem Schadenteam mit seiner Arbeitskraft aushelfen. Intern wird der Roggwiler auch wegen seiner Fähigkeit des vernetzten Denkens sowie des Organisierens von Anlässen und Projekten geschätzt. «Langweilig wird es mir auch künftig nicht», gibt er sich gelassen und zählt Hobbys auf, die er bald intensivieren will: «Sport, Reisen, Fotografieren, Jassen.» So plant er mit seiner Frau eine einwöchige Bike-Reise von Basel nach Nyon, im Sommer engagiert er sich für das «Jugendlager 2012 Solothurn» des Lions Clubs und für den 13. September ist der Flug nach Südafrika gebucht. Häusler: «Ich werde meinen Bruder Peter besuchen, der seit 49 Jahren dort wohnt. Den Flug nach Südafrika habe ich einfach, nicht retour gelöst. So bin ich flexibel und kann dort länger bleiben, wo es mir richtig gefällt.»

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