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YB krönt sich zum Titel-Hattrick, Hoffnung auf mehr Zuschauer utopisch

Zwei Baumeister des YB-Erfolgs: Trainer Gerardo Seoane und Stürmer Jean-Pierre Nsame.

Zwei Baumeister des YB-Erfolgs: Trainer Gerardo Seoane und Stürmer Jean-Pierre Nsame.

Die Gründe für den dritten Meistertitel der Berner Fussballer in Serie – derweil sind viele Klubs in ihrer Existenz bedroht, wenn nicht mehr Fans erlaubt werden

Vielleicht beginnt die Geschichte des YB-Titels in der Coronasaison 2019/20 mit einer Pizza. 13 Spiele in sechs ­Wochen mussten die Schweizer Fussballer seit Ende Juni bestreiten – es ­waren Herausfor­derungen an die Akteure wie sie es noch nie gab. Und darum waren ungewöhnliche Massnahmen notwendig. Die Young Boys etwa luden einen Ernährungsberater für ein Referat ein. Und dieser zeigte den Spielern auf, warum sie nun in diesen entscheidenden Wochen eben auf Pizza oder Ähnliches verzichten sollten.

Natürlich, es ist ein kleines Detail, aber es zeigt, wie seriös die Berner den Weg zum dritten Titel in Serie ­beschritten. Zu einem Titel, der dank zuletzt fünf Siegen in Serie gesichert wurde. Siege, die – typisch für diese ­Saison – eher ein Krampf denn ein Rausch waren.

Die verpasste Chance des FC Basel – Enthusiasmus in St.Gallen

Heute Abend endet diese spezielle Schweizer Fussballsaison. Vizemeister St.Gallen tritt beim frischen gekürten Meister in Bern an. Ein einziger Sieg hat den Ostschweizern gefehlt, und es wäre zur Finalissima gekommen. Aus Sicht des neutralen Fans wäre ein solcher Showdown die Krönung der insgesamt ausserordentlich spannenden und fussballerisch guten Saison gewesen. Doch mit Blick auf die steigenden Coronafälle ist es ein Glück, dass die Emotionen heute nicht noch einmal überborden.

Die Bilder aus Bern nach dem errungenen Titel waren grässlich genug. Obwohl es in der Hauptstadt bereits zum dritten Mal in Serie eine Meisterfeier gab, vergassen sich einige Fans. Und feierten, als hätte es Corona nie gegeben. Dass sich ein Fan beim Zünden von pyrotechnischem Material schwer verletzte, passte ins Bild.

Doch wo liegen die Gründe für diesen erneuten Berner Meistertitel? Auffallend ist, dass YB seit einigen Jahren als Einheit funktioniert. Im Vergleich zu den Titeln 2018 und 2019 musste das Team in dieser Saison viel leiden. Weil es einen grossen Umbruch bewältigen musste. Und es von grossem Verletzungspech ereilt wurde. Sportchef Christoph Spycher und Trainer Gerardo Seoane haben es dabei meisterhaft verstanden, die Ruhe zu behalten.

Etwas, das gerade beim FC Basel fundamental anders war. Die Basler müssen konstatieren, dass sie eine grosse Chance vertan haben, den verwundbaren Berner Rivalen zu besiegen. Und so überraschte es auch nicht, dass mit St.Gallen jenes Team YB am längsten fordern konnte, das mit seinem Enthusiasmus und seinem Zusammenhalt die ganze Fussballschweiz begeisterte.

Bald wieder Spiele mit mehr als 1000 Zuschauern? Unrealistisch!

Die Frage ist nun, ob es in naher Zukunft überhaupt noch irgendwo Grund für Begeisterung gibt. Am Wochenende des 12. Septembers soll die neue Saison beginnen. Die Fussballklubs hoffen, dann wieder mehr als nur 1000 Zuschauer ins Stadion lassen zu können. Die Liga hat in der vergangenen Woche erste Details des Schutzkonzepts vorgestellt (beispielsweise Maskenpflicht und keine Gästefans). Es wirkte wie ein erneuter Hilferuf vor dem drohenden Ruin.

Am 12. August orientiert der Bundesrat darüber, ob das Verbot für Veranstaltungen mit mehr als 1000 Leuten verlängert oder aufgehoben wird. Aufgrund der aktuellen Situation sind die Hoffnungen der Klubs wohl illusorisch. In einem Interview mit der Sonntagszeitung sagte der neue Corona-Taskforce-Chef Martin Ackermann zu möglichen Sportgrossveranstaltungen: «Es ist der falsche Zeitpunkt. Wir sind ganz nahe am exponentiellen Wachstum und haben deshalb keinen Spielraum mehr. Weitere Lockerungen liegen in dieser heiklen Situation nicht drin.» Das bedeutet wohl, dass sich die Fussball-, aber auch die Eishockeyklubs darauf einstellen müssen, weiter ohne Zuschauereinnahmen zu planen.

Die Situation für den Schweizer Profisport ist dramatisch. Und darum wird die Bundeshilfe sehr rasch wieder zum ernsten Thema. 100 Millionen Franken hat das Parlament als Soforthilfe für den Fussball bereitgestellt. Es hat die Darlehen allerdings an Bedingungen geknüpft, die unrealistisch sind. Beispielsweise haften Liga und Klubs solidarisch für Beträge, die nicht zurückgezahlt werden können. Diese Bedingungen gilt es nun in einem nächsten Schritt noch einmal zu überdenken. Ansonsten erleidet die Schweiz bald den ersten Konkurs-Fall im Profisport.

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