Interview
Xherdan Shaqiri: «Das ist eine dumme und unnötige Frage – wer seinem Körper nicht mehr vertraut, muss aufhören»

Am Wochenende hat Xherdan Shaqiri zum ersten Mal seit 16 Monaten wieder für die Schweizer Nationalmannschaft gespielt. Jetzt spricht er erstmals über sein Comeback, die Corona-Erkrankung und erklärt, ob er vor einem Jahr wirklich keine Lust mehr auf die Nati hatte.

Etienne Wuillemin
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Xherdan Shaqiri - eine Karriere in Bildern: vom FC Basel über Bayern München, Inter Mailand zu Stoke City sowie in der Nati Shaqiris Karriere begann beim FC Basel - 2012 wechselte er zu Bayern München.
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Spektakulär, aber erst beim nächsten Mal klappts...
Fussball-Herz, was willst du mehr? Xherdan Shaqiri setzt zu einem spektakulären Fallrückzieher an.
FC Basel-Trainer Heiko Vogel in der letzten Saison mit Shaqiri in Basel.
Matchwinner: Xherdan Shaqiri traf im Herbst zum 1:0-Auswärtssieg des FCB in Zürich.
Zwei für den kleinen Mann: Bald Bayern-Spieler Xherdan Shaqiri posiert mit seinen Auszeichnungen
Xherdan Shaqiri, hier noch im FCB-Trikot, kommt mit Bayern für ein Testspiel zurück ins «Joggeli».
Franck Ribery, Xherdan Shaqiri und Dante freuen sich über das 2:0. Shaqiri hat es klasse vorbereitet.
Xherdan Shaqiri mit seinen Bayern-Teamkollegen Javi Martinez, Holger Badstuber, David Alaba und Jerome Boateng (von links)
Xherdan Shaqiri feierte den Sieg mit zwei Fahnen: Der Schweizer und der kosovarischen.
Shaqiri mit einem Kollegen, der sich als Hollywood-Star Jason Statham ausgibt
Shaqiri und Pizarro posieren mit dem GQ-Award für die Bayern
Shaqiri bei seinem ersten Besuch am Münchner Oktoberfest
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Xherdan Shaqiri am Sonntag bei seinem Eintreffen in Weggis zum Camp
Nati-Selfie via Xherdan Shaqiri
Shaqiri hat sein Lieblingsstück in der historischen Abteilung gefunden: Ein Lederball aus früheren Zeiten.
Xerdan Shaqiri trägt neben dem Schweizer Wappen auch das albanische und kosovarische auf seinem Schuh.
Bumm! Shaqiris Schuss ins Glück bringt die Schweiz zurück auf Kurs. key
Shaqiri und Messi.
Auch Bayerns Spieler Xherdan Shaqiri ist in Feusisberg dabei.
Nach der Ankunft am Flughafen: Shaqiri, Mehmedi und Drmic (von links).
Xherdan Shaqiri verlässt Bayern und geht zu Inter Mailand.
Mit breiter Brust wird Xherdan Shaqiri seinem neuen Arbeitgeber begegnen.
Xherdan Shaqiri kam beim Heimsieg von Inter noch nicht zum Einsatz
Shaqiri steht auf die Wölfin von der Wall Street (Archiv)
Xherdan Shaqiri
Xherdan Shaqiri schaut sich den Match Stoke City-Liverpool an.
Eine Schlüsselbeziehung: Xherdan Shaqiri spaltet das Team – Nationaltrainer Vladimir Petkovic ist als Konflikt-Manager gefordert. SEBASTIAN SCHNEIDER/Keystone
Shaqiri-Selfie.JPG
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Rasante Rodelfahrt: Eren Derdiyok vergnügt sich beim Schweizer Teamevent auf dem Monte Tamaro zusammen mit Xherdan Shaqiri. Nach schwierigen Jahren ist er zurück in der Nationalmannschaft Freshfocus
Immer im Mittelpunkt, aber auch für die Mannschaft da: Xherdan Shaqiri im Training der Schweizer Nationalmannschaft in Montpellier

Xherdan Shaqiri - eine Karriere in Bildern: vom FC Basel über Bayern München, Inter Mailand zu Stoke City sowie in der Nati Shaqiris Karriere begann beim FC Basel - 2012 wechselte er zu Bayern München.

Keystone

Wie haben Sie Ihr Comeback gegen Spanien, diese 30 Minuten erlebt?

Es war ein schönes Gefühl, nach mehr als einem Jahr Abwesenheit wieder dabei zu sein. Ich habe schon mehrfach gesagt: Die Nati ist und bleibt eine Herzensangelegenheit. Ich habe mich sehr wohl gefühlt auf dem Platz. Und bin froh, der Mannschaft wieder helfen zu können.

Haben Sie gewusst, dass Sie mit dem Coronavirus infiziert gewesen waren, bevor Sie am letzten Montag zur Nationalmannschaft gereist sind?

Mein Körper und ich haben das gewusst, ja (lacht). Das war vor ein paar Monaten, in England, Ende Mai oder anfangs Juni. Ich hatte keine schlimmen Symptome. Selbstverständlich blieb ich zwei Wochen zu Hause, da muss man vorbildlich sein. Ich wurde viel getestet, war nach der Genesung immer negativ, bis letzten Montag. Das hat mich schon ein bisschen überrascht, für mich war klar, dass ich das schon hinter mir hatte.

Es gab verschiedene Interpretationen Ihrer Absage für die Länderspiele im September 2019 gegen Irland und Gibraltar. Es hiess, Sie wollten sich auf den Verein konzentrieren, hätten mentale Probleme. Manche schrieben auch, Sie hätten keine Lust auf die Nati. Wie war es wirklich?

Es wurde sehr viel geschrieben, das meiste war sehr unnötig. Und viel war auch falsch interpretiert. Wer mich kennt, weiss, dass ich immer mit Herzblut für die Schweiz spiele und schon vieles geleistet habe für diese Nationalmannschaft. Und mentale Probleme? Hatte ich bisher noch nie in meinem Leben. Ich bin sehr stark im Kopf und werde das auch weiter sein in Zukunft. Aber klar, es gibt viele Ups and Downs im Fussball, ich war immer wieder verletzt und das waren die Hauptgründe, warum ich sonst fehlte.

Sie haben sich am Nations-League-Finalturnier beim Spiel Schweiz-England verletzt. Und waren danach immer wieder mal verletzt. Was löst das aus? Denken Sie manchmal: Hoffentlich nicht schon wieder! Haben Sie noch genügend Vertrauen in den eigenen Körper?

Es ist klar, dass ich Vertrauen habe in meinen Körper, sonst wäre ich nicht hier. Wer kein Vertrauen mehr hat in seinen Körper, muss nicht mehr Fussball spielen. Die Leute, die nicht mehr an sich glauben, hören meistens auf. Von dem her ist das eine unnötige und eine dumme Frage, finde ich. Weil ich hatte ich noch nie eine Knieverletzung oder an den Hüften Probleme. Es waren meistens Muskelverletzungen, die mich zurückgeworfen hatte. Von dem her kann man das kompensieren mit anderen Sachen. Ich bin froh, wieder fit und 100 prozentig einsatzbereit zu sein. Vielleicht habe ich manchmal zu früh angefangen zu trainieren, aber Vertrauen in den Körper habe ich noch.

Wie sehen Sie Ihre Rolle derzeit in der Nati?

Die hat sich nicht verändert. Ich bin jetzt einer der Routiniers, und ich bleibe als Typ auch derselbe. Ich will ein Leader sein, auf und neben dem Platz, will den Jungen helfen. Ich finde es sehr wichtig, in der Nati Verantwortung zu übernehmen, wenn man sein Land repräsentiert.

Welche Gründe waren für Sie entscheidend, in Liverpool zu bleiben?

Ich möchte nicht mehr gross über Liverpool sprechen. Wir haben morgen ein Spiel gegen Deutschland, darauf freue ich mich sehr. Spekulationen über einen Wechsel gibt es immer. Jetzt habe ich beschlossen, bei Liverpool zu bleiben. Und wenn ich zurück bin in England werde ich versuchen, an meine guten Leistungen, die ich auch schon gezeigt habe, anzuknüpfen.

Das einzige Erfolgserlebnis bei Liverpool in dieser Saison. Shaqiri trifft per Freistoss im Ligacup gegen Lincoln. In Premier-League-Spielen kam er bis anhin nicht zum Einsatz.

Das einzige Erfolgserlebnis bei Liverpool in dieser Saison. Shaqiri trifft per Freistoss im Ligacup gegen Lincoln. In Premier-League-Spielen kam er bis anhin nicht zum Einsatz.

Peter Powell / Pool / EPA