Eishockey
Wird der Konflikt zwischen NLA und NLB ein Fall für die Wettbewerbs-Kommission?

Eine unsinnige Modusänderung könnte einen brandgefährlichen Rechtsstreit zwischen den beiden höchsten Nationalligen provozieren. Wird die Auseinandersetzung zu einem Fall für die Weko, ist die Existenz der Nationalliga in Gefahr.

Klaus Zaugg
Merken
Drucken
Teilen
Abstiegsgefährdete Klubs wie der EHC Kloten wollen mit einem neuen Ausländer-Modus die Durchlässigkeit zwischen der NLA und der NLB vermindern. key

Abstiegsgefährdete Klubs wie der EHC Kloten wollen mit einem neuen Ausländer-Modus die Durchlässigkeit zwischen der NLA und der NLB vermindern. key

KEYSTONE

Die Arroganz der NLA-Manager kann eine juristische Auseinandersetzung provozieren, die das gesamte Konstrukt der Nationalliga in den Abgrund reisst. Es geht um die Auf-/Abstiegsregelung zwischen der NLA und der NLB.

Die Nationalliga ist im juristischen Sinne eine Aktiengesellschaft. Die NLA-Klubs haben die Stimmenmehrheit und die ist nun durch die von ihren Mutterklubs abhängigen Farmteams noch grösser geworden. Bisher sorgte diese NLA-Mehrheit ab und zu für murren. Zu einem erbitterten Konflikt ist es erst jetzt gekommen.

Die NLA Klubs wollen ab der Saison 2017/18 (also ab übernächster Saison) die Liga-Qualifikation mit vier Ausländern spielen. Das bedeutet konkret, dass die NLB per Transferschluss Ende Januar 2018 von zwei auf vier Ausländer aufrüsten und die Playoffs mit vier Ausländern bestreiten muss. Der Mehraufwand für konkurrenzfähiges ausländisches Personal wird zwischen 400 000 und 600 000 Franken pro Klub ausmachen.

Drei Stimmen, verfügt jeder NLA-Klub bei Abstimmungen an Nationalliga-Versammlungen. Die Stimme der NLB-Vereine zählt hingegen nur zwei Punkte. Zudem sind auch die NLB-Farmteams trotz Widerstand der «NLB-Kern-Klubs» stimmberechtigt, womit die Muttervereine ZSC, Zug, Ambri-Piotta und Lugano zusätzliche Macht erlangen. Kurz: Letztlich zählen nur die Interessen der NLA.

Sportlich bringt der Beizug von zwei zusätzlich spielberechtigen Ausländern für die Schlussphase der Saison die Hierarchie im Team durcheinander. Ein Aufstieg wird so beinahe unmöglich. Die letzten Aufsteiger (Biel, Lausanne, Langnau) schafften die Promotion mit zwei Ausländern. Der NLA-Klub musste auf zwei Ausländer «abrüsten».

«Kern-NLB-Klubs» sind machtlos

Die NLB Klubs haben bis November Zeit, einen Gegenvorschlag auszuarbeiten. Dann folgt im nächsten Februar die Abstimmung an der Nationalliga-Versammlung. Die Mehrheiten sind so klar, dass die «Kern-NLB-Klubs» (Ajoie, La Chaux-de-Fonds, Langenthal, Visp, Olten, Martigny, Rapperswil-Jona und Thurgau) chancenlos sind.

Noch versuchen Diplomaten wie Gian Kämpf, der Manager des SC Langenthal, mit guten Argumenten die NLA-Klubs von dieser Modusänderung abzubringen. Es dürfte vergebliche Liebesmühe sein. Und so wird von Juristen im stillen Kämmerlein bereits der Gegenschlag vorbereitet. Wenn die NLA-Klubs auf der Modus-Änderung beharren, werden mehrere NLB-Klubs (die sich noch nicht aus der Deckung wagen) die Hallwylstrasse 4 in Bern anrufen. Dort logiert die Wettbewerbskommission (Weko). Sie ist die Hüterin des freien Wettbewerbs und ihr blitzendes juristisches Schwert ist das Kartellgesetz.

Grosse Werbeallianz von Swisscom, SRG und Ringier genehmigt: Logo der Weko. (Archiv)

Grosse Werbeallianz von Swisscom, SRG und Ringier genehmigt: Logo der Weko. (Archiv)

KEYSTONE/PETER KLAUNZER

Eine Klage bei der Weko wäre für die Hockey-Nationalliga brandgefährlich. Denn der Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung durch NLA-Klubs gegenüber den NLB-Unternehmen ist so offensichtlich, dass ein gescheiterter Jus-Student diese Klage aufsetzen kann. Und wenn die Weko sich erst einmal intensiv mit den Strukturen der Nationalliga auseinandersetzen sollte, dann kann das gesamte juristische Konstrukt zusammenbrechen wie ein Kartenhaus.

Denn es basiert in vielen zentralen Bereichen (wie das Recht auf freie Wahl des Arbeitsplatzes und die Ausländerbeschränkung) auf gesetzeswidrigen sog. Gentlemen-Agreement. Bereits im Frühjahr 2007 konnte der wiederholt im Aufstiegskampf gescheiterte EHC Biel nur mit viel diplomatischem und juristischem Geschick von einer solchen Klage abgehalten werden. Im Frühjahr 2008 stiegen die Bieler dann in die NLA auf. Jetzt kämpfen ausgerechnet die Seeländer an vorderster Front für die umstrittene Modusänderung.