Eishockey
«Wir wechseln bei einem fahrenden Zug die Räder aus»: Der SC Bern nimmt die Krise gelassen hin

Ambri (10.) steht in der Tabelle vor dem SC Bern (11.). Warum der SCB trotzdem an Trainer Johan Lundskog festhält.

Klaus Zaugg
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Raeto Raffainer, Sportchef SC Bern.

Raeto Raffainer, Sportchef SC Bern.

Anthony Anex/Keystone

Die Erneuerung eines meisterlichen Teams ist so schwierig wie der Aufbau einer Meistermannschaft. Allerdings ist der SCB-Absturz der heftigste, seit die Grasshoppers 1968 zwei Jahre nach ihrem Meistertitel in einer Achterliga in die NLB abgestiegen sind. Der SCB hat seit der Meisterschaft von 2019 zweimal Rang 9 erreicht und steht nun auf dem 11. Platz. Im Falle von Bern ist die Ursachenforschung im Vergleich zu Ambri einfach. Fakten zur Personalpolitik genügen. Eine Aufzählung von Namen mag langweilig sein. Aber sie macht die Differenz erst sichtbar. Der Sportchef bei Ambri seit 2017: Paolo Duca. Der Trainer seit 2017: Luca Cereda. Der Assistent seit 2017: René Matte. Die Sportchefs beim SC Bern seit 2017: Alex Chatelain, Florence Schelling, Raëto Raffainer und Andrew Ebbett. Die Trainer seit 2017: Kari Jalonen, Hans Kossmann, Don Nachbaur, Mario Kogler und Johan Lundskog. Die Assistenten seit 2017: Ville Peltonen, Samuel Tilkanen, Mikko Haapakoski, Jukko Varmonen, Lars Leuenberger, Alex Chatelain, Alex Reinhard, Mark Streit, Mikael Hakanson und Christer Olssen. Ein Kommen und Gehen wie in einem Taubenschlag. So ist der Erfolg nicht möglich. Und es wird nun verständlich, warum Trainer Johan Lundskog durch alle Böden hindurch gestützt wird. Obersportchef Raëto Raffainer sagt:

«Ein Trainerwechsel wäre reiner Aktionismus und würde ausser ein wenig Medienpräsenz gar nichts bringen.»

Er stellt klar, dass Johan Lundskog auch nächste Saison an der Bande stehen wird.

Wird die Autorität des Trainers durch die vielen Niederlagen nicht zu stark erschüttert? «Nein», sagt Raffainer. «Weil wir nächste Saison eine ganz andere Mannschaft haben werden. 13 Verträge laufen aus, die Hälfte der Spieler wird nächste Saison nicht mehr dabei sein. Wir wechseln also bei einem fahrenden Zug die Räder aus.»

Nächste Saison gibt es keine Ausreden mehr

Trotz vielen Ausfällen und schwieriger Ausgangslage durch den Umbruch im Team: Eine Entwicklung sollte sichtbar sein. Aber es sind immer noch meistens die gleichen Fehler der gleichen Spieler wie im Herbst, die zu den SCB-Niederlagen führen. Dieser Einschätzung widerspricht der SCB-Obersportchef. «Das sehe ich nicht so. Zwei der letzten acht Partien waren die besten der Saison. Obwohl wir beide verloren haben. Bei der Beurteilung spielt es eine Rolle, wie und unter welchen Voraussetzungen wir verlieren. Nach all den Ausfällen hat Johan Lundskog die schwächste Mannschaft der SCB-Neuzeit zur Verfügung.» Und für die nächsten Wochen gibt er sich kämpferisch:

«Wir werden am Schluss ganz sicher die Pre-Playoffs erreichen.»

Und auf nächste Saison kommen ja mit Chris DiDomenico, Romain Loeffel, Joël Vermin, Marco Lehmann und Jesse Zgraggen neue Titanen. Dafür gibt es dann keine Ausreden mehr.